Legaler Verkauf Trump-Regierung startet Kampf gegen das Kiffen

"Nur etwas weniger schlimm als Heroin": Die Haltung von US-Justizminister Sessions zu Marihuana ist bekannt. Nun will er gegen den Verkauf von Cannabis vorgehen - die Boombranche ist verunsichert.
Cannabis-Kunden stehen in Los Angeles vor einem Marihuana-Shop Schlange

Cannabis-Kunden stehen in Los Angeles vor einem Marihuana-Shop Schlange

Foto: DAVID MCNEW/ AFP

Seit dem 1. Januar ist der Verkauf von Cannabis in Kalifornien erlaubt - und damit ist in dem US-Bundesstaat der weltweit größte legale Markt für entsprechende Produkte entstanden. Auch der frühere Boxweltmeister Mike Tyson gründete dort mit drei Geschäftspartnern eine Marihuana-Farm. Bislang konnte die Branche mit Raten von mehr als 30 Prozent in nur einem Jahr in den USA relativ ungestört wachsen - doch das ändert sich nun.

Die Regierung von US-Präsident Donald Trump hat den Kampf gegen die Legalisierung von Marihuana in den einzelnen Bundesstaaten begonnen. Justizminister Jeff Sessions wies die Staatsanwälte in einem Schreiben  an, das auf Bundesebene geltende Verbot der Droge künftig durchzusetzen.

Die Trump-Administration hatte sich entsprechend einer Direktive aus der Obama-Ära bislang weitgehend aus der Marihuana-Regulierung rausgehalten. Zahlreiche Bundesstaaten erlauben die Droge zu medizinischen Zwecken. Mit Colorado, Washington, Oregon, Alaska, Nevada und nun Kalifornien haben bislang sechs Bundesstaaten Cannabis sogar als Genussmittel freigegeben. Massachusetts und Maine wollen im Lauf des Jahres folgen.

Das will Sessions verhindern - und die Verbreitung der Droge weiter erschweren. Die Staatsanwälte in den USA sollten "zur Rechtsstaatlichkeit" zurückkehren. Bereits 2015 hatte Sessions gesagt: "Gute Menschen rauchen kein Marihuana." Es sei "nur etwas weniger schlimm als Heroin".

Sessions' Schreiben verunsichert die Branche. "Mein Telefon klingelt wie verrückt", sagte Terry Blevins, der an einem Marihuana-Handelsunternehmen im Süden Kaliforniens beteiligt ist, der Nachrichtenagentur AP. "Wird die Regierung jetzt nach Kalifornien kommen und Razzien in Geschäften durchführen?"

Auch die Politik streitet über den Vorstoß aus der Hauptstadt. Der republikanische Kongressabgeordnete Don Young kritisierte das Vorgehen. "Wenn es der Justizbehörde erlaubt ist, gegen Einzelpersonen und Regierungen vorzugehen, wäre das eine der größten Pflichtverletzungen, die ich erlebt habe", sagte Young, in dessen Staat Alaska die Droge legal ist.

Was passiert nun mit den Händlern?

Tatsächlich ist noch unklar, welche konkreten Folgen Sessions' Papier haben wird. Bob Troyer, Staatsanwalt in Colorado, sagte, seine Behörde werde die Prinzipien der Strafverfolgung nicht ändern. Staatsanwalt Billy J. Williams aus Oregon will ebenfalls an der bisherigen Praxis festhalten - und nur gegen die nicht lizenzierte Marihuana-Produktion sowie den Schmuggel aus dem Staat heraus vorgehen.

Bereits jetzt gibt es für die Marihuana-Industrie wegen des Verbots auf Bundesebene große rechtliche Hürden und Risiken. Stadt- und Bezirksverwaltungen verlangen von den Geschäften und den Farmern zusätzliche Nachweise für eine der staatlichen Lizenzen zum Cannabisverkauf, Banken, Versicherer und Finanzdienstleister scheuen angesichts des Verbots auf Bundesebene Geschäfte mit der Branche. (Lesen Sie hier die Hintergründe: Das komplizierte Geschäft mit dem Kiffen)

Um die geschätzt jährlich eine Milliarde Dollar Steuereinnahmen aus dem Marihuanaverkauf in Kalifornien sicher zu transportieren, schlugen von den Behörden beauftragte Expertengruppe unlängst sogar vor, gepanzerte Fahrzeuge einzusetzen. Denn die meisten Geschäfte werden in bar abgewickelt. Das kann ein großer Nachteil sein, etwa wenn Geschäfte dokumentiert werden sollen, außerdem gilt Bargeld als Sicherheitsrisiko.

VIDEO: High Life in Colorado

SPIEGEL TV
apr/dpa/AP