Schickedanz-Prozess Quelle-Erbin akzeptiert Vergleich

Mehr als vier Jahre dauerte der spektakuläre Schadensersatz-Prozess der Quelle-Erbin Madeleine Schickedanz gegen Banker und Berater. Jetzt haben die Parteien einen Vergleich besiegelt. Mit einer Ausnahme.

Quelle-Erbin Madeleine Schickedanz
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Quelle-Erbin Madeleine Schickedanz


Der Rechtsstreit um das Vermögen der Quelle-Erbin Madeleine Schickedanz mit ihrer langjährigen Hausbank Sal. Oppenheim ist weitgehend beigelegt. Das Landgericht Köln bestätigte am Donnerstag, dass sich Schickedanz mit 13 der 14 Firmen, Privatbanker und ehemaligen Geschäftspartner außergerichtlich geeinigt habe.

Bereits im Dezember war der ausgehandelte Deal in Grundzügen bekannt geworden - bislang fehlte jedoch die formale Zustimmung aller Beteiligten. Die Sache hatte einen Haken: Der ehemalige Sal.-Oppenheim-Gesellschafter Matthias Graf von Krockow sei nicht auf den nun erzielten Vergleichsvorschlag eingegangen, teilte das Gericht mit. Aus diesem Grund hatten die Richter ihren Segen für den Vergleich immer weiter hinausgeschoben. Nun ist entschieden: Die Übereinkunft gilt - mit Ausnahme von Krockows. Dessen Fall solle separat am 28. März noch einmal verhandelt werden.

Schickedanz hatte die Kölner Bank Sal. Oppenheim, die mittlerweile der Deutschen Bank gehört, den Immobilienunternehmer Josef Esch als ihren ehemaligen Berater und andere Geschäftspartner auf insgesamt 1,9 Milliarden Euro verklagt. Darüber hinaus weigerte sie sich, wiederum von Sal. Oppenheim geforderte mehrere hundert Millionen Euro zu zahlen.

Die Erbin des ehemaligen Versandhandelsimperiums Quelle wirft der Bank und Esch vor, sie hätten sie bei der Geldanlage falsch beraten und dadurch um große Teile ihres Vermögens gebracht. Sie hatte sich in großem Stil an KarstadtQuelle und dem daraus hervorgegangenen Arcandor-Konzern beteiligt und die Aktien teils auf Kredit finanziert. Arcandor war 2009 in die Pleite geschlittert.

Nun erhält die Quelle-Erbin nur einen Bruchteil ihrer Forderung, doch mehr als Beobachter erwartet hatten. Zugesagt sind der 73-Jährigen ein Vermögen von rund 70 Millionen Euro, einschließlich ihres Elternhauses in Hersbruck bei Nürnberg und einer weiteren Villa im fränkischen Zirndorf, in der ihr zweiter Ehemann, der ehemalige Quelle-Chef Wolfgang Bühler, Wohnrecht auf Lebenszeit hat. Hinzu kommen die Erlöse aus den Verkäufen ihres Immobilienportfolios: Deren Wert wird von der Deutschen Bank auf mehr als eine halbe Milliarde Euro geschätzt. Von dem Erlös erhält Schickedanz etwa ein Fünftel, das Gros die Deutsche Bank.

Zuvor hatte Schickedanz zumindest in Teilen klein beigegeben. Von der ursprünglichen Behauptung, die Bank habe ihr Vermögen, Namen und Person dazu benutzt, sich durch Schein- und Umgehungsgeschäfte Profite zu verschaffen, nahm sie im Dezember nach SPIEGEL-Informationen Abstand. Ihr Anwalt Andreas Ringstmeier teilte dem Gericht zugleich mit, dass Schickedanz mit der Bank eine außergerichtliche Vereinbarung geschlossen habe. Sie habe auch auf eine Entscheidung über die Kosten des Rechtsstreits verzichtet. Die Deutsche Bank hatte daraufhin eine Einigung bestätigt.

kig/Reuters/dpa

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Knossos 02.02.2017
1. Der Fluch großen Abstands
in Vermögensverhältnissen ist, daß man kaum je darum weiß, wer einem tatsächlich wohlgesinnt ist. Nach Beobachtungen in näherem Umfeld und eigenen, folgenreichen Erfahrungen mit Vertrauensmißbrauch und Hintergehung, kann ich nachvollziehen, wie desperat verraten sich die Dame fühlen muß. Aus dem menschlichen Abgrund ist vermutlich kein Entkommen, es sei denn, sie kann sich vergegenwärtigen immer noch ganz formidabel aufgestellt zu sein und sich darauf verlegen, nachhaltig Hilfreiches für Mensch und Natur zu tun. Es sollte das Leben mit Sinn ausfüllen und unterwegs vielleicht sogar Freunde mitbringen. Gefährten, weche sich aus eigenem Antrieb heraus Gedanken um den Verbleib des Menschen machen. -Im Leben das größte Kleinod und für Reiche wohl das seltenste.
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