Widerstand aus der EU Lufthansa verschiebt Entscheidung über Rettungspaket

Die Lufthansa müsste wohl an Drehkreuzen in Frankfurt und München Start- und Landerechte abgeben - so könnten die Bedingungen der EU für ein staatliches Rettungspaket aussehen. Nun zögert der Konzern.
Geparkte Lufthansa-Maschinen (Symbolbild): Der Aufsichtsrat hat die Entscheidung über das Rettungspaket verschoben

Geparkte Lufthansa-Maschinen (Symbolbild): Der Aufsichtsrat hat die Entscheidung über das Rettungspaket verschoben

Foto: Soeren Stache/ DPA

Wegen drohender Auflagen der EU-Kommission hat der Lufthansa-Aufsichtsrat eine Entscheidung über das neun Milliarden Euro schwere staatliche Rettungspaket verschoben. Die von der Wettbewerbsbehörde anvisierten Bedingungen für die Staatshilfe bedeuteten eine Schwächung der Drehkreuze an den Standorten München und Frankfurt, begründete das Unternehmen den Schritt. Die daraus resultierenden wirtschaftlichen Auswirkungen sowie mögliche Alternativszenarien müssten intensiv geprüft werden.

Nach SPIEGEL-Information ist die Verärgerung im Aufsichtsrat groß. Denn mit den Umsteige- und Langstreckenverbindungen in München und Frankfurt verdient die Lufthansa besonders viel Geld. Fallen sie weg, sind nach Angaben von Arbeitnehmervertretern mindestens 1500 Jobs in Gefahr - und womöglich noch weitere, weil sich einige Langstreckenverbindungen dann nicht mehr rechneten.

Offiziell hält sich die Wettbewerbsbehörde zum Thema Lufthansa zurück, denn der Fall ist dort noch nicht offiziell angemeldet. Doch längst dringt durch, was Brüssel verlangt, damit ein staatlicher Einstieg des Bundes genehmigt wird. Vor allem soll die Lufthansa demnach an ihren Drehkreuzen in Frankfurt und München Start- und Landerechte abgeben. Bisher belege die Lufthansa an beiden Flughäfen jeweils rund 70 Prozent der sogenannten Slots. Das sei der Kommission zu viel. Nach SPIEGEL-Informationen könnte sie die fraglichen Slots an die Billigkonkurrenten Ryanair und Wizzair geben.

"Vor diesem Hintergrund hat der Aufsichtsrat dem Stabilisierungspaket in Zusammenhang mit den EU-Auflagen nicht zustimmen können", teilte die Lufthansa mit. Die Finanzhilfen sähe das Gremium aber weiterhin als einzig gangbare Alternative an. Auch die Entscheidung über die Einberufung einer Hauptversammlung zur geplanten Kapitalerhöhung sei verschoben.

Zehntausende Jobs in Gefahr

Das Unternehmen war in der Coronakrise schwer unter Druck geraten, weil der Flugverkehr fast völlig zum Erliegen kam. Im Konzern sind rund 138.000 Menschen beschäftigt. Zehntausende Jobs stehen wegen der Folgen der Pandemie auf der Kippe.

Am Montag hatten Bundesregierung und Lufthansa bekannt gegeben, dass das staatliche Hilfspaket für die Fluggesellschaft stehe. Es ist eine Kombination aus Krediten, stillen Einlagen und einer direkten staatlichen Beteiligung. In einem nächsten Schritt muss allerdings die EU-Kommission noch zustimmen.

did/brt/Reuters/dpa
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