Madoff-Skandal JP Morgan steht kurz vor Zwei-Milliarden-Vergleich

Die Großbank soll das Schneeballsystem des Betrügers Bernard Madoff gedeckt haben. Nun steht JP Morgan offenbar kurz vor einer Einigung mit den US-Behörden. Das Geldhaus soll laut "Wall Street Journal" etwas mehr als zwei Milliarden Dollar zahlen.

JP Morgan: Verstoß gegen Geldwäschegesetze?
REUTERS

JP Morgan: Verstoß gegen Geldwäschegesetze?


New York - JP Morgan kommt einem Bericht zufolge beim Aufarbeiten der Skandale weiter voran. Wegen Fehlverhaltens beim Milliardenbetrug des Börsenmaklers Bernard Madoff stehe ein Vergleich mit mehreren Behörden nun kurz bevor, berichtete das "Wall Street Journal" ("WSJ") unter Berufung auf mehrere mit den Verhandlungen vertraute Personen. Die US-Großbank sei bereit, dafür etwas mehr als zwei Milliarden Dollar zu zahlen.

Bereits im Dezember hatten das "WSJ" und die "New York Times" über einen bevorstehenden Vergleich in Höhe von rund zwei Milliarden Dollar berichtet. JPMorgan-Chef Jamie Dimon selbst hatte zuletzt angedeutet, dass eine Einigung mit den Behörden nahe sei. Die Ermittler werfen der Bank vor, Madoffs Schneeballsystem gedeckt und gegen Geldwäschegesetze verstoßen zu haben.

Madoff hatte über Jahrzehnte vermeintliche Traumgewinne von Investoren mit dem Geld neuer Anleger bezahlt. In der Spitze wiesen die Madoff-Konten auf dem Papier einen Wert von 60 Milliarden Dollar aus. Als der Schwindel mitten in der Finanzkrise aufflog, verloren viele Anleger ihre kompletten Ersparnisse. Madoff wurde im Juni 2009 zu 150 Jahren Haft verurteilt. Ein Großteil der Geschäfte lief über Konten von Madoffs Hausbank JP Morgan.

Dimon will nun laut der "WSJ" bis zur Vorlage der Bilanz am 14. Januar die Madoff-Sache vom Tisch bringen. Das könnte der Zeitung zufolge auch gelingen. Eine Einigung mit diversen Aufsichtsbehörden könnte bereits am Dienstag veröffentlicht werden, hieß es in dem Bericht. Behörden-Vertreter und ein JPMorgan-Sprecher hätten sich hierzu nicht äußern wollen. Von der Strafzahlung sollen mehr als 1,5 Milliarden Dollar an Opfer von Madoff gehen, der Rest an die Behörden.

Strafen in Höhe von knapp 20 Milliarden Dollar

Der Madoff-Vergleich wäre der vorerst letzte in einer Reihe von beigelegten Rechtsstreitigkeiten der größten US-Bank. Dimon drückte bei den Aufräumarbeiten zuletzt aufs Tempo. In den letzten Monaten des vergangenen Jahres hatte sich die Bank in diversen Streitfällen wie den fragwürdigen Hypothekengeschäften oder dem Milliardenverlust wegen mangelhafter Aufsicht einer Handelsabteilung mit den Behörden verglichen.

Die Strafzahlungen beliefen sich dabei auf fast 20 Milliarden Dollar. Aber selbst diese immensen Summen bringen die Bank finanziell nicht ins Wanken. Im dritten Quartal war sie zwar wegen der juristischen Auseinandersetzung erstmals in Dimons Amtszeit ins Minus gerutscht. 2013 dürfte das Institut laut Analystenschätzung aber trotz der teuren Vergleiche noch knapp 18 Milliarden Dollar verdient haben, nach einem Rekordüberschuss von 21,3 Milliarden Dollar im Jahr 2012. Die von der Nachrichtenagentur Bloomberg befragten Experten rechnen im laufenden und kommenden Jahr mit einem Gewinnplus. 2015 wird ein Überschuss von 25 Milliarden Dollar erwartet.

Am Aktienmarkt sind die Folgen der Finanzkrise offenbar auch abgehakt. Die Aktie von JP Morgan Chart zeigen entwickelte sich 2013 besser als der amerikanische Leitindex Dow Jones. In den vergangenen Tagen kletterte der Kurs auf den höchsten Stand seit dem Jahr 2000. Seit Ende 2012 stieg der Börsenwert um rund ein Drittel auf zuletzt rund 240 Milliarden Dollar. JP Morgan ist damit rund fünfmal so teuer wie die Deutsche Bank Chart zeigen, die zurzeit ebenfalls versucht, die juristischen Folgen früherer Geschäfte aufzuarbeiten.

cte/dpa-AFX



insgesamt 3 Beiträge
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hjcatlaw 06.01.2014
1. Die Bank zahlt keine Strafe
sondern erhaelt einen Ablasszettel. Man kann systemrelevante Unternehmen nicht bestrafen. Bei den erwarteten Gewinnen werden die Verantwortlichen allenfalls muede laecheln, den faelligen Betrag hinterlegen und weiterhin business as usual betreiben!
Freidenker10 06.01.2014
2.
Die scheinen die diversen Strafzahlungen schon eingeplant zu haben, wo soll da die Strafe sein? Und warum werden da eigentlich nie Personen belangt? Sind Banker generell vor Strafverfolgung sicher, weil der Staat keine Chance gegen das Heer von Anwälten hat?
raber 06.01.2014
3. Nur relative Strafen. Erklärungen?
Könnte SPON einmal einen professionellen Artikel hinlegen und erklären warum bei diesen ganzen Bankenbetrügereien kaum Personen seitens der Justiz bestraft werden? Wieso behalten die Leute vom Vorstand und den Aufsichtsräten bei solchen Vorkommnissen überhaupt noch ihre Jobs? Ist Compliance nur ein Märchen um ungeliebtes Personal loszuwerden? Viele Fragen die immer wieder auftauchen und nie RICHTIG beantwortet werden.
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