Managementversagen Designer Joop warnt vor Pleitewelle in der Modeindustrie

"Es wird verheerend": Der Designer Wolfgang Joop sieht schwarz für die Zukunft der Modebranche in Deutschland: "Ich rechne noch mit etlichen Pleiten in nächster Zeit", sagte er dem SPIEGEL - die Schuld gibt er einer verhängnisvollen Mischung von Eitelkeit und Inkompetenz.

Designer Joop (mit Sabine Christiansen (l.) und Barbara Becker): Geschäftsführer, Finanzier, Organisator, Kreativer
dpa

Designer Joop (mit Sabine Christiansen (l.) und Barbara Becker): Geschäftsführer, Finanzier, Organisator, Kreativer


Hamburg - Um die Branche sei es "sehr schlecht" bestellt, glaubt Joop. Sie habe jahrelang über ihre Verhältnisse gelebt "und betrieb gigantischen Aufwand, angestachelt von unendlicher Eitelkeit statt Qualität oder gar Können". Das Muster der Vergangenheit sei oft das gleiche: "Dutzende von Modemarken werden von der einen schmutzigen Hand in die andere geschoben. Und alle verlieren dabei immer mehr Glaubwürdigkeit." Dennoch sieht Joop die aktuelle Krise auch als Chance - "für die Hoffnung auf eine gewisse Gesundung".

Jüngstes Opfer der Krise ist die Münchner Modemarke Escada, die Insolvenz beantragen musste, aber eine Marke sei, die laut Joop "sicherlich ein interessantes Projekt wäre" für eine Rettung. "Da sähe ich eine echte Chance", sagte der Designer, wollte aber eigene Einstiegspläne nicht bestätigen: "Ich habe ja genug zu tun. Aber reizvoll wäre es wirklich."

Bei seinem eigenen Label Wunderkind sei er "gerade alles in einem: Geschäftsführer, Finanzier, Organisator, Kreativer". Es gehe ihm aktuell darum, "dass Wunderkind schlank überlebt". Auf die Frage, ob er auch um die Zukunft der eigenen Marke fürchte, sagte Joop: "Die Angst vor einer Pleite schwingt immer mit in Zeiten wie diesen. Insofern muss ich aufpassen, dass ich mich nicht von meinem eigenen Experiment wegtragen lasse."

Kritik übte Joop am Insolvenzverwalter der Wäschefirma Schiesser. Im Frühjahr hatte der 64-Jährige kundgetan, bei dem Unternehmen einsteigen zu wollen. "Ich wäre bei Schiesser nicht das Gesicht, sondern der Kopf. Aber der Insolvenzverwalter hat nun vor allem das Interesse, möglichst viel Geld zu bekommen. Aus seiner Sicht verständlich, auch wenn das dazu führen kann, dass bei Schiesser am Ende jemand das Sagen hat, der überhaupt keine Ahnung vom Geschäft hat."



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