Mangel an Seltenen Erden BDI-Chef fordert weltweites Rohstoff-Konzept

Der Mangel an den sogenannten Seltenen Erden sorgt für Alarmstimmung in der deutschen Industrie: BDI-Hauptgeschäftsführer Schnappauf fordert, die Versorgungsengpässe bei den exklusiven Rohstoffen auf die globale Agenda zu setzen. Weil die Preise weltweit explodieren, drohen den Konzernen Produktionsprobleme.

Arbeiter in der Solarindustrie: Hoher Bedarf an exklusiven Rohstoffen
DPA

Arbeiter in der Solarindustrie: Hoher Bedarf an exklusiven Rohstoffen


Peking - In der deutschen Industrie wächst die Sorge vor Versorgungsengpässen bei wichtigen Rohstoffen, über die SPIEGEL ONLINE am Donnerstag berichtet hatte. Der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI), Werner Schnappauf, hat deshalb gefordert, das Thema im kommenden Jahr auf die Tagesordnung der G-20-Gruppe der großen Schwellen- und Industrieländer zu setzen. China habe den Export der sogenannten Seltenen Erden aus eigennützigen Gründen massiv beschränkt, kritisierte er.

Durch die Exportbeschränkungen seien die Preise einiger Metalle schon um das Dreifache gestiegen, so Schnappauf. Bis Jahresende sei sogar eine Steigerung auf das Fünf- bis Siebenfache möglich. "In manchen Unternehmen gibt es bereits echte Probleme mit der Verfügbarkeit", sagte der BDI-Mann. Das gelte etwa für Lanthan, einen Rohstoff, der zum Beispiel in der Photovoltaik-Technik verwendet werde.

Schnappauf sieht die Politik in der Pflicht: "Wir haben die Herausforderung frühzeitig aufgegriffen und seit vielen Jahren auf die politische Agenda gesetzt." Anlass zur Hoffnung sieht er in der neuen Rohstoffstrategie der Bundesregierung: Dies sei "ein wichtiger Schritt zur Verbesserung der Rohstoffsicherheit". Zudem wolle die EU im November eine zweite Initiative ihrer Rohstoffstrategie vorstellen.

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Begehrte Metalle: Seltene Erden
Auch Daimler-Chef Dieter Zetsche hat in der Rohstoffdebatte ein stärkeres Engagement der Europäer gefordert. Andere Länder seien hier aktiver, sagte Zetsche am Freitag vor Journalisten in Peking. Die Autoindustrie sei abhängig von Rohstoffen, wozu auch diese speziellen Metalle gehörten, so der Daimler-Boss.

"Wir müssen das nicht nur sehr aufmerksam beobachten, sondern als Europäer auch aktiv mitgestalten, so dass wir auch langfristig Zugang kriegen", sagte Zetsche. "Da sind andere Nationen bisher weitblickender und intensiver unterwegs gewesen als die Europäer."

Vielfältiges Einsatzgebiet für Seltene Erden

Die Gruppe der Seltenen Erden umfasst 17 Metalle, darunter Lanthan, Europium und Neodym. Sie werden nur in kleinen Mengen verwendet, sind aber unverzichtbar unter anderem für die Herstellung zahlreicher Elektro-Produkte, darunter Computer und Computer-Monitore, Handys oder Windturbinen.

Der Technologiekonzern Siemens Chart zeigen braucht die Metalle besonders für die Magnetproduktion und Spezialanwendungen in der Licht- und Medizintechnik. Der Konzern sehe die Gefahr von Engpässen und arbeite bereits an einer langfristigen Absicherung, erklärte ein Sprecher: "Siemens ist in China seit über hundert Jahren präsent, insofern sind wir hier direkt an der Quelle und gut vernetzt."

Autozulieferer Bosch hat ebenfalls vor Engpässen gewarnt. Er nutzt Seltene Erden zur Herstellung von Magneten in Elektromotoren. Der Halbleiterhersteller Infineon Chart zeigen setzt dagegen nach eigenen Angaben keines der Spezialmetalle ein.

Aus China stammen 97 Prozent der weltweit genutzten Seltenen Erden. Japan und Südkorea sind bereits auf der Suche nach alternativen Lieferanten, um die Abhängigkeit von der Volksrepublik zu verringern. So könnten Lieferungen beispielsweise aus Vietnam kommen. China hatte 2005 beschlossen, die Exportquoten für die Technologiemetalle schrittweise zu reduzieren, um seine Bestände zu schonen. 2010 liegt die Kürzung bei drastischen 40 Prozent.

Ein schneller Weg aus der Abhängigkeit von China ist indes nicht in Sicht: Bis neue Minen außerhalb des Landes erschlossen sind, dürfte es Jahre dauern. Japanische Konzerne rechnen damit, erst 2013 Zugang zu vietnamesischen Mineralen zu bekommen.

jok/Reuters/dpa-AFX



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Seite 1
Fuinlhach, 22.10.2010
1. Für eine Hand voll Dollar
Was nun? Freier Markt oder wie oder was? Bei sowas krieg ich ja gleich wieder Schnappatmung. Jahrelang pennen und dann rumgrölen, wenn man aus dem Dornröschenschlaf unsanft geweckt wird. Nicht, dass das anstehende Szenario vorher nicht bekannt gewesen wäre. Aber ach... so lang es lief gabs doch die tollsten Renditen. so far.... ein Bürger
sic tacuisses 22.10.2010
2. Tja, wohl geruht deutsche Industrie.
Zitat von FuinlhachWas nun? Freier Markt oder wie oder was? Bei sowas krieg ich ja gleich wieder Schnappatmung. Jahrelang pennen und dann rumgrölen, wenn man aus dem Dornröschenschlaf unsanft geweckt wird. Nicht, dass das anstehende Szenario vorher nicht bekannt gewesen wäre. Aber ach... so lang es lief gabs doch die tollsten Renditen. so far.... ein Bürger
Bisher ging alles nach Wunsch. Damit dürfte jetzt Schluß sein. Lohndumping war gestern. Jetzt werden die Grenzen sichtbar. Gut so.
Beteigeuze, 22.10.2010
3. "Wachstum, Wachstum - über alles ..."
Zitat von sysopDas Mangel an den sogenannten Seltenen Erden sorgt für Alarmstimmung in der deutschen Industrie: BDI-Chef Schnappauf fordert, die Versorgungsengpässe bei den exklusiven Rohstoffen auf die globale Agenda zu setzen. Weil die Preise weltweit explodieren, drohen den Konzernen Produktionsprobleme. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,724788,00.html
Guten Morgen, BDI! Auch schon wach? Tja, Wachstum war gestern. Genießen wir nun das Unvermeidliche ...
Traktorist, 22.10.2010
4. sowas kommt von sowas
So ist das eben, wenn unsere glorreichen Manager den Kopp voll haben vom Stellenabbau und vom Lohndrücken. Planen und Denken bis zum nächsten Quartal, danach kommt nur noch kalte Luft.
cirkular 22.10.2010
5. So so, die Chinesen
handeln eigennützig. Ja sowas. Dürfen die das denn? Und haben die den BDI auch vorher gefragt, ob es so gefällt? Deutschland mag zwar Ex-Exportweltmeister sein, aber nicht der Nabel der Welt. Das muss halt auch der BDI noch lernen.
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