Massive Hygieneprobleme Chef von Müller-Brot gibt "grobe Fehler" zu

Die unappetitlichen Zustände in der Produktion haben dem Image von Müller-Brot immens geschadet. Für das Debakel hat nun der Chef der Großbäckerei die Verantwortung übernommen. Er gestand zahlreiche Fehler ein, für die Zukunft verspricht er jedoch die "sauberste Produktion der Umgebung".

Müller-Filiale in München: "Das Hygienemanagement ist falsch gelaufen"
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Müller-Filiale in München: "Das Hygienemanagement ist falsch gelaufen"


München - Die Auswirkungen der Hygieneprobleme bekam Müller-Brot zuletzt deutlich zu spüren: Der Umsatz brach ein, eine Fabrik wurde geschlossen und mit dem Discounter Lidl ging zumindest vorübergehend ein wichtiger Großkunde verloren. Nun hat Chef Klaus-Dieter Ostendorf "grobe Fehler" im Umgang mit den Lebensmittelkontrolleuren, den Kunden und der Öffentlichkeit eingeräumt. Für das Debakel der vergangenen anderthalb Wochen übernehme er persönlich Verantwortung, sagte der Mehrheitseigentümer der "Süddeutschen Zeitung" (Samstagausgabe). Das Vertrauen der Kunden wiederzugewinnen, "das wird ein verdammt steiniger Weg", sagte Ostendorf.

Sowohl das Hygienemanagement, als auch die Kommunikation mit Kunden, Mitarbeitern und Partnern sei falsch gelaufen. Momentan werde jede Maschine auseinandergebaut, in ihre Einzelteile zerlegt, gereinigt und wieder montiert. "Und mit Unterstützung der Behörden wird unsere Produktion wohl die sauberste in der Umgebung werden", sagte Ostendorf. Den Pächtern, die zwei Drittel der 240 Müller-Brot-Filialen führen, kündigte er einen Ausgleich für ihre Verluste an. Mit einem unabhängigen Expertenbeirat, Verbraucherinformationen und einem Tag der offenen Tür wolle er für Transparenz sorgen.

Doch während Ostendorf zu Kreuze kriecht, gab es am Freitag neue Negativschlagzeilen: Kontrolleure haben in der Großbäckerei auch in Zutaten Ungeziefer entdeckt. Eine Gesundheitsgefahr für Kunden habe aber nicht bestanden, teilte das Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit in Erlangen mit. Weder auf noch in den fertigen Backwaren seien bei Laboruntersuchungen "Schädlinge oder Mäusekot" festgestellt worden.

Seit Mitte 2009 hatten Kontrolleure die Brotfabrik 21 Mal besucht und dabei teils große Hygieneprobleme aufgedeckt. Dass die Öffentlichkeit darüber nicht informiert wurde, ärgert die Verbraucherschutzorganisation Foodwatch. Deren Vize-Geschäftsführer Matthias Wolfschmidt sagte, ahnungslose Verbraucher hätten Millionen Brötchen und Brotlaibe von Müller-Brot gegessen, "während bayerische Beamte wegen Mäusekot und Kakerlaken in der Großbäckerei ein- und ausgingen". Behörden müssten verpflichtet werden, Verbraucher über Gammelfleisch-Funde und Ekel-Lebensmittel zu informieren.

Nach jahrelangen Hygieneproblemen hatten die Aufsichtsbehörden die Müller-Brot-Fabrik in Neufahrn vor knapp zwei Wochen zwangsweise geschlossen. Die Großbäckerei aus Oberbayern hatte daraufhin zunächst erklärt, wegen eines Schwelbrandes könnten momentan nicht alle Waren ausgeliefert werden. Zeitungsberichten zufolge brachen wegen der Hygieneprobleme in den Bäckereifilialen die Umsätze um bis zu 75 Prozent ein.

aar/dpa/dapd



insgesamt 23 Beiträge
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janne2109 10.02.2012
1. ........
na prima..........., jede Bewegung von Wulff wird berichtet und die Hygieneproblem werden nicht öffentlich gemacht, auch hier nach dem Motto der Bürger frist schon den shit
saako 10.02.2012
2. Ganz normal.
Mäuse lieben Backstuben ^^
herr_kowalski 10.02.2012
3. Die Geiz-ist-geil-Mentalität ist zu Ende.
Zitat von sysopDPADie unappetitlichen Zustände in der Produktion haben dem Image von Müller-Brot immens geschadet. Für das Debakel hat nun der Chef der Großbäckerei die Verantwortung übernommen. Er gestand zahlreiche Fehler ein, für die Zukunft verspricht er jedoch die "sauberste Produktion der Umgebung". http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,814640,00.html
Wer seine Backwaren bei Lidl kauft ist selbst schuld. Auf irgendeines Knochen werden diese Preise gemacht. Scheint z.Teil auf denen der Kunden. Guten Appetit.
geotie 11.02.2012
4. yooh
*"sauberste Produktion der Umgebung"* Sehr schön und schwammig ausgedrückt. Wie groß soll die Umgebung sein? Diese Leute spielen mit unserer Gesundheit und lügen so lange bis es nicht mehr anders geht, danach erzählt man uns von der schönsten und saubersten Produktion die nie ein anderer als ein staatlicher Kontrolleur sehen darf und kann. Wenn dieses Brot eines Tages besser schmecken sollte als vom Bäcker (ich meine von einen richtigen Bäcker!) gebackenes, dann sollte man erst einmal untersuchen warum es so gut schmeckt. Mehr oder minderschwere Zusatzstoffe, kann man auch als Gifte bezeichnen, können die Produkte, nicht nur von dieser Firma, wunderbar schmecken lassen. *Mmmh lecker, aber leider nicht gesund!*
Hoffentlich_ausgeglichen 11.02.2012
5. Fehler
Zitat von sysopDPADie unappetitlichen Zustände in der Produktion haben dem Image von Müller-Brot immens geschadet. Für das Debakel hat nun der Chef der Großbäckerei die Verantwortung übernommen. Er gestand zahlreiche Fehler ein, für die Zukunft verspricht er jedoch die "sauberste Produktion der Umgebung". http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,814640,00.html
Fehler kann jeder machen, ja. Aber wenn ich mal zusammenfasse, was da gelaufen ist, dann beschleicht mich ein ungutes Gefühl: Vor knapp drei Jahren wurden Hygieneprobleme aufgedeckt. Im Schnitt kamen die Kontrolleure alle sechs Wochen wieder und fanden bezüglich der Hygiene teils erhebliche Mängel. Weder Öffentlichkeit noch Kunden wurden informiert. Das ist nicht schön, aber noch nachvollziehbar. Dass es dann über einen derart langen Zeitraum aber nicht besser wurde, dass sogar die Produktion geschlossen wurde, zeigt mir, was die Unternehmensleitung gemacht hat: nicht viel. Jetzt wurde das Ganze publik. Auf einmal sollen Aktionen kommen, die längst hätten umgesetzt werden können, ja müssen, wenn dieses Thema von Ostendorf ernst genommen worden wäre: Ein solch "unabhängiger Expertenbeirat" sind dann Leute, die von Müller-Brot bezahlt werden dürften, Beruhigungspillen sollen ähnliche Wirkung haben. Aus meiner Sicht hat ein solches Unternehmen jeglichen Kredit verspielt. Denen, die verdrängen werden, dass sie bereits Schädlinge und Mäusescheiße (pardon) dank Müller-Brot gegessen haben, und weiter tapfer bei den jetzt ja vorbildlichen Hygiene-Rittern einkaufen, wünsche ich weiterhin einen guten Appetit. Dschungelcamp live zu Hause - danke Müller-Brot.
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