SPIEGEL TV Magazin

Männerfreunde Schröder-Maschmeyer Der Altkanzler und der Multi-Millionär

Es ist ein tiefer Einblick in die Geschäftsbeziehungen zweier mächtiger Männer: Der langjährige Chef des Finanzdienstleisters AWD, Carsten Maschmeyer, kaufte Gerhard Schröder die Rechte an dessen Memoiren ab - und zahlte dem Altkanzler dafür rund eine Million Euro. Was verbindet die beiden Niedersachsen?

Hamburg - Es ist ein tiefer Einblick in die Geschäftsbeziehungen mächtiger Männer: Der langjährige Chef des Finanzdienstleisters AWD, Carsten Maschmeyer, kaufte Altkanzler Gerhard Schröder die Rechte an dessen Memoiren ab - und gab dafür rund eine Million aus.

Warum aber lässt sich ein ehemaliger Regierungschef auf so einen Deal ein? Schröder habe ihn nach seiner Abwahl als Bundeskanzler 2005 angesprochen, sagte Maschmeyer dem SPIEGEL. Verschiedene Agenturen hätten den Ex-Kanzler damals als Berater oder als Buchautor haben wollen. Schröder habe "von diesen Dingen aber keine Ahnung" gehabt, erinnert sich Maschmeyer. "Deshalb habe ich mir die Briefe von den Verlagen angucken dürfen und dann haben wir gemeinsam Hoffmann und Campe herausgesucht."

Maschmeyer

Schröder

Schröder wollte wissen, wie das ganze Prozedere vonstatten geht, wie viel er pro Buch erhalte und wie es ist, wenn es ins Ausland komme, berichtet Maschmeyer. "Dann habe ich gesagt: Weißt du was Gerhard, wir machen eine Pauschale, ich kümmere mich um den ganzen Kram, entweder habe ich dann Geld verloren oder Geld verdient. Dann sagte er: Komm mach das!" Das Geschäft zwischen und sei aber nicht nur per Handschlag gemacht worden. "Das musste in einen richtigen Vertrag gegossen werden, weil das bei ihm zu versteuernde Zuführungen waren", so Maschmeyer.

Im Oktober 2006 erschienen Schröders Memoiren unter dem Titel "Entscheidungen. Mein Leben in der Politik" bei Hoffmann und Campe mit einer Startauflage von 160.000 Exemplaren. Ob er bei dem Geschäft mit Schröder insgesamt Gewinn oder Verlust gemacht habe, könne er nicht mit Bestimmtheit sagen, sagt Maschmeyer. "Ich meine bis vor kurzem Verlust, aber Bücher plätschern ja nach." Das unternehmerische Risiko sei bei Schröder aber gering gewesen. "Es gab nur ein Risiko: Wenn er stirbt."

1998 finanzierte er eine Schröder-Kampagne - ohne ihn zu kennen

1998 hatte Maschmeyer bereits eine Anzeigenkampagne für Schröder bezahlt. Einen Tag vor der Landtagswahl in Niedersachsen erschien in vielen regionalen Zeitungen ein Inserat mit dem Titel "Ein Niedersachse muss Kanzler werden." Maschmeyers Motiv sei damals gewesen, Oskar Lafontaine als Kanzler zu verhindern: "Ich sehe das als Patriot und Wirtschaftsmann", sagt der Hannoveraner, "mir haben wirklich Leute gesagt, wenn er kommt, ziehen wir in die Schweiz oder gehen nach Monaco."

Er habe Schröder damals aber persönlich noch gar nicht gekannt, versichert Maschmeyer. Dazu sei es erst im August 2002 gekommen, im Rahmen eines privaten Treffens. "Ich war fürchterlich aufgeregt und fragte, wo muss ich mich setzen", erzählt Maschmeyer. "Da sagte ich: 'Herr Bundeskanzler...', und er sagte: 'Hör auf! Ich bin der Gerd.'"

Heute ist Schröder für Maschmeyer ein enger Freund. Vor kurzem bekannte der Finanzunternehmer in einem Interview: "Ich weiß heute, wir wären, wenn uns was passiert, gegenseitig für unsere Kinder da." Dennoch habe er Schröder, abgesehen von dem Buchdeal, niemals Geld gegeben: "Ich hab ihm noch nie einen Autoreifen bezahlt oder eine Tankfüllung", betont Maschmeyer.

"Ich bin mit den beiden Gründern persönlich befreundet"

AWD

Auch Schröder erwies Maschmeyer gelegentlich einen Gefallen: Am 1. Dezember 2004 trat der Kanzler auf einer Veranstaltung des im Berliner Hotel Estrel auf. Was dann passierte, schildert die AWD-Mitarbeiterzeitung in schönster Ergriffenheit: "Carsten Maschmeyer kündigte als besonderen Ehrengast den deutschen Bundeskanzler Gerhard Schröder an! Das hatte niemand erwartet - der Bundeskanzler bei einer AWD-Vertriebstagung! Seine Botschaft: SIE als AWD-Mitarbeiter und Mitarbeiterin erfüllen eine staatsersetzende Funktion. Sichern Sie die Rente Ihrer Mandanten, denn der Staat kann es nicht. Private Vorsorge lautet das Gebot der Stunde. Die überwältigten Zuhörer dankten es ihm mit Standing Ovations."

Wenige Tage später durfte Maschmeyer den Kanzler auf seiner Auslandsreise nach China begleiten. Schröder verstand sich damals als oberster Handlungsreisender der Deutschland AG.

Der Ex-Kanzler ist nicht das einzige Mitglied der damaligen rot-grünen Regierung, das heute noch Kontakt zu Maschmeyer pflegt: Auch Ex-Arbeitsminister Walter Riester hat inzwischen einen Vertrag mit der Beratungsfirma MaschmeyerRürup. Schon als Bundestagsabgeordneter kassierte der SPD-Politiker Riester mehrere tausend Euro Honorar vom AWD, wie er gegenüber der Bundestagsverwaltung einräumte. Dem SPIEGEL sagte der frühere Vorsitzende des Sachverständigenrats, Bert Rürup: "Wir haben mit Riester einen Vertrag, dass er uns exklusiv als Berater zur Verfügung steht, wenn wir beispielsweise über die betriebliche Altersvorsorge einen Auftrag bekommen."

Zur Eröffnung der Beratungsfirma MaschmeyerRürup erschien vergangenes Jahr neben Riester auch Schröder und versicherte: "Ich bin mit den beiden Gründern persönlich befreundet." Mit dem Spruch wirbt Maschmeyers Beratungsfirma bis heute auf ihrer Homepage.