"Meistgehasster Mann Amerikas" Pharma-Manager Shkreli grinst den Kongress an

Die Geschichte einer armen, aidskranken Frau lässt ihn breit grinsen: Ex-Pharma-Manager Martin Shkreli zieht im US-Kongress wieder den Hass der Amerikaner auf sich - und teilt selber kräftig aus.
Ex-Pharma-Manager Martin Shkreli: Lässige Haltung, breites Grinsen

Ex-Pharma-Manager Martin Shkreli: Lässige Haltung, breites Grinsen

Foto: JOSHUA ROBERTS/ REUTERS

Einen Bösewicht wie Martin Shkreli hätte sich nicht mal ein klischeeverliebter Comicautor ausdenken können. Der 32-jährige Ex-Chef der US-Pharmafirma Turing Pharmaceuticals tut alles dafür, den Hass der Amerikaner auf seine Person anzufachen - auch bei seiner Aussage vor dem US-Kongress am Donnerstag.

Was er von den Abgeordneten hält, machte er schon vor der Anhörung auf Twitter überdeutlich: "Es ist hart zu akzeptieren, dass diese Schwachköpfe das Volk in unserer Regierung repräsentieren."

Weltweite Bekanntheit und Verachtung erlangte Shkreli vergangenen September, als seine Firma Turing Pharmaceuticals die Rechte an einem Entzündungsmedikament, das unter anderem Aids-Patienten benötigen, nutzte und den Preis im September schlagartig um rund 5000 Prozent auf 750 Dollar pro Pille anhob.

Seitdem gilt der ehemalige Hedgefonds-Manager als skrupelloser Vertreter eines Raubtierkapitalismus, Medien nennen ihn den "meistgehassten Mann Amerikas". Er schaffte es sogar, zum Prügelknaben für US-Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton zu werden. "Wer amerikanischen Familien ohne guten Grund Wucherpreise abknöpft, wird von mir zur Rechenschaft gezogen", versprach die Demokratin ihren Wählern.

"Was sagen Sie einer schwangeren, aidskranken Frau?"

Shkrelis erst im Februar 2015 gegründete Firma hatte das Medikament nicht einmal selbst entwickelt, sondern die Rechte daran einen Monat vor der Preiserhöhung gekauft. Als wäre das nicht genug, verhaftete das FBI Shkreli im Dezember, weil er in seiner Zeit als Hedgefonds-Manager Kunden betrogen und Geld veruntreut haben soll.

Die Kongressabgeordneten, die er bereits beleidigt hatte, mühten sich sichtlich, den Ex-Manager zur Vernunft zu bringen: Was er einer schwangeren, aidskranken Frau ohne Einkommen sagen würde, die seine Medikamente braucht, um überleben zu können, fragte ein Abgeordneter Shkreli. Der antwortete, wie er bei dem Termin meistens antwortete: "Auf Anraten meiner Anwälte berufe ich mich auf mein Recht zu schweigen und werde nicht antworten."

Tatsächlich ist das sein gutes Recht. Sein Anwalt Benjamin Brafman, der bereits zahlreiche Prominente und Mafia-Größen vertreten hat, wird wissen, warum er seinen Mandanten lieber nichts sagen lässt.

Trotzdem schaffte es Shkreli erneut, die Wut auf ihn anzuheizen: Während die Abgeordneten tragische Szenarien leidender Familien entwarfen, saß Shkreli ihnen lässig gegenüber und grinste so breit, dass einem der Abgeordneten schließlich der Kragen platzte: "Das ist hier kein Spaß, Herr Shkreli. Menschen sterben gerade", fuhr er Shkreli an.

Der sieht das aber offenbar ganz anders.

ade
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