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04. Dezember 2018, 12:52 Uhr

Altria

Marlboro-Hersteller interessiert sich für Cannabis-Produzenten

Der herkömmliche Tabakkonsum geht zurück, Cannabis hingegen gilt als Wachstumsgeschäft. Das weckt das Interesse des Marlboro-Herstellers Altria am Cannabis-Produzenten Cronos.

Der Marlboro-Hersteller Altria verhandelt mit dem kanadischen Cannabis-Produzenten Cronos über eine Übernahme. Cronos bestätigte die Gespräche. Diese befänden sich aber noch in einem frühen Stadium. Die Cronos-Aktie legte daraufhin kräftig zu, zeitweise um mehr als 15 Prozent.

Cronos wird an der Börse derzeit mit mehr als zwei Milliarden Dollar bewertet. Sollte es zu einer Fusion kommen, wäre es eine der größten Übernahmen eines Marihuana-Herstellers durch einen Tabakkonzern. Offen ist, ob Altria nur an einer Beteiligung oder an einer vollständigen Übernahme Interesse hat.

Cannabis ist seit diesem Jahr in Kanada auch für den privaten Verbrauch zugelassen. Das weckt auch bei anderen Tabakkonzernen Interesse. So war im Juni der britische Konzern Imperial Brands bei Oxford Cannabinoid eingestiegen.

Auch in immer mehr US-Bundesstaaten ist der Konsum erlaubt. Analysten schätzen, dass die Cannabis-Industrie in den USA in diesem Jahr 11 Milliarden Dollar Umsatz machen wird, der dann bis zum Jahr 2030 bis auf 75 Milliarden Dollar steigen könnte.

Cannabis soll in Luxemburg legalisiert werden

In Europa treibt aktuell Luxemburg die Legalisierung von Cannabis zum Freizeitgebrauch für Erwachsene voran. Eine Regierungsvereinbarung sieht vor, dass in der Legislaturperiode von 2018 bis 2023 Herstellung, Kauf, Besitz und Konsum von Cannabis für den persönlichen Bedarf von Volljährigen straffrei gestellt oder legalisiert werden soll - zu Bedingungen, die noch definiert werden müssen.

Tabakkonzerne wie Altria stehen unter Druck, sich neue Felder zu erschließen, da die Zahl der Zigaretten-Raucher angesichts von Rauchverboten und einem steigenden Gesundheitsbewusstsein zurückgeht. So waren 2017 nur noch 14 Prozent der US-Amerikaner Raucher - so wenige wie nie zuvor. Die Altria-Aktien haben in diesem Jahr etwa ein Fünftel an Wert verloren.

In den vergangenen Jahren setzte Altria verstärkt auf E-Zigaretten. Presseberichten zufolge soll der Konzern auch an der E-Zigaretten-Firma Juul interessiert sein. Das in San Francisco ansässige Start-up wurde bei seiner jüngsten Finanzierungsrunde mit 16 Milliarden Dollar bewertet.

mmq/dpa/Reuters/AFP

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