Managergehälter Was die Chefs der Dax-Konzerne verdienen
Hamburg - Die Rebellion ist ausgebrochen: Ob in Großbritannien oder den USA - überall stemmen sich wütende Aktionäre gegen die überbordenden Gehälter ihrer Vorstandschefs. Einige Top-Manager kostete das sogar ihre Posten. Zuletzt musste der Chef des britischen Versicherers Aviva , Andrew Moss, zurücktreten, nachdem die Aktionäre auf der Hauptversammlung mehrheitlich gegen die Vergütung der Konzernführung gestimmt hatten.
Nur in Deutschland ist von dieser Revolte relativ wenig zu spüren. Bei der Deutschen Bank machten einige Aktionärsvertreter im Vorfeld der Hauptversammlung zwar Stimmung gegen die hohen Gehälter. Am Ende segneten die Anteilseigner das Vergütungsmodell der Bank jedoch mit großer Mehrheit ab.
Dabei gäbe es durchaus Grund zur Kritik. Das zeigt eine Übersicht von SPIEGEL ONLINE und manager magazin über die Entwicklung der Vergütungen für die Vorstandschefs der 30 im Aktienindex Dax vertretenen Unternehmen seit 2005. Ergebnis: Die Chefgehälter sind in den vergangenen Jahren kräftig gestiegen. Selbst die große Wirtschaftskrise der Jahre 2008 und 2009 hat nur eine kleine Delle in der Gehaltsentwicklung hinterlassen.
Gut fünf Millionen Euro erhielt ein Dax-Vorstandschef 2011 im Durchschnitt. Zum Vergleich: Ein vollzeitbeschäftigter Arbeitnehmer kam laut Statistischen Bundesamt auf knapp 44.000 Euro - inklusive Sonderzahlungen. Und Bundeskanzlerin Angela Merkel - die eine mindestens ebenso große Verantwortung trägt wie ein Konzernchef - musste sich mit knapp 290.000 Euro begnügen.
Bei vielen Ex-Managern stoßen die hohen Gehälter ihrer Nachfolger mittlerweile auf heftige Kritik. "Hier werden Grenzen überschritten", sagte der frühere Daimler-Chef Edzard Reuter kürzlich im SPIEGEL: "Für normal verdienende Menschen ist das nicht mehr nachzuvollziehen." Die hohen Summen, seien "sozial und moralisch nicht vertretbar".
Der ehemalige Commerzbank-Chef und heutige Aufsichtsratsboss Klaus-Peter Müller schlug den übrigen Dax-Aufsehern in einem Brief vor, Obergrenzen für Managervergütungen einzuziehen - und musste dafür teils harsche Kritik einstecken.
Einige Konzerne haben bereits reagiert und Gehaltsdeckel in ihre Vergütungspakete eingebaut. Viele zögern zudem die Auszahlung der variablen Gehaltsbestandteile weiter raus. Bei der Deutschen Bank etwa werden große Teile der Vergütung mittlerweile über Jahre gestreckt. So soll der Aufsichtsrat die Möglichkeit erhalten, die Boni nachträglich zu kürzen, falls sich die Unternehmensführung der Manager im Nachhinein als weniger erfolgreich erweist.
Trotzdem bleiben die Gehälter insgesamt noch immer stattlich. Spitzenverdiener war im vergangenen Jahr VW-Chef Martin Winterkorn mit insgesamt 17,5 Millionen Euro. Mit großem Abstand folgte auf Platz zwei Josef Ackermann, der mittlerweile ausgeschiedene Chef der Deutschen Bank. Er erhielt 9,3 Millionen Euro. Dass es auch billiger geht, zeigt zum Beispiel der Nivea-Konzern Beiersdorf , der seinem Vorstandsvorsitzenden Thomas Quaas nur 1,6 Millionen Euro zahlte.
Ganz unten auf der Liste stand - wie schon im Vorjahr - Commerzbank-Chef Martin Blessing, dessen Gehalt wegen der Staatsbeteiligung auf 500.000 Euro begrenzt war. Doch damit ist es mittlerweile schon wieder vorbei. 2012 soll Blessing ein Grundgehalt von 1,3 Millionen Euro bekommen - plus Boni dürfte das für eine Gehaltserhöhung um mindestens 200 Prozent ausreichen.
Wie hoch sind die Vorstandsgehälter im Dax? Und wie entwickelten sich die Zahlungen in den vergangenen Jahren? Die Antwort gibt die große Gehältergrafik.