Sinkende Investitionen Maschinenbauer bekommen deutlich weniger Aufträge

Handelsstreit und drohender Brexit belasten die deutschen Maschinenbauer. Die Geschäftslage der Branche hat sich weiter verschlechtert - und auch im Inland gibt es weniger Aufträge.
Mitarbeiter bei der Heidelberger Druckmaschinen AG

Mitarbeiter bei der Heidelberger Druckmaschinen AG

Foto: Uwe Anspach/dpa

Die Geschäfte der deutschen Maschinenbauer sind im ersten Halbjahr deutlich zurückgegangen. Von Januar bis Juni seien neun Prozent weniger Bestellungen bei der exportorientierten Industriebranche eingegangen als im Vorjahreszeitraum, teilte der Maschinenbauverband VDMA mit.

"Dieser Rückgang geht auf die schwächere Weltkonjunktur, die zahlreichen meist politisch motivierten Verwerfungen und den tiefgreifenden Strukturwandel in der Automobilindustrie zurück", sagte VDMA-Konjunkturexperte Olaf Wortmann. Sowohl im Inland als auch im Ausland hielten sich die Kunden mit Aufträgen zurück.

Internationale Handelsstreitigkeiten, die Unwägbarkeiten des Brexits und politische Konflikte wie mit Iran sorgen zudem für Unsicherheit. Der Handelsstreit zwischen den USA und China eskaliert derweil weiter. Nur wenige Tage nach der Ankündigung neuer Strafzölle durch US-Präsident Donald Trump konterte China mit einer Abwertung seiner Währung.

Sechster Rückgang in Folge

Konjunkturexperte Wortmann sprach von einem enttäuschenden ersten Halbjahr: "Unsicherheit ist Gift für das Investitionsklima", sagte er. Zugleich bekommen die Maschinenbauer den tiefgreifenden Wandel ihres größten Kunden, der Autoindustrie, wegen des Umstiegs auf Elektromobilität zu spüren.

Zwar sind die Produktionskapazitäten der Maschinenbauer noch vergleichsweise gut ausgelastet. Der Auslastungsgrad liegt dem VDMA zufolge leicht über dem langjährigen Durchschnitt. Allerdings gaben 27 Prozent der Unternehmen zuletzt an, sie könnten mehr produzieren, wenn sie mehr Aufträge hätten.

Im Juni sank der Auftragseingang, bereinigt um Preiserhöhungen (real), um fünf Prozent. Es war der sechste Rückgang in Folge seit Jahresbeginn. Eine Trendwende scheint nicht in Sicht. Die Maschinenbauer hatten mit dieser Entwicklung bereits vor Monaten gerechnet. Denn eine Abkühlung der Konjunktur bekommt ihre Branche traditionell früh zu spüren - die Unternehmen investieren weniger.

Der VDMA hatte jüngst seine Prognose für 2019 gekappt. Die Branche rechnet nun mit einem realen Produktionsrückgang von zwei Prozent. Im vergangenen Jahr hatte der Maschinenbau mit deutlich mehr als einer Million Beschäftigten noch ein Plus von gut zwei Prozent erzielt.

apr/dpa