Chemiekonzern mit Wirtschaftssorgen BASF-Chef fordert neue Agenda 2010

Bei BASF brechen die Erträge ein, Tausende Jobs fallen weg. Konzernchef Brudermüller drängt die Politik in einem Interview zu umfangreichen Reformen - und warnt vor Arbeitslosigkeit durch Klimaschutz.
Martin Brudermüller: Klare Forderungen an die Politik

Martin Brudermüller: Klare Forderungen an die Politik

Foto: Uwe Anspach/dpa

Die abflauende Konjunktur und die anhaltenden Handelskonflikte weltweit belasten BASF. Der Chef des Ludwigshafener Chemiekonzerns, Martin Brudermüller, hat in dieser Lage nun mehr Einsatz von der Politik verlangt.

Zur Zukunftssicherung müssten Reformen in Bereichen wie Steuern, Regulierung und auch solche mit Blick auf die Flexibilisierung des Arbeitsmarktes angegangen werden. "Die Bundesregierung sollte an eine neue Agenda 2010 denken", sagte Brudermüller dem "Handelsblatt ".

Sein Konzern hatte seine Jahresprognose erst vergangenen Monat stark korrigieren müssen. BASF rechnet nun mit rückläufigen Umsätzen sowie rund 30 Prozent weniger Gewinn . Bereits Ende Juni hatte BASF   ein umfassendes Sparprogramm angekündigt. Demnach sollen bis Ende 2021 weltweit 6000 Stellen wegfallen, ungefähr die Hälfte davon in Deutschland. Betroffen sind insgesamt knapp fünf Prozent der 122.000 Arbeitsplätze.

Konzernchef Brudermüller, der die Führung des bedeutenden Dax-Konzerns vor gut einem Jahr übernahm, fordert von der Politik auch eine stärkere Forschungsförderung und einen neuen, umfassenderen Ansatz in der Klimapolitik: "Wir haben die Chance, das Thema ganz groß zu denken und dadurch Klimaschutz und Wettbewerbsfähigkeit für Deutschland und Europa sinnvoll zu verknüpfen." Brudermüller sagte der Zeitung: "Was nicht funktioniert, ist, dass man einfach noch ein weiteres Instrument hinzufügt und eine CO2-Steuer auf die bestehenden Belastungen oben draufsetzt." Der BASF-Chef fordert stattdessen eine "gezielte Förderung für die Entwicklung CO2-armer Technologien".

CO2-Steuer nicht einfach draufsetzen

Ziel müsse es sein, erneuerbare Energien möglichst zu verbilligen, um Anreize zur CO2-Vermeidung zu schaffen, sagte Brudermüller in dem Interview. Die aktuelle politische Diskussion über einen verbesserten Klimaschutz verfolgt er aber offenbar mit Sorge. "Gesellschaftliche Unterstützung wird es nur geben, wenn Klimaschutz nicht in Arbeitslosigkeit mündet", sagte Brudermüller im Interview. Dazu gehöre auch ein klein wenig mehr Realismus. "Man muss den Bürgern schon sagen, dass sich dann manche Preise verändern und das ein oder andere Verhalten geändert werden muss. Wir brauchen da einen viel breiteren und offeneren Dialog."

BASF-Anlagen in Ludwigshafen: Bürgern sagen, was durch Klimaschutz teurer wird

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Entscheidend sei, dass man sich von der Idee verabschiede, erneuerbare Energie immer weiter zu verteuern. "Wir sollten sie vielmehr so billig machen wie möglich und damit den Verbrauchern den Anreiz geben, neue Verfahren einzusetzen, die auf sehr viel erneuerbare Energie angewiesen sind. Aber wenn dabei CO2 entsteht, dann muss es bepreist werden - wie das im Energie- und wesentlichen Teilen des Industriesektors schon der Fall ist. Das würde ganz andere Anreize schaffen, um CO2 zu vermeiden."

E-Mobilität: "Auf jeden Fall mehr Chemie im Auto"

Brudermüller will BASF, zu dem in Ludwigshafen das mit etwa zehn Quadratkilometer Fläche größte zusammenhängende Chemieareal der Welt gehört, mit einem Umbau der Organisation und einem neuem Fokus auf vernetzte Chemieproduktion aus der Krise führen. Negativ wirke sich derzeit unter anderem eine deutliche Verlangsamung des Wachstums in der Autoindustrie aus, der wichtigsten BASF-Kundenbranche, sagte er in dem Interview. Ungeachtet der erwarteten Gewinnrückgänge bekräftigt Brudermüller das Ziel der mittelfristigen Ertragssteigerung und das Versprechen, die Dividende stetig zu erhöhen.

Die Umbrüche in den Autokonzernen stellen für BASF aber auch eine Chance dar. Die Entwicklung in Richtung Elektromobilität bedeute "auf jeden Fall mehr Chemie im Auto als je zuvor", sagte Brudermüller, dessen Konzern 2018 noch fast 63 Milliarden Euro umsetzte, dem "Handelsblatt". Eine europäische Batterieproduktion hält er für notwendig, "aber es ist nicht zielführend, da von allen auch einen europäischen Pass zu fordern. Wir müssen auch Produzenten aus Asien einladen, hierherzukommen."

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