Neue Gehaltsstruktur Lufthansa-Vorstand bekommt mehr Geld

Die Lufthansa steht trotz ihres Rekordgewinns unter anhaltendem Kostendruck. Dennoch steigen die Gehälter der Führungsmannschaft. Der Konzern will in diesem Jahr einiges anpacken, hieß es auf der Hauptversammlung.

Lufthansa-Maschinen in Frankfurt
REUTERS

Lufthansa-Maschinen in Frankfurt


Trotz des andauernden Kostendrucks bei der Lufthansa steigen die Gehälter des Vorstands. Die Hauptversammlung des Dax-Konzerns genehmigte mit 89,5 Prozent Zustimmung eine neue Gehaltsstruktur für die fünfköpfige Führungsmannschaft um Chef Carsten Spohr.

Die variablen Teile des Gehalts werden an neue Kennziffern gekoppelt und sollen so perspektivisch rund zehn Prozent über dem bisherigen Niveau liegen, sagte Aufsichtsratschef Wolfgang Mayrhuber.

Im Dax-Vergleich steht Lufthansa weiterhin im hinteren Mittelfeld. Die Gehälter seien seit 2008 nicht mehr erhöht worden, sagte Mayrhuber.

Spohr hat nach dem alten System im vergangenen Jahr inklusive Aktienoptionen und Rentenansprüchen knapp 3,2 Millionen Euro nach 2,74 Millionen Euro im Jahr 2014 verdient.

Seine Bezüge sollen in der neuen Struktur mit einem Plus von rund 300.000 Euro stärker steigen als die der übrigen Vorstandsmitglieder, die 100.000 Euro mehr mit nach Hause nehmen. Damit soll der Abstand zwischen dem Chef und den anderen Top-Managern vergrößert werden. Auch hier dienten andere Dax-Konzerne als Maßstab.

Starker Kostendruck

Lufthansa steht nach Ansicht von Aktionärsvertretern nach wie vor unter starkem Kostendruck. Der aktuelle Rekordgewinn von knapp 1,7 Milliarden Euro ist geprägt von Sondereffekten und dem dauerhaft niedrigen Kerosinpreis. "Strukturell haben sie bislang zu wenig erreicht", kritisierte Markus Neumann von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger den Vorstand.

Lufthansa rechnet über das laufende Geschäftsjahr hinaus mit deutlichen Kostenvorteilen durch billigen Treibstoff. Er erwarte bei etwa gleich bleibenden Preisen und Wechselkursen für die Jahre 2017 und 2018 jeweils Entlastungen im mittleren dreistelligen Millionenbereich, sagte Lufthansa-Chef Spohr.

2015 bezahlte Lufthansa 5,8 Milliarden Euro für Kerosin und sparte damit bereits eine Milliarde Euro im Vergleich zum Vorjahr. Im laufenden Jahr will der Konzern noch einmal so viel einsparen. Auch in den kommenden Jahren solle eine Dividende gezahlt werden, die für 2015 nach einer Nullrunde 50 Cent pro Aktie beträgt.

Erstmals seit vielen Jahren sollen im laufenden Jahr die Produktionskosten der Fluggesellschaft pro Sitzplatz und Kilometer sinken, kündigte der Lufthansa-Chef an. Bislang hatten höhere Löhne sowie höhere Preise für externe Dienstleistungen und Material die Kosten getrieben.

Gleichzeitig müsse das Produkt verbessert werden. "Wir müssen bei Lufthansa um das besser sein, um das wir teurer sind." Gerade werde in der Business Class der Restaurantservice am Platz eingeführt - eine Voraussetzung für die Bewertung als Fünf-Sterne-Airline. Das Prädikat der Beratungsgesellschaft Skytrax will Lufthansa als erste westliche Gesellschaft 2016 erhalten.

Tarifstreitigkeiten sollen beigelegt werden

Spohr kündigte auch an, die seit Jahren schwelenden Tarifkonflikte mit der Belegschaft noch in diesem Jahr beizulegen. Mit neuen Tarifabschlüssen für die Flugbegleiter und Piloten wolle man auch für die Kernmarke Lufthansa wieder Wachstumsfähigkeit erreichen. Während mit den Flugbegleitern eine Schlichtung läuft, hatte die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit vor einigen Tagen neue Angebote des Unternehmens zu Gehältern und Übergangsrenten abgelehnt.

brt/dpa

insgesamt 19 Beiträge
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Seite 1
Bueckstueck 28.04.2016
1. Feilschen mit den Angestellten...
.... und die eigenen steigenden Bezüge vom shareholder abnicken lassen. Das geht Hand in Hand, weil es die Arbeitnehmerkosten senkt und somit den shareholder value steigert. Eine Win-Win-Lose Situation.
dupidup 28.04.2016
2. Läuft...
...aber mit der Belegschaft jahrelang um Tarifverträge ringen. Ich hoffe, dass auch den Letzten so langsam die Augen aufgehen...
Mike1267 28.04.2016
3. Ein absoluter Hohn
Wie will man der Belegschaft Zugeständnisse abringen, wenn man sich als Vorstand einfach bedient? Als Arbeitnehmer würde ich bei so einer Mentalität bis zum letzten kämpfen...
Alfred Ahrens 28.04.2016
4. In dieser Situation geht so etwas nicht, Herr Spohr !
Aber vielleicht ist es ja ein Zeichen, wie schlecht es um den Kranich steht und die Bosse nehmen noch mit, was geht. Lange hält sich die Lufthansa nicht mehr mit all dem Gestreike, den hohen Kosten und dem Verlust an Business-Class-Passagieren. Was war das einmal fü eine tolle Fluglinie !
Mike1267 28.04.2016
5. Gehaltsniveau Lufthansa-Vorstand
Selbst wenn die Vorstandsgehälter nicht zu den höchsten im Dax gehören, wusste Herr Spohr das auch schon vor seinem Antritt. In Zeiten eines "hohen Kostendrucks" Anpassungen vorzunehmen, lässt den Vorstand völlig unglaubwürdig erscheinen.
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