Sauftourismus auf Mallorca »Saison bereits verloren«

Die Rückkehr des Tourismus auf Mallorca nach den Coronabeschränkungen hatten sich viele anders vorgestellt: An der Playa de Palma wird wieder exzessiv gefeiert. Ein Unternehmer fordert ein härteres Vorgehen der Polizei.
Hoch die Krüge: Szene aus dem Lokal Bierkönig auf Mallorca (im Mai)

Hoch die Krüge: Szene aus dem Lokal Bierkönig auf Mallorca (im Mai)

Foto: Augst / Eibner / IMAGO

Seit 50 Jahren zieht es viele zum Feiern an den Ballermann. Während der vergangenen zwei Jahre war es dort aufgrund der Coronapandemie aber ruhig geworden. Mallorca hoffte, das alte Image dauerhaft ablegen zu können. Luxus statt Lallen. Nun kehrt jedoch der Sauftourismus auf die Insel zurück – und nach Einschätzung von Unternehmern ist es noch schlimmer als zuvor.

Manche Urlauber kämen gegen zehn Uhr morgens in den Hotels an, und um 14 Uhr könnten sie schon nicht mehr gehen, zitierte die Zeitung »Última Hora« Juan Miguel Ferrer, Geschäftsführer einer Initiative für mehr Qualität an der Playa de Palma.

Geld nur für Alkohol

Die Urlauber buchten in der Regel zehn Tage im Voraus und blieben im Durchschnitt drei oder vier Nächte. Pro Tag würden sie nur 30 bis 40 Euro ausgeben, davon das meiste für Alkohol, klagte Ferrer. Touristen feierten noch um vier Uhr morgens, manchmal mit Megafonen, die unerklärlicherweise weiterhin frei verkauft würden. Zum Teil würden volltrunkene Urlauber von ihren Freunden einfach auf der Straße liegen gelassen.

Zuletzt hatte zudem eine deutsche Reisegruppe für Schlagzeilen gesorgt, die einen großen Brand nahe dem Ballermann verursacht haben soll. Sie wird beschuldigt, vom Balkon ihrer Hotelzimmer brennende Kippen und Alkohol auf das Schilfdach der Terrasse einer darunterliegenden Gaststätte geworfen zu haben. Das Dach fing Feuer, zwei Gaststätten, eine Wohnung und Teile des Restaurants wurden teils stark beschädigt.

»Wir betrachten die Saison bereits als verloren, was die Kontrolle der Exzesse angeht«, zitierte die »Mallorca Zeitung« Ferrer. Die Polizei müsse die strengeren Regeln auf den Straßen auch durchsetzen.

Vor einigen Wochen hatte er sich noch optimistisch geäußert. Corona habe wie ein Katalysator für die eigenen Bemühungen gewirkt und einen neuen Typ Urlauber angezogen. Dieser wolle Dinge wie gutes Essen mit lokalen Produkten und einen umweltfreundlichen Nahverkehr.

Diese positive Entwicklung sei leider mit dem 10. Mai zu Ende gegangen. »Kaum waren die großen Partytempel wieder geöffnet, wurde dieser neue Typ Urlauber vom alten Feierpublikum verdrängt«, bedauert Ferrer. »Seither leiden wir unter der Ankunft großer Gruppen von Touristen, die nur darauf aus sind, sich auf den Straßen, an der Strandpromenade oder am Strand zu betrinken«, zitierte die Zeitung Ferrer.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Fassung des Vorspanns war von mehreren Unternehmern die Rede, die ein härteres Eingreifen der Polizei forderten. Tatsächlich äußert sich nur ein Unternehmer im Text entsprechend. Wir haben die Formulierung korrigiert.

apr/dpa
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