Sparkurs Lufthansa will junge Piloten nicht mehr im Konzerntarif einstellen

Die Lufthansa hält ihren Nachwuchs an der kurzen Leine. Fluglinienchef Spohr will junge Piloten künftig nicht mehr im Konzerntarif einstellen - zum Ärger der Kapitänsanwärter: Sie müssen sich auf erheblich geringere Gehälter gefasst machen.

Lufthansa-Chef Spohr: Neue Jobs bei Billigflieger Eurowings
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Lufthansa-Chef Spohr: Neue Jobs bei Billigflieger Eurowings


Bei der Lufthansa bekommen junge Piloten die neuen Realitäten im Konzern als Erste zu spüren. Die Fluglinie will die Nachwuchskapitäne bis auf Weiteres nicht mehr zu den Bedingungen des bestehenden Konzerntarifvertrags einstellen.

Das sagte Lufthansa-Chef Carsten Spohr vor Lufthansa-Flugschülern, wie das Unternehmen bestätigte. Der Konzernchef hat auch gleich noch deutlich dazugesagt, wo in Zukunft neue Jobs entstehen werden - nämlich bei der neuen Billigplattform Eurowings, künftig drittgrößter Billigflieger Europas hinter den Herausforderern Ryanair und Easyjet. Unter dem Eurowings-Dach sollen die verschiedensten Lufthansa-Flugbetriebe von Austrian Airlines bis SunExpress um die jeweils niedrigsten Kosten konkurrieren. Dann gibt es zusätzliche Strecken und neue Maschinen. Für jeden jungen Piloten, so Spohrs Botschaft, gebe es genug zu tun, nur nicht zu den ursprünglich gedachten Bedingungen.

Bei den Nachwuchspiloten macht sich Unmut breit: "Wenn ich bei der Eurowings anfange, komme ich nach neun Jahren auf das Lufthansa-Einstiegsgehalt, mit dem ich eigentlich gerechnet habe", sagte einer von ihnen laut Nachrichtenagentur dpa.

Bei der Lufthansa gibt es derzeit einen Stau von rund 900 Flugschülern in unterschiedlichen Ausbildungsstufen, die ursprünglich an der Verkehrsfliegerschule in Bremen mit der Perspektive angefangen haben, Lufthansa-Pilot zu werden. Sie müssen in der Regel einen Teil der Ausbildungskosten zurückzahlen, sofern sie einen Pilotenjob antreten. Vom Tisch sind hingegen Vorstellungen der Lufthansa, die Rückzahlung zumindest teilweise auch von solchen Flugschülern zu verlangen, die nun notgedrungen den Berufswunsch Pilot aufgeben.

Spohr will zudem insbesondere den Konzerntarifvertrag (KTV) schleifen, nach dessen lukrativen Bedingungen derzeit noch rund 5300 von mehr als 9000 Piloten im Lufthansa-Konzern ihrer Arbeit nachgehen. Dafür setzt er auch die mühsam erreichte Ruhe in den komplexen Tarifverhandlungen mit Piloten, Kabinenbesatzungen und Bodenpersonal aufs Spiel.

Der Konzerntarifvertrag ist Gegenstand der nach zwölf Streikrunden mühsam erreichten Gesamtschlichtung mit der Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC), für die bislang aber immer noch kein Schlichter gefunden ist. Die Eurowings-Tarife liegen rund 40 Prozent unter dem KTV.

bos/dpa



insgesamt 86 Beiträge
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meinefresse 03.06.2015
1. Komisch
Haben die nicht jetzt schon Probleme damit, dass die Konkurrenz aus dem nahen Osten wesentlich besser bezahlt und sich die gut ausgebildeten Piloten angelt? Da man als Pilot ohnehin eine hohe Flexibilität an den Tag legen muss werden sich dann eben noch mehr im Ausland bewerben. Die anteiligen Ausbildungskosten übernimmt hier selbstverständlich der neue Arbeitgeber. Schon komisch - wir bilden in Deutschland für teueres Geld Spitzenpersonal aus (Piloten, Ärzte, Wissenschaftler) um sie dann mit dem relativ bescheidenen Honorar ins Ausland zu vergraulen. Eine langfristige Standortstrategie ist was anderes...
ingenör79 03.06.2015
2. Die LH Piloten sind
überbezahlt und eine Korrektur ist dringend erforderlich. Wie will man sonst gegen Ryanair & Co bestehen. Allerdings sollte man dies bei den Rückzahlungsmodalitäten berücksichtigen.
TaramTaram 03.06.2015
3. Sauerei
Gut, Piloten haben m.E. ein ganz gutes Einkommen und auch bei einer Einsparnis vermute ich, daß sie über die deutschen Durchschnittslöhne verdienen werden. Aber vom Prinzip her ist es einfach ganz faul - vom Kopf her. Die Chefetage wird natürlich sich weiterhin den mehrfachen Verdienst eines ganzen DurchschnittsarbeitsLEBENS bekommen - in einem Jahr. DAS stimmt doch von vorn bis hinten nicht!
rüdiger_kaltenmeier 03.06.2015
4. Alter Hut
Was Lufthansa hier angeht ist in vielen deutschen Firmen schon lange Aktuell. Neueinsteiger erhalten für die gleiche Arbeit deutlich weniger Geld zB auch bei der Post AG. Im produzierenden Gewerbe kommt zudem ständige Prozessoptimierung dazu kenne ich aus eigener Erfahrung. Am Ende bedeutet das Akkordarbeit zum Normallohn. Dafür kassieren die Betriebsfremden Optimierer Schweineprämien ohne auch nur einen Finger krumm zu machen und werden nie wieder gesehen.
ediart 03.06.2015
5. So, so
dann hoffe ich, das nicht ein frustierter Pilot die Maschine steuert in der ich sitze.
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