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03. Juni 2015, 17:18 Uhr

Sparkurs

Lufthansa will junge Piloten nicht mehr im Konzerntarif einstellen

Die Lufthansa hält ihren Nachwuchs an der kurzen Leine. Fluglinienchef Spohr will junge Piloten künftig nicht mehr im Konzerntarif einstellen - zum Ärger der Kapitänsanwärter: Sie müssen sich auf erheblich geringere Gehälter gefasst machen.

Bei der Lufthansa bekommen junge Piloten die neuen Realitäten im Konzern als Erste zu spüren. Die Fluglinie will die Nachwuchskapitäne bis auf Weiteres nicht mehr zu den Bedingungen des bestehenden Konzerntarifvertrags einstellen.

Das sagte Lufthansa-Chef Carsten Spohr vor Lufthansa-Flugschülern, wie das Unternehmen bestätigte. Der Konzernchef hat auch gleich noch deutlich dazugesagt, wo in Zukunft neue Jobs entstehen werden - nämlich bei der neuen Billigplattform Eurowings, künftig drittgrößter Billigflieger Europas hinter den Herausforderern Ryanair und Easyjet. Unter dem Eurowings-Dach sollen die verschiedensten Lufthansa-Flugbetriebe von Austrian Airlines bis SunExpress um die jeweils niedrigsten Kosten konkurrieren. Dann gibt es zusätzliche Strecken und neue Maschinen. Für jeden jungen Piloten, so Spohrs Botschaft, gebe es genug zu tun, nur nicht zu den ursprünglich gedachten Bedingungen.

Bei den Nachwuchspiloten macht sich Unmut breit: "Wenn ich bei der Eurowings anfange, komme ich nach neun Jahren auf das Lufthansa-Einstiegsgehalt, mit dem ich eigentlich gerechnet habe", sagte einer von ihnen laut Nachrichtenagentur dpa.

Bei der Lufthansa gibt es derzeit einen Stau von rund 900 Flugschülern in unterschiedlichen Ausbildungsstufen, die ursprünglich an der Verkehrsfliegerschule in Bremen mit der Perspektive angefangen haben, Lufthansa-Pilot zu werden. Sie müssen in der Regel einen Teil der Ausbildungskosten zurückzahlen, sofern sie einen Pilotenjob antreten. Vom Tisch sind hingegen Vorstellungen der Lufthansa, die Rückzahlung zumindest teilweise auch von solchen Flugschülern zu verlangen, die nun notgedrungen den Berufswunsch Pilot aufgeben.

Spohr will zudem insbesondere den Konzerntarifvertrag (KTV) schleifen, nach dessen lukrativen Bedingungen derzeit noch rund 5300 von mehr als 9000 Piloten im Lufthansa-Konzern ihrer Arbeit nachgehen. Dafür setzt er auch die mühsam erreichte Ruhe in den komplexen Tarifverhandlungen mit Piloten, Kabinenbesatzungen und Bodenpersonal aufs Spiel.

Der Konzerntarifvertrag ist Gegenstand der nach zwölf Streikrunden mühsam erreichten Gesamtschlichtung mit der Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC), für die bislang aber immer noch kein Schlichter gefunden ist. Die Eurowings-Tarife liegen rund 40 Prozent unter dem KTV.

bos/dpa

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