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Deutsche Pseudomarken: "Sauber Haus für die Liebsten"

Foto: Sean Gallup/ Getty Images

Deutsche Pseudomarken in Russland Liebesgrüße aus Düsseldorf

Viele Russen vertrauen auf Qualität made in Germany, das machen sich findige Geschäftsleute zu Nutze: Sie erfinden deutsche Fantasie-Marken wie "Kaiser" oder "Erich Krause".

Haben Sie schon einmal von den berühmten Kühlschränken der deutschen Traditionsfirma "Kaiser" gehört? Nein? Vielleicht von den gleichnamigen Waschmaschinen, gerühmt für ihre Verlässlichkeit? Auch nicht? Dabei steht der Name "Kaiser" doch für deutsche Wertarbeit - zumindest in den Augen vieler Russen. In Elektromärkten zwischen Sankt Petersburg und Wladiwostok kaufen sie seit Jahren Geräte von "Kaiser" und vertrauen darauf, Qualität made in Germany zu erwerben.

Die Webseite der Firma steht in gewissem Kontrast zu dem Qualitätsversprechen: Dort wird in gebrochenem Deutsch etwa ein Kühlschrank als "bester Platz für Aufbewahrung der Frische" beworben und ein "Design Herd für die, die Ahnung haben".

Die Firmen-Webseite weist eine Adresse in Berlin-Wittenau als Zentrale aus. Anrufe beantwortet ein Mann mit russischem Akzent: Natürlich sei "Kaiser" eine deutsche Marke - nur sei man leider "auf dem deutschen Markt noch nicht aktiv".

"Kaiser" ist ein extremes Beispiel für eine Masche russischer Marketingstrategen: Sie ködern Kunden mit deutsch klingenden Markennamen. Vorreiter war vor 20 Jahren ein Schreibwarenimporteur aus Moskau namens Dmitrij Beloglasjew, der seine Marke kurzerhand als "Erich Krause" registrierte, weil der Name so schön deutsch klang. Viele Krause-Kunden sind bis heute überzeugt, dass die Firma in Wahrheit aus Deutschland stammt. Auch wenn sich "Erich Krause" inzwischen betont als "internationales Unternehmen" präsentiert und nicht mehr direkt Werbung mit Deutschlandbezug macht.

Andere Unternehmen sind da aggressiver. Ein Beispiel ist die Schuhkette "Thomas Münz", die allein in Moskau 28 Geschäfte unterhält. In Werbespots halten deutsche Schauspieler Stiefel in die Kamera - mit den deutschen Worten: "Das ist mein Lieblingsschuh."

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Beim Anruf in der angeblichen Firmenzentrale in Düsseldorf meldet sich ein Mann auf Russisch. Er fängt sich schnell und erklärt auf Deutsch und ohne Akzent: "Thomas Münz ist natürlich eine deutsche Firma." Das Unternehmen hege ehrgeizige Expansionspläne, bald werde man deshalb auch in Deutschland "Thomas Münz"-Schuhe kaufen können.

Strahlkraft deutscher Marken

Die Pseudomarken rufen Verbraucherschützer und Internetaktivisten auf den Plan. Auf Webseiten wie truebrands.ru  tragen sie Informationen über Fake-Firmen zusammen. Die "Kaiser Haushaltsgeräte" etwa werden mit einem kleinen Russlandfähnchen markiert, echte deutsche Marken mit einer deutschen Fahne. Das soll den Nutzern eine schnelle Orientierung bieten, sagt Daniil Iwanow, der Betreiber der Seite.

Er glaubt, dass viele Firmen versuchen, Einfluss auf truebrands.ru zu nehmen. "Wir haben regelmäßig auch kritische Kommentare von Nutzern", erzählt der 33-jährige Software-Entwickler aus Sankt Petersburg. Ein Kommentarschreiber gab etwa vor, belegen zu können, dass "Kaiser" tatsächlich in Deutschland produziere. "Vielleicht ist das ein überzeugter Kunde, vielleicht ein bezahlter Troll", sagt Iwanow. Manche Kommentare ließen sich zu ein- und derselben IP-Adresse zurückverfolgen, die lasse er dann löschen.

Die angeblichen West-Marken beschäftigen nicht nur Aktivisten, sondern auch Russlands Wettbewerbshüter. Das bekam vor einigen Jahren "Bork" zu spüren, eine Marke teurer Elektrogeräte. "Bork" klingt - zumindest für russische Ohren - durchaus Deutsch. Lange vertrieb die Firma ihre Produkte sogar unter dem Namen "Bork Germany", obwohl das Unternehmen russisch ist.

Die Behörden zwangen die Firma vor einigen Jahren, alle Hinweise auf Deutschland aus der Werbung zu tilgen. Ein Konkurrent hatte sich beschwert: Die französische Groupe SEB, die in Russland Elektrogeräten unter den ebenfalls deutsch anmutenden Marken Tefal und Rowenta verkauft.

Aber nicht nur russische Geschäftsleute bedienen sich der Strahlkraft deutscher Marken, sondern auch Unternehmen aus anderen EU-Ländern. So vertreibt ein findiger Moskauer Importeur unter der Marke "Meine Liebe" ein ganzes Sortiment von Putzmitteln.

Im Internet präsentiert "Meine Liebe" eine rührselige Gründungsgeschichte auf Deutsch: "Es wird erzählt, dass der Gründer von Meine Liebe, der junge Chemiker Karl Mayer, diese Marke seiner Familie gewidmet hat und der kleine niedliche Waschbär, welcher die Verpackungen schmück (sic!), sein Lieblingshaustier gewesen ist."

Auf den Verpackungen stehen Halbsätze in holprigem Deutsch ("Sauber Haus für die Liebsten"). In Wahrheit stammt die Ware allerdings aus Dänemark.