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21. Oktober 2009, 14:49 Uhr

Massenentlassung

Bundesagentur richtet eigene Außenstelle für Quelle ein

Das Aus von Quelle löst bei der Bundesagentur für Arbeit Alarmstimmung aus. Eine Task Force mit bis zu 100 Mitarbeitern soll jetzt eine Außenstelle auf dem Betriebsgelände des Versandhändlers einrichten - es geht darum, dem Ansturm von rund 4000 Menschen standzuhalten.

Nürnberg - Mit einer beispiellosen Kraftanstrengung will die Bundesagentur für Arbeit den Ansturm von Arbeitslosen bei Quelle bewältigen. Nach dem Aus für das insolvente Versandhaus rechne die Behörde damit, dass sich auf einen Schlag etwa 4000 Quelle- Beschäftigte zum 1. November arbeitslos melden müssten, sagte der Chef der bayerischen Regionaldirektion, Rainer Bomba, am Mittwoch in Nürnberg. Die genaue Zahl sei weiterhin nicht klar. Der Fall sei noch deutlich größer als in den vergangenen Jahrzehnten die Abwicklung von Grundig oder AEG.

Jetzt sollen bis zu 100 Arbeitsvermittler aus ganz Bayern nach Nürnberg geholt werden, die am kommenden Montag in einer eigens eingerichteten Außenstelle die Quelle-Beschäftigten "in ihrer angestammten Umgebung" betreuen sollen. "Sie sollen nicht in langen Schlangen beim Arbeitsamt stehen müssen", sagte Bomba.

"Die Rechnungen der Arbeitslosen kommen pünktlich, dann müssen auch die Lohnersatzleistungen pünktlich gezahlt werden", sagte der Behördenchef. Er versuchte zugleich, den Betroffenen Mut zu machen, und äußerte die Hoffnung, dass ein Teil relativ schnell in neue Jobs vermittelt werden könne. In der Region gebe es 10.000 offene Stellen. "Viele werden aber erst einmal in die Arbeitslosigkeit gehen", schränkte er ein. "Bei manchen wird der Weg sehr lang werden."

Druck von der Politik

Neben dem Versandhändler Quelle sind auch in vielen anderen bayerischen Unternehmen Tausende Arbeitsplätze in Gefahr. Gemessen am Volumen der Kurzarbeit gebe es derzeit in Bayern rechnerisch 84.000 Arbeitsplätze zu viel, sagte der Vizepräsident der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft, Bertram Brossardt, am Mittwoch in München. "Die Unternehmen versuchen derzeit alles, um möglichst viele Beschäftigte zu halten." Doch das sei ein Kraftakt und könne nicht auf Dauer so durchgehalten werden. "Kurzarbeit ist teuer." Auf dem Arbeitsmarkt in Bayern stehe der Tiefpunkt daher erst noch bevor.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) erwartet, dass nach dem endgültigen Aus des Versandhändlers Hilfen für die bisherigen Mitarbeiter geprüft werden. Vize-Regierungssprecher Thomas Steg sagte am Mittwoch in Berlin, die Kanzlerin mache dafür aber "keine Vorgaben". Ein Sprecher des Wirtschaftsministeriums betonte, es sei nun die "allererste Priorität" der Bundesregierung, sich um die Mitarbeiter zu kümmern, für die die Insolvenz die "bittersten Konsequenzen" habe. Ressortchef Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) werde sich "zu gegebener Zeit" selbst zu dem Thema äußern.

Auch Guttenberg selbst ließ erklären, dass sich nach dem Quelle-Aus die Arbeitsagentur um die Mitarbeiter kümmern müsse. "Es ist bedauerlich, dass sich das Ergebnis nicht mehr abwenden ließ", sagte Ministeriumssprecher Steffen Moritz. Rückwirkend müsse man aber sagen, dass die Regierung dem Unternehmen im Rahmen des Möglichen geholfen habe.

Krisenambulanz in der Klinik

Der Nürnberger Oberbürgermeister Ulrich Maly (SPD) kündigte an, dass das städtische Klinikum bei Quelle eine psychologische Krisenambulanz einrichten werde. "Ehepaare arbeiten gemeinsam bei Quelle, oft auch die erwachsenen Kinder", schilderte Maly die Lage. "Viele Familien sind existenziell bedroht." Auch mit örtlichen Wohnungsbauunternehmen sei man im Gespräch, um Härten abzufedern. Der Fürther Oberbürgermeister Thomas Jung (SPD) sprach von "beispiellosem Entsetzen" in der Region. Für die Menschen sei das Quelle-Aus eine Tragödie.

Unterdessen sieht sich Bayern im Hinblick auf die Zukunftschancen von Quelle von Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg getäuscht. Arbeitsministerin Christine Haderthauer (CSU) sagte in Nürnberg, der Politik sei ein Fortführungskonzept vorgestellt worden, das bis März 2010 hätte tragen sollen. "Dass dieses Konzept nicht einmal einen Monat getragen hat, das wirft Fragen auf." Die Verhandlungen mit Investoren seien nicht transparent gewesen. Haderthauer verlangte lückenlose Aufklärung. Quelle hatte dank des Konzepts von Bund, Bayern und Sachsen einen Massekredit von 50 Millionen Euro erhalten.

mik/dpa/Reuters/ddp

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