Elektronikindustrie US-Studie prangert Zwangsarbeit in Malaysia an

Eingezogene Pässe, horrende Jobgebühren - in den modernen Elektronikfabriken Malaysias schuften viele Arbeiter laut einem Bericht unter Zwangsbedingungen. Ihre Produkte werden in die ganze Welt geliefert, auch nach Deutschland.
Skyline von Kuala Lumpur: Boomender Staat

Skyline von Kuala Lumpur: Boomender Staat

Foto: Ahmad Yusni/ picture alliance / dpa

Hamburg - Sie stammen aus Bangladesch, Indien, Myanmar, Nepal und Vietnam - und sie kommen nach Malaysia, um dort für die boomende Elektronikindustrie zu arbeiten, in Fabriken, die Produkte für internationalen Konzerne wie Apple  , Samsung   oder Sony   Produkte herstellen.

Fast 200.000 Migranten sind in der wichtigsten Branche des Landes insgesamt beschäftigt, viele davon offenbar unter unwürdigen Bedingungen. Das berichtet zumindest die "New York Times",  sie beruft sich dabei auf eine Studie im Auftrag des US-Arbeitsministeriums.

Demnach arbeitet rund jeder Dritte Migrant in der Branche unter Zwangsbedingungen, weil ihm entweder der Pass abgenommen wurde oder weil er horrende Gebühren abstottern muss, die er für seine Einstellung bezahlt hat.

92 Prozent der ausländischen Arbeiter in Malaysias Elektronikindustrie müssen laut dem Bericht solche Gebühren zahlen, um überhaupt einen Job zu bekommen. Bei den meisten davon sind die Summen so hoch, dass sie Monate brauchen, um das Geld abzubezahlen. Vorher können sie die Fabrik nicht verlassen.

Für den Bericht wurden rund 500 Arbeiter in fast 200 Fabriken befragt. Laut "New York Times" gaben 92 Prozent von ihnen an, zu Überstunden gezwungen zu sein, um ihre Schulden abzubezahlen. 94 hatten zum Zeitpunkt der Befragungen keinen Pass bei sich, viele davon gaben an, es sei schwierig oder gar unmöglich diesen wiederzubekommen.

"Dieser modernste Industriesektor ist von einer Form der Ausbeutung geprägt, die eigentlich längst der Vergangenheit angehören sollte", zitiert die Zeitung den Leiter der Befragung, Daniel Viederman. Es handele sich nicht um Einzelfälle, das Problem sei weitverbreitet.

stk
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