Mangelhafte Beratungsprotokolle BaFin verhängt Bußgeld gegen Banken

Was tun, wenn der Mitarbeiter in der Bank zur falschen Anlage rät? Für den Fall sollen die Berater eigentlich genaue Protokolle der Gespräche anfertigen. Viele Dokumentationen sind aber mangelhaft - dagegen geht die Finanzaufsicht jetzt vor.

Geldscheine: Bußgeld wegen Verstößen gegen die Protokollpflicht
dapd

Geldscheine: Bußgeld wegen Verstößen gegen die Protokollpflicht


Berlin - Die Bilanz fiel ernüchternd aus: Einnahmen oder Ausgaben wurden falsch dokumentiert, genauso wie Vermögen und Verbindlichkeiten; Angaben zur Risikobereitschaft fehlten gleich völlig. Kurz: Keiner der 50 Bankberater, die vom Verbraucherschutz getestet wurden, hielt die Inhalte der Gespräche ausreichend fest. Das hat jetzt Konsequenzen. Die Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) hat in zehn Fällen Bußgeldverfahren gegen Banken wegen Verstößen gegen die Protokollpflicht eingeleitet, wie das "Handelsblatt" berichtet.

In zwei Fällen seien laut einer Sprecherin bereits Bußgelder in Höhe von 18.000 Euro und 26.000 Euro verhängt worden, gegen die sich die betroffenen Banken jedoch zur Wehr setzen. Das maximale Bußgeld in solchen Fällen beträgt 50.000 Euro.

Als Konsequenz aus der Finanzkrise sind Kreditinstitute seit 2010 verpflichtet, die Anlageberatung bei Wertpapierkäufen zu dokumentieren und die Protokolle dem Kunden auszuhändigen. Seit vergangenem Juli müssen Kundenberater von Banken und Sparkassen den Sparern zudem Informationsblätter zu den von ihnen empfohlenen Produkten auszuhändigen. Diese sogenannten Beipackzettel sollen erkennbar machen, welche Kosten und Risiken mit einer Geldanlage verbunden sind - in vielen Fällen werden diese Blätter aber noch nicht vergeben.

Die Mängel seien deshalb so problematisch, schreiben die Verbraucherzentralen, weil die Protokolle für Bankkunden die einzige Möglichkeit seien, eine Falschberatung nachzuweisen. Banken wiederum hätten ein Interesse daran, die Beratungsprotokolle so zu gestalten, dass die Haftungsrisiken minimiert würden.

vks/dpa

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Seite 1
sorum11 12.03.2012
1. Ein Skandal
Zitat von sysopdapdWas tun, wenn der Mitarbeiter in der Bank zur falschen Anlage rät? Für den Fall sollen die Berater eigentlich genaue Protokolle der Gespräche anfertigen. Viele Dokumentationen sind aber mangelhaft - dagegen geht die Finanzaufsicht jetzt vor. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,820926,00.html
Klarer kann man gar nicht zugeben, dass man nur Dreck am Stecken und schlechte Absichten hat. 50tsd Euro sind noch viel zu milde, weil hier VORSATZ in Hunderttausenden von Fällen staatsanwaltschaftlich verfolgt werden muss. Eine Teilschuld hat der Kunde allerdings auch, dass er a) im "Einzelbankhandel" eine Beratung statt eines Verkaufs erwartet und b) überhaupt irgendwas kauft, was er nicht zu 100% versteht. Ich kenne zwar auch nicht alle Zutaten eines Brötchens aus der Massenherstellung, aber wenn Hunderte von Kunden Vergiftungen bekommen, dann weiß ich das und mache einen großen Bogen. Und das SO lange, bis der Produktanbieter nachvollziehbare Qualität liefert. Aber nein, der Kunde will ja 0,3% mehr als der Herr Nachbar haben, unbedingt. Sonst würde er keinen Müll kaufen, den er nicht versteht...
Gerixxx 12.03.2012
2. na, wenn das Bafin ....
Zitat von sysopdapdWas tun, wenn der Mitarbeiter in der Bank zur falschen Anlage rät? Für den Fall sollen die Berater eigentlich genaue Protokolle der Gespräche anfertigen. Viele Dokumentationen sind aber mangelhaft - dagegen geht die Finanzaufsicht jetzt vor. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,820926,00.html
nichts wichtigeres zu tun hat.... Die Massnahmen sind zwar sicherlich richtig - aber was passiert jetzt ? Die verantwortlichen kundenberater bekommen eine Abmahnung, müssen vielleicht noch für "ihre" Fehler haften - und die eigentlich Verantwortlichen bleiben ungeschoren, setzen die Berater weiterhin unter Performance-Druck (der Kunde und sein interesse ist sowieso zweitrangig). Und ausserdem scheint mir, dass die Bafin (ohnehin ein zahnloser Tiger als Bettvorleger) auf die kleinen losgeht und die grossen ungeschoren lässt. Bei all den Derivaten, Schattenbanken, adrenalingetränkten Investmentbanker-Ego-Monstern mit ihren Anwaltsheeren beisst man schliesslich auf Granit. Ganz zu schweigen ob die Bafin überhaupt noch personell in der Lage und gewillt ist, inhaltlich zu verstehen, was da überall immer noch bzw. schon wieder für ein Rad gedreht wird....
rainer_daeschler 12.03.2012
3.
Zitat von Gerixxxnichts wichtigeres zu tun hat.... Die Massnahmen sind zwar sicherlich richtig - aber was passiert jetzt ? Die verantwortlichen kundenberater bekommen eine Abmahnung, müssen vielleicht noch für "ihre" Fehler haften - und die eigentlich Verantwortlichen bleiben ungeschoren, setzen die Berater weiterhin unter Performance-Druck (der Kunde und sein interesse ist sowieso zweitrangig). Und ausserdem scheint mir, dass die Bafin (ohnehin ein zahnloser Tiger als Bettvorleger) auf die kleinen losgeht und die grossen ungeschoren lässt. Bei all den Derivaten, Schattenbanken, adrenalingetränkten Investmentbanker-Ego-Monstern mit ihren Anwaltsheeren beisst man schliesslich auf Granit. Ganz zu schweigen ob die Bafin überhaupt noch personell in der Lage und gewillt ist, inhaltlich zu verstehen, was da überall immer noch bzw. schon wieder für ein Rad gedreht wird....
Die Banken machen weiter wie bisher und zahlen die Strafe in fünfstelliger Höhe für die wenigen Fälle die publik werden. Das ist billiger, als die Beratungspraxis ändern.
antikarrierist 12.03.2012
4.
einfach den Banken nichtmehr vertrauen und sich nicht von Schlips und Kragen einschüchtern lassen. Das sind doch heute drückerkolonen, die dafür sorgen, dass man sich ja nicht das Kleingedruckte durchliest. Das ist einfach gesindel. Den Traum nach dem Schnellen geld an den Nagel hängen ist am besten. Und wenn man "Risikobereit" ist, dann kann man ja ins casino oder auf die Pferderennbahn, da gibt es bestimmt jemanden, der einen TOOOOODSICHEREN Tip für einen hat. Macht auch mehr Spass als eine Zertifikat oder so einen Schrott.
juentgen 13.03.2012
5. BaFin und das Bussgeld.
Es wird Zeit das die Politik hier eingreift,denn die BaFin wird von der Bundesbank immer unter Duck gesetzt und wo immer möglich neutralisiert.Wenn sie keine scharfen Zähne hat und immer angegriffen wird, wird sie keine Zähne haben und das muss sich ändern und die Politik muss die Banken unter Kontrolle durch ganz Europa bringen oder wir werden weiter von den Zokkern betrogen und kontrolliert.
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