Kryptowährung von Facebook Mark Zuckerberg verteidigt Libra - und sich selbst

Der Facebook-Chef hat im US-Kongress zur geplanten Digitalwährung Libra Stellung genommen. Als es um die Fehler und Pannen des sozialen Netzwerks ging, trieb eine prominente Demokratin Mark Zuckerberg in die Enge.

Facebook-Chef Mark Zuckerberg im US-Kongress: "Wir haben viele Probleme gehabt"
Erin Scott/REUTERS

Facebook-Chef Mark Zuckerberg im US-Kongress: "Wir haben viele Probleme gehabt"


Facebook-Gründer Mark Zuckerberg hat vor US-Abgeordneten versucht, Bedenken zu den Plänen für die weltweite Digitalwährung Libra auszuräumen. Facebook werde erst dann den Startschuss für das Digitalgeld geben, wenn alle regulatorischen Bedenken in den USA ausgeräumt seien, sagte er bei einer Anhörung im Kongress.

Zugleich gab Zuckerberg Fehler zu. Er habe Verständnis dafür, dass Facebook nach den Skandalen und der Kritik in den vergangenen Jahren einen schweren Stand als Urheber des Projekts hat. "Ich verstehe, dass ich dafür momentan nicht der ideale Bote bin", sagte er. "Wir haben in den vergangenen Jahren viele Probleme gehabt. Und ich bin sicher, Leute wünschen sich, dass irgendjemand anderes mit der Idee kommt, nur nicht Facebook."

Die Digitalwährung Libra soll nach den Vorstellungen von Facebook zunächst für Geldüberweisungen über Ländergrenzen hinweg zum Einsatz kommen - später dann auch zum Bezahlen von Einkäufen. Die Idee ist, dass Libra mit etablierten Währungen wie Euro oder Dollar erworben werden kann. Das Geld soll dabei eins zu eins zur Absicherung der Digitalwährung verwendet werden.

Zuckerberg warnt vor Chinas Ambitionen

Regulierer und Politiker sehen unter anderem noch offene Fragen bei Maßnahmen gegen Geldwäsche und Terror-Finanzierung. Zugleich befürchten sie aber auch eine mögliche Destabilisierung des etablierten Finanzsystems, wenn große Geldmengen in Libra und zurück getauscht werden. Nach der Kritik zogen sich namhafte Partner aus der Finanzbranche wie Mastercard, Visa und Paypal aus dem Libra-Projekt zurück.

Die jüngst gegründete Libra-Assoziation mit Sitz in der Schweiz, die die neue Währung verwalten soll, sei unabhängig, betonte Zuckerberg. Zugleich versicherte er: "Facebook wird nicht Teil eines Starts von Libra irgendwo auf der Welt sein, bis die US-Regulierer ihre Zustimmung gegeben haben."

Zuckerberg warnte die US-Abgeordneten davor, China in der Entwicklung einer Digitalwährung davonziehen zu lassen: "Während wir debattieren, steht der Rest der Welt nicht still." Wenn sich die USA nicht an Innovationen beteiligten, sei die Führungsrolle des Landes im Finanzgeschäft in Gefahr.

Mehrere Abgeordnete äußerten scharfe Kritik an Libra. So warnte der Demokrat Brad Sherman, Libra würde zur richtigen Währung "für diejenigen, die den Dollar nicht mögen" - etwa Drogenhändler oder Steuerhinterzieher. Und seine Parteifreundin Nydia Velázquez wollte wissen, wie man der Zusicherung vertrauen könne, dass Facebook die Daten zu Libra-Transaktionen getrennt halten werde, nachdem eine ähnliches Zusage nach der Übernahme von WhatsApp zurückgenommen worden sei.

Wie Ocasio-Cortez Zuckerberg in die Enge trieb

Die prominente Demokratin Alexandria Ocasio-Cortez nutzte ihre fünf Minuten Befragungszeit, um Zuckerberg auf Facebooks Datenschutzprobleme und die Verbreitung von "Fake News" anzusprechen. Dabei ging sie den Facebook-Chef hart an, der sichtlich in die Enge getrieben wurde.

Unter anderem wollte die Politikerin von Zuckerberg wissen, ob Facebook Lügen entferne oder nicht entferne. "Das ist eine einfache Ja- oder Nein-Frage", ergänzte die Demokratin. Zuckerberg wollte keine konkrete Antwort geben.

Um es konkreter zu machen, fragte Ocasio-Cortez hypothetisch: "Dürfte ich auf Facebook Anzeigen laufen lassen, die besagen, dass die Republikaner für den Green New Deal gestimmt haben?" Sie bezog sich damit auf eine politische Initiative für mehr Umweltschutz, die im März unter anderem von allen Republikanern im US-Senat abgelehnt worden war. Zuckerberg sagte zunächst, er habe die Frage nicht verstanden, und antwortete dann, er wisse die Antwort nicht aus dem Kopf. "Wahrscheinlich", fügte er nach einigem Zögern hinzu.

jki/dpa/Reuters

insgesamt 5 Beiträge
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Seite 1
GlobalWarmer 24.10.2019
1. peinlich!
die Frage der ehemaligen Kellnerin. Ja natürlich kann Sie das auf Facebook posten, das ist die Grundeigenschaft dieser sozialen Medien dass jeder dort sagen kann was er will. Man muss nur genügend Dumme finden die den ganzen Müll lesen, glauben und weiterverbreiten.
x1248 24.10.2019
2. Noch peinlicher!
... dieser erste Kommentar. "GlobalWarmer" sollte den Artikel lesen, bevor sie oder er reflexhaft Ubsinn schreibt. Und am besten vor dem absendem mal kurz checken, ob sie oder er auch alles verstanden hat. Dann hätte sie oder er gemerkt, dass es in dem Artikel nicht um Posts, sondern um Anzeigen geht.
bettina.g 24.10.2019
3. lustig ...
… wer einen Beitrag mit "peinlich!" überschriftet und die Anwendungsregel für "Sie" und "sie" nicht beherrscht. Rabiat werde ich allerdings wenn eine eloquente gewählte Berufspolitikerin als "ehemalige Kellnerin" herabgewürdigt wird - Sie, Sie, Sie Forist, Sie!
cobaea 24.10.2019
4.
Zitat von GlobalWarmerdie Frage der ehemaligen Kellnerin. Ja natürlich kann Sie das auf Facebook posten, das ist die Grundeigenschaft dieser sozialen Medien dass jeder dort sagen kann was er will. Man muss nur genügend Dumme finden die den ganzen Müll lesen, glauben und weiterverbreiten.
Wenn Sie Zuckerberg und Trump-Fan sind, gehjröen wohl eher Sie zu jenen, die "den ganzen Müll glauben". Aber damit sie das nächste Mal betreffend Ocasio nicht wieder nur von "der ehemaligen Kellnerin" reden müssen, wenn Ihnen eine Aktion derselben nicht gefällt: Diese hat ein abgeschlossenes Studium der Wirtschaftswissenschaft und der Internationalen Beziehungen (cum laude). Nach dem Tod des Vaters kehrte zunächst in die Bronx zurück und unterstützte ihre Mutter, indem sie in einem Taco-Schnellrestaurant als Schankkraft und Kellnerin arbeitete. Daneben arbeitete sie als Lehrkraft am National Hispanic Institute. Das alles besagt: Die Frau kennt vermutlich mehr vom Leben als Sie je kennen werden. Nebenbei: Hätte sie es ohne Studium von der Kellnerin ins Parlament geschafft, hätte sie meine volle Hochachtung - das schafft man nämlich nicht so leicht. Im Gegensatz zu Leuten, die mit goldenen Löffeln im Mund geboren werden. Und Kellnerin ist ein ehrenwerter, harter Beruf.
thoscha 24.10.2019
5.
Prinzipiell war/ist die Facebook-Idee gut. Zudem glaube ich, das damals keiner sich auch nur im geringsten vorstellen konnte, welche Dimensionen das alles annehmen wird. Today kann man getrost sagen - die Macher wurden einfach überrollt! Heute ist Facebook ein Datenkrake mit solchen Ausmaßen, das eine Kontrolle, wie sie vielen nach den voran- gegangenen Skandalen vorschwebt, einfach nicht mehr machbar ist. Die Umsetzung der einzelnen Forderungen zur Datensicherheit etc.pp., wird ein Stückwerk sein das seinesgleichen sucht. Denn jedesmal wenn wieder etwas passiert, wird daran herumgepfuscht. Es wird niemals das Instrument sein das aus einem Guß gemacht worden ist. Das haben die Macher, damals einfach nicht bedacht, bzw. diejenigen die das Potenzial erkannt haben, haben gleichzeitig auch die Schwachstellen von Facebook gecheckt und diese gezielt für sich verwendet. Was besseres konnte den Typen einfach nicht passieren. Facebook ist "DAS" Instrument der Wahl zur MeinungsManipulation und es sucht seinesgleichen und im Verbund mit Twitter, das muß wohl nicht mehr erörtert werden, oder? Wer sich heute oder wie auch immer dort einloggt, hat in meinen Augen schon verloren. Facebook ist wie die BORG - noch Fragen? Widerstand ist zwecklos!!
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