Fluglinien Großspohrige Pläne

2018 dürfte sich einiges zurechtrütteln in der Luftfahrtbranche. Lufthansa-Chef Carsten Spohr steht kurz davor, sein Ziel zu verwirklichen: einen europäischen Champion aufzubauen.

Flugzeuge von Lufthansa, Niki und Air Berlin
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Flugzeuge von Lufthansa, Niki und Air Berlin

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Millionär werden sei einfach, hat der britische Wirtschaftsmagnat Richard Branson einst gesagt. Man müsse nur Milliardär sein - und dann eine Fluggesellschaft aufziehen.

Wie leicht es sein kann, Geld in der Luftfahrt zu verlieren, hat das Jahr 2017 wieder gezeigt: Mit Air Berlin, Alitalia, der britischen Monarch und zuletzt der Niki haben sich gleich vier europäische Linien für insolvent erklärt. Andererseits feiern die Lufthansa-Gruppe und ihr großer Wettbewerber IAG (British Airways, Iberia) Rekordgewinne. Auch Air France/KLM macht üppige Profite.

Geht sie nun los, die lang erwartete Konzentration in Europas Luftverkehr? Auf kaum einem Kontinent ist der Markt so zerklüftet wie hier, wo einst fast jede noch so kleine Nation ihre eigene Staats-Airline hatte. Die Lufthansa jedenfalls ist überzeugt, dass diese Zeiten bald zu Ende sind. "Weitere Konsolidierungsschritte in Europa werden kommen", sagte ihr Finanzchef Ulrik Svensson.

Die Branchenriesen haben einen Traum. Einen amerikanischen Traum. In den USA kontrollieren nach jahrelangen Preiskämpfen und einer Welle von Insolvenzen heute drei traditionelle Airlines (Delta, American, United) gemeinsam mit dem Billigflieger Southwest mehr als zwei Drittel des Marktes. Und sie scheffeln dabei jede Menge Geld: In den ersten neun Monaten dieses Jahres erwirtschafteten die "Big Three" insgesamt 9,6 Milliarden Dollar.

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Ausgerechnet in den USA, wo die Billigflieger als Erste die harten Preiskämpfe starteten, die anschließend jahrelang die Branche rund um den Globus prägten, ist heute auf vielen Strecken von Wettbewerb kaum noch etwas zu spüren. Die "Big Three" haben ihre Claims abgesteckt, sie tun einander nicht mehr groß weh. Dafür steigern sie regelmäßig die Ticketpreise.

"Big Three" bald auch in Europa?

Ein ähnliches Modell schwebt Lufthansa-Chef Carsten Spohr vor. "Es gibt jeweils drei starke Anbieter in China, den USA und am Persischen Golf", sagte er kürzlich in einem "Handelsblatt"-Interview. "Wir brauchen auch drei starke Europäer."

Welche drei starken Europäer das Spohrs Meinung nach werden sollen, ist eindeutig: Air France/KLM, IAG - und seine Lufthansa. Letztere als Nummer eins, natürlich. Und hierfür versucht Spohr jetzt Fakten zu schaffen.

Sein Konzern, zu dem bereits die Swiss, die Austrian, die Lowcost-Tochter Eurowings und weitere kleinere Fluglinien gehören, hat in den vergangenen Monaten auch die komplette Brussels Airlines übernommen und Teile der ehemaligen Air-Berlin-Flotte eingegliedert. Die jüngsten Zukäufe sollen vor allem Eurowings stärken, die schon bald Nummer drei am europäischen Lowcost-Markt hinter Ryanair und Easyjet werden dürfte.

Dass aus dem Kauf von knapp zwei Dutzend Niki-Fliegern nichts wird, kann die Lufthansa verschmerzen. Viel mehr Appetit hat Spohr offensichtlich auf den nächsten ganz großen Brocken: Alitalia. Lufthansa will Teile des Pleiteunternehmens schlucken. Denn nach den Rekordgewinnen der vergangenen Jahre und wegen der hohen Ticketpreise für Inlandsflüge hat er gerade viel Geld in der Kasse. Und Italien ist ein wichtiger europäischer Auslandsmarkt.

Branchenexperten warnen indes vor diesem Deal. Denn die durch Missmanagement und übermächtige Gewerkschaften geprägte Alitalia kommt seit Jahren nicht auf die Beine. Und mit der Strategie, schwächelnde Wettbewerber aufzukaufen, sind vor der Lufthansa schon manche prosperierende Airlines gescheitert: von der Swissair über die Etihad aus Abu Dhabi - bis hin zu Air Berlin.

Es stimmt eben noch immer: Nichts ist in der Luftfahrt leichter, als Geld zu verlieren.

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