Schutz gegen das Coronavirus Lufthansa will Impfpflicht für ihre Crews

Ab Mitte November müssen Crews der Fluglinie Swiss geimpft sein. Konzernmutter Lufthansa will nachziehen, in Deutschland ist eine Pflicht aber schwierig durchzusetzen. Wirkungsvoller sind Quarantäneregeln beliebter Zielländer.
Lufthansa-Besatzungsmitglieder am Flughafen Frankfurt

Lufthansa-Besatzungsmitglieder am Flughafen Frankfurt

Foto: Andreas Arnold / DPA

Wer aktuell als Flugbegleiter oder Pilot bestimmte Flüge bei Lufthansa nicht antreten möchte, kann sich ziemlich einfach wieder vom Dienstplan streichen lassen. Das geht durch Schweigen zu einer Frage: Wie steht es um den Impfschutz gegen das Coronavirus? Erfüllen Sie alle Einreisebedingungen?

Zu dieser Frage muss sich nämlich kein Lufthanseat äußern – bislang. Bleibt sie unbeantwortet und die Einreisevoraussetzungen für das Zielland schreiben einen Impfschutz vor, muss Lufthansa umplanen und die eingeteilte Crew kann so nicht fliegen. Ähnlich verhält es sich auch mit der Testpflicht. Muss bei Einreise ein aktuelles Testergebnis vorgelegt werden, kann ein Flugbegleiter oder Pilot sagen, dass er oder sie diese Bedingung nicht erfüllt und somit den Flug nicht antreten kann. Eine Speicherung der Daten ist nicht erlaubt, deshalb muss der Arbeitgeber jedes Mal wieder nachfragen.

Noch geht das, weil erheblich weniger Flüge von Deutschlands größter Airline angeboten werden, als vor der Coronakrise. Doch das führt zu immer mehr Schwierigkeiten. Hongkong etwa erlaubt bald nur noch die Einreise von Geimpften. Das gilt auch für Aserbaidschan, Lufthansa-Flüge nach Baku sind davon betroffen. Mehr Länder werden folgen, ist man in der Luftfahrtbranche überzeugt. Gleichzeitig fährt Lufthansa ihr Angebot wieder hoch. Man plane, im September nahezu alle Flugziele wieder anzubieten, die auch 2019 buchbar waren.

Lufthansa-Tochter Swiss führt Impfpflicht ein

Bei der Schweizer Lufthansa-Tochter Swiss müssen vom 15. November an alle Crews gegen das Coronavirus geimpft sein. Möglich macht dies eine Klausel in den Arbeitsverträgen, die bereits »seit Jahrzehnten« gelte. Auch Kabinenpersonal, welches im Ausland stationiert ist, sei verpflichtet, sich bis Mitte November impfen zu lassen. Wie man mit Mitarbeitern umgeht, die sich trotzdem nicht impfen lassen wollen oder können, sei aktuell Gegenstand von internen Diskussionen, sagt ein Swiss-Sprecher. Entschieden sei hier nichts.

Swiss ist die erste Fluggesellschaft in Europa, die Impfungen für ihr fliegendes Personal verpflichtend macht. International hingegen gibt es bereits einige Beispiele, darunter die australische Fluglinie Qantas oder die US-Gesellschaft United. Es gehe um die Fürsorgepflicht des Arbeitgebers, aber auch um eine bessere Planbarkeit des Flugbetriebes, heißt es bei Swiss. Selbst bei Reisen nach Deutschland könnte es sein, dass Impfnachweise etwa bei Hotelübernachtungen vorgelegt werden müssten.

Lufthansa verhandelt Betriebsvereinbarung

Das deutsche Arbeitsrecht ist in der Frage einer verpflichtenden Impfung sperriger. Zwar kann Lufthansa bei Neueinstellungen eine Impfung verlangen, weil vor dem Vertrag eine medizinische Untersuchung steht. Bei ihr geht es auch um Impfungen, etwa gegen Gelbfieber. Doch eine generelle Impfpflicht für die gesamte fliegende Belegschaft ist schwierig durchzusetzen. Arbeitsrechtlich benötigt man dafür eine Betriebsvereinbarung. Für die Gelbfieber-Schutzimpfung gebe es diese schon und zum Coronavirus stehe man in Verhandlungen mit den Personalvertretern, sagt der Konzern. Eine ganz kurzfristige Einigung erwartet Lufthansa hier nicht. Allerdings sehe man auch keine wesentlichen Probleme für eine Einigung.

Ein internationaler Flugbetrieb sei ohne verpflichtende Coronaimpfung für Flugzeugbesatzungen künftig nicht darstellbar, heißt es von Lufthansa. Daher wolle man Coronaimpfungen zur Voraussetzung für den fliegerischen Einsatz machen. Lufthansa betont, dabei für ihre Flüge keinen verbindlichen Impfnachweis für Fluggäste einführen zu wollen. Für nicht fliegendes Personal wolle man ebenfalls keine Impfung verpflichtend vorschreiben.

Viele Crews vermutlich längst geimpft

Bei der Ferienfluglinie TUIfly will man derzeit keine Impfpflicht für die Crews einführen, solange es dazu keine Entscheidung des Bundes gebe. »Wir motivieren, wo es geht, sich impfen zu lassen«, sagt TUI-Sprecher Aage Dünhaupt. Personal von Fluglinien gehörte vor Aufhebung der Impfpriorisierung zur Gruppe Drei und konnte sich daher bereits früher als andere impfen lassen. Weder Lufthansa noch TUI noch Swiss erheben die genauen Impfquoten ihrer Belegschaften. Bei der Swiss heißt es allerdings, dass diese etwa dem Schweizer Schnitt entsprechen dürften. Auch eine Lufthansa-Sprecherin vermutet, dass viele Crewmitglieder längst geimpft seien. Bei der österreichischen Lufthansa-Tochter Austrian Airlines ist eine Impfpflicht kein Thema, weil man die Impfquoten auf rund 90 Prozent beziffere.

Hotelquarantäne bei Ankunft

Längst gibt es etwa bei Lufthansa eine ganz andere Motivation für Besatzungsmitglieder, sich impfen lassen, als nur der Schutz vor Infektionen. Denn wer nicht geimpft ist, könnte zukünftig durch behördliche Auflagen von attraktiven Umläufen ausgeschlossen sein, wenn die Zielländer eine Impfung verlangen. Schon heute gibt es einst beliebte Ziele, bei denen Besatzungsmitglieder lieber zu Hause bleiben würden, weil dort bei Ankunft eine mehrtägige Hotel- oder sogar Zimmerquarantäne auf die Crews wartet. So ist das etwa bei Flügen nach Bangkok.

Ein ganz anderes Problem könnte zusätzlich noch auf die Besatzungen, aber auch auf Reisende zukommen, das dann sogar Geimpfte betreffen würde. Nicht jedes Land akzeptiert in Deutschland übliche Impfkombinationen. So gelten mancherorts Menschen als nicht vollständig geimpft, die nach durchgemachter Infektion nur eine Dosis eines mRNA-Impfstoffes erhalten haben. Das entspricht zwar den deutschen Empfehlungen, aber nicht überall sieht man das genauso. Gleiches gilt für sogenannte Kreuzimpfungen, bei denen zunächst ein Vektorimpfstoff, also etwa die Vakzine von AstraZeneca, verwendet wurde und die Zweitimpfung mit einem mRNA-Impfstoff erfolgte.

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