Lukrative Exporte Ölländer peilen Billionen-Dollar-Marke an

Der steigende Ölpreis beschert den Förderländern Rekordgewinne. Erstmals könnte die Opec im laufenden Jahr mehr als eine Billion Dollar einnehmen. Auch Libyens Rebellen hoffen auf Petrodollars: Sie wollen schon bald selbst Öl exportieren.

Raffinerie in Saudi-Arabien: Gefahr für die Weltwirtschaft
DPA

Raffinerie in Saudi-Arabien: Gefahr für die Weltwirtschaft


London - Seit vielen Monaten steigt der Ölpreis, vor allem die Verunsicherung infolge der Rebellionen in Nordafrika trieben ihn in die Höhe. Was Autofahrer an der Tankstelle ärgert, erfreut die ölexportierenden Länder im Förderkartell Opec. Sie könnten 2011 erstmals Gewinne von einer Billion Dollar machen, berichtet die "Financial Times" ("FT"). Voraussetzung sei, dass der Ölpreis über 100 $ bleibe. Am Mittwoch kostete ein Barrel der Nordsee-Sorte Brent gut 115 $.

Die "FT" beruft sich auf den Chefökonomen der Internationalen Energie-Agentur, Fatih Birol. Ihm zufolge wird die Gesamtmenge des 2011 geförderten Öls voraussichtlich leicht unter dem Stand von 2008 bleiben, als die Opec insgesamt 990 Milliarden Dollar Gewinn machte. Aufgrund höherer Preise könnten dennoch "die Opec-Gewinne zum ersten Mal in der Geschichte eine Billion erreichen," sagte Birol.

Er zeigte sich besorgt über die wirtschaftlichen Folgen. Der hohe Ölpreis habe "begonnen, der Weltwirtschaft zu schaden", sagte er. Das gelte besonders für europäische Länder.

Zuletzt war der Ölpreis jedoch leicht gefallen, da Investoren auf ein schnelles Ende der Kämpfe in Libyen hoffen. Dort hatten die Rebellen in den vergangenen Tagen mehrere Städte eingenommen. Mittlerweile planen die Gaddafi-Gegner sogar, die Ölexporte wiederaufzunehmen. Schon in der kommenden Woche könne vom durch Rebellen kontrollierten Hafen Tobruk wieder Rohöl verschifft werden, zitiert die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" den "Superminister" der Rebellen, Ali Tarhuni. Vermarktet würden die Exporte des "freien Libyen" über die Qatar Petroleum Company, mit der bereits ein Vertrag abgeschlossen sei. Der staatliche katarische Ölförderer werde die Exporte über ein ausländisches Konto bezahlen. "Wir wissen dann, wohin das Geld fließt."

Die USA hatten Ölexporte durch die Rebellen am Montag für legitim erklärt. "Die Rebellen können Öl verkaufen", sagte ein UN-Diplomat. Lediglich ein Verkauf über die staatliche Ölfördergesellschaft sei durch die internationalen Sanktionen ausgeschlossen.

dab/Reuters



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