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19. Oktober 2012, 20:06 Uhr

Brisanter Auftrag aus Weißrussland

Lufthansa wartet Lukaschenkos Maschine

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Bei Lufthansa-Mechanikern in Hamburg sorgt ein umstrittener Auftrag aus Weißrussland für Unruhe. Nach SPIEGEL-Informationen wartet die Fluggesellschaft die Maschine des weißrussischen Staatschefs Alexander Lukaschenko. Der autoritäre Machthaber schätzt die Qualitätsarbeit der Deutschen.

Hamburg - An einem politisch und intern umstrittenen Auftrag arbeiten zurzeit Mechaniker der Lufthansa Technik in Hamburg. Wie Mitarbeiter berichten, steht dort eine Regierungsmaschine des weißrussischen Diktators Alexander Lukaschenko im Hangar. Die Boeing 737 mit dem Kennzeichen EW-001PA landete vergangenen Sonntag auf dem Hamburger Flughafen und wurde eilig in die Werft gezogen. Es handle sich um Routinearbeiten, so ein Angestellter. Er und seine Kollegen seien sich der Brisanz des Kunden bewusst, einige hätten sogar Skrupel.

Lukaschenko ließ bereits Demonstranten niederknüppeln und Oppositionelle zum Tode verurteilen. Weißrussland ist das einzige Land Europas, das noch hinrichten lässt. Nach einer Schätzung von Amnesty International wurden dort seit dem Ende der Sowjetunion bis zu 400 Menschen exekutiert. Diktator Lukaschenko gab in all den Jahren nur ein einziges Mal einem Gnadengesuch statt.

Lufthansa Technik soll auch Gespräche über die Wartung der zweiten Maschine des Despoten geführt haben, eine Boeing 767. Diesen Luxusjet hatte der Diktator im Mai dieses Jahres seinem turkmenischen Amtskollegen Gurbanguly Berdymuchammedow abgekauft.

In Weißrussland heißt es, man sei überaus zufrieden mit der Qualitätsarbeit der Deutschen. Ein Lufthansa-Sprecher wollte den Vorgang "weder dementieren noch bestätigen". Ohne Einwilligung eines Kunden könne man generell keine Auskünfte geben. "So schlecht kann es doch der Lufthansa gar nicht gehen", meint der Vorsitzende des Verkehrsausschusses im Deutschen Bundestages, Anton Hofreiter (Grüne), "dass sie auf einen Auftrag des letzten europäischen Diktators angewiesen ist".

Erst im September hatte Lukaschenko mit einer Parlamentswahl seine Macht gefestigt. Von 110 Sitzen ging nur einer nicht an das Lager des Präsidenten. Die Bundesregierung nannte die Wahl eine Farce.

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