Regionallinie LGW Lufthansa veräußert frühere Air-Berlin-Tochter

Von Air Berlin zur Lufthansa zum nächsten Käufer: Die Luftfahrtgesellschaft Walter wechselt erneut ihren Besitzer und geht an das Berliner Familienunternehmen Zeitfracht.

Von


Die Lufthansa Chart zeigen trennt sich von einem Teil der übernommenen Air-Berlin-Hinterlassenschaft. Sie verkauft die Regionalfluggesellschaft LGW (kurz für Luftfahrtgesellschaft Walter) an das Berliner Logistik- und Luftfahrtunternehmen Zeitfracht.

Die 1980 von einem Privatunternehmer gegründete LGW hat eine wechselvolle Geschichte hinter sich. Die Gesellschaft flog zunächst mit 20 Propellerflugzeugen vom Typ Bombardier Dash 8-Q400 für Air Berlin. Kurz vor der Pleite der Fluggesellschaft im Sommer 2017 erwarb ihr damaliger Chef Thomas Winkelmann die LGW zum symbolischen Preis - um sie später zusammen mit dem Insolvenzverwalter an die Lufthansa weiterzureichen.

Die Lufthansa nutzte die Airline als Vehikel, um Teile des einstigen Air-Berlin-Flugbetriebs auf ihre Billigtochter Eurowings zu übertragen, nachdem eine Übernahme des österreichischen Air-Berlin-Ablegers Niki am Veto der EU gescheitert war. Schon damals interessierte sich das Berliner Familienunternehmen Zeitfracht für die LGW, kam aber nicht zum Zug. Im zweiten Durchgang hat es nun doch noch geklappt.

Weiterhin für Eurowings im Einsatz

Zum 1. April übergibt die Lufthansa den Ableger, der bislang ausschließlich für Eurowings flog, mitsamt der Crews und Dash-400-Maschinen an den Berliner Flug- und Frachtexperten und konzentriert sich künftig auf größere Jets vom Typ Airbus A320. Für die rund 450 Beschäftigten ändere sich nichts, da es sich um einen geregelten Betriebsübergang handele, hieß es. Die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) kündigte jedoch heftigen Protest an und wirft der Lufthansa vor, sich vor ihrer sozialen Verantwortung zu drücken.

Zeitfracht betreibt mit der WDL in Köln bereits eine Regionalfluggesellschaft mit Flugzeugen, die inklusive Bordpersonal verleast werden. Speziell in diesem Bereich will die Firma nach Aussagen von Zeitfracht-Chef Wolfram Simon-Schröter eine "führende Marktposition" einnehmen. Außer für Eurowings soll das Unternehmen künftig auch für weitere Gesellschaften fliegen, das sehen die Verträge ausdrücklich vor.

Wie viel er für die LGW bezahlt hat, will der Familienunternehmer und studierte Betriebswirt nicht verraten. Ein satter zweistelliger Millionenbetrag dürfte es schon sein. Immerhin hat die Lufthansa der Erwerb der LGW vor gut einem Jahr knapp 20 Millionen Euro gekostet.



zum Forum...
Sagen Sie Ihre Meinung!

© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.