Containerriese als Krisenprofiteur Maersk macht Rekordgewinn – und sorgt sich wegen Normalisierung bei Seetransporten

Die dänische Reederei Maersk hat wie kaum ein anderes Unternehmen von der Coronapandemie profitiert. Ausgerechnet eine Entspannung in den globalen Lieferketten könnte das Geschäft nun ausbremsen.
Maersk-Schiff im Hafen von Los Angeles

Maersk-Schiff im Hafen von Los Angeles

Foto: KEVORK DJANSEZIAN/ AFP

Die meisten Unternehmen haben erheblich unter der Coronapandemie gelitten, nicht so aber die dänische Reederei Maersk. Das Unternehmen hat 2021 einen Rekordgewinn von 18 Milliarden Dollar erzielt. Das ist mehr als sechsmal so viel wie im bereits profitablen ersten Coronajahr 2020. Damit sorgte Maersk zugleich für einen dänischen Rekord: Nach Angaben der heimischen Nachrichtenagentur Ritzau hat noch nie zuvor ein dänisches Unternehmen in einem Jahr so viel Geld verdient. Der Umsatz der Reederei sprang dank enorm gestiegener Preise für Containertransporte auf 61,8 Milliarden Dollar. Gegenüber 2020 ist das ein Plus von rund 55 Prozent.

Maersk und der Konkurrent MSC sind mit Abstand die größten Containerreedereien. Wesentlicher Grund für deren Gewinnexplosion sind die enorm gestiegenen Frachtraten für Transporte auf See. Die Coronapandemie hat die Fahrpläne der Linienreedereien so durcheinandergewirbelt, dass Schiffe und Container oft nicht da sind, wo sie sein sollen – zum Leidwesen von Verbrauchern und Unternehmen, die seit Monaten zum Teil sehr lange auf bestellte Ware warten müssen.

Zudem hat die vor allem in China und den USA früher und kräftiger als hierzulande angesprungene Konjunktur die Nachfrage nach Seetransporten derart erhöht, dass die Kapazitäten mehr als ausgeschöpft sind.

Ausgerechnet eine Entspannung in den globalen Lieferketten könnte das Geschäft von Maersk künftig ausbremsen. Das Management erwartet 2022 das bereinigte Ergebnis vor Zinsen und Steuern (bereinigtes Ebit) bei rund 19 Milliarden Dollar. Das wäre etwas weniger als die 19,8 Milliarden Dollar im Jahr 2021. Vor allem im zweiten Halbjahr werde sich die Schifffahrt normalisieren. Wegen dieser für Maersk trüben Aussichten gab die Aktie des Unternehmens an diesem Mittwoch um mehr als zwei Prozent nach.

Unterdessen setzt Maersk den schon länger laufenden Ausbau des Reedereigeschäfts zu einem komplexen Logistikunternehmen fort: Für knapp 1,7 Milliarden US-Dollar übernehmen die Dänen Pilot Freight Services. Das US-Unternehmen bietet Logistik vor allem für große, unhandliche Waren von der Bestellung bis zur Lieferung. Erst im November hatte Maersk die Übernahme des deutschen Fluglogistikers Senator International bekannt gegeben.

hej/dpa