Bericht der »Financial Times« Axel-Springer-Chef Döpfner soll »Bild«-Kampagne gegen Adidas initiiert haben

Als Adidas in der Coronakrise seine Ladenmieten nicht mehr zahlen wollte, berichtete »Bild« als Erste. Die Quelle für die Information war offenbar Verlagschef Mathias Döpfner – weil er selbst an Adidas vermietete.
Springer-Chef Mathias Döpfner: Interessenkonflikt öffentlich verschwiegen?

Springer-Chef Mathias Döpfner: Interessenkonflikt öffentlich verschwiegen?

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Jörg Carstensen / dpa

Axel-Springer-Chef Matthias Döpfner steht erneut in der Kritik: Wie die britische Wirtschaftszeitung »Financial Times« berichtet, soll der Verlagsboss eine Kampagne der verlagseigenen Boulevardzeitung »Bild« angestoßen und dabei einen Interessenkonflikt gegenüber der Öffentlichkeit verschwiegen haben.

Es geht dabei um den Beginn der Coronakrise im Frühjahr 2020: Wegen eines bundesweiten Shutdowns mussten viele Händler damals ihre Filialen vorübergehend schließen. Einige Unternehmen wollten deshalb auch ihre Mietzahlungen für die geschlossenen Läden aussetzen, darunter auch der Sportartikelhersteller Adidas. Die Entscheidung sorgte damals für einen landesweiten Aufschrei, was auch mit der Berichterstattung der »Bild«-Zeitung zu tun hatte. Das Boulevardblatt berichtete damals als Erster über den angekündigten Mietenstopp , veröffentlichte insgesamt mehr als 20 Artikel dazu und schrieb von der großen »Adidas-Blamage«. Auch der SPIEGEL berichtete kritisch über Adidas. Schlussendlich entschuldigte sich das Unternehmen öffentlich – und zahlte.

Nun zeigen Recherchen der Wirtschaftszeitung »Financial Times«: Mathias Döpfner, Vorstandsvorsitzender des Axel-Springer-Verlags, hatte in der Sache ein bisher unbekanntes Eigeninteresse. Döpfner war demnach gemeinsam mit zwei weiteren Partnern, darunter dem mittlerweile verstorbenen Anwalt Thomas Kexel Eigentümer eines Altbaus im Zentrum Berlins, in dem Adidas über zwei Etagen ein Geschäft angemietet hatte.

»Bild« verschwieg möglichen Interessenkonflikt

In der Berichterstattung des Boulevardblatts las man von diesem möglichen Interessenkonflikt nichts. Und das, obwohl Döpfner laut »Financial Times« nicht nur mutmaßlich Nutznießer, sondern auch Quelle der »Bild«-Artikel gewesen sei. Er habe sich sofort, als ihn Adidas über die Entscheidung informiert hatte, mit dem damaligen »Bild«-Chefredakteur Julian Reichelt in Verbindung gesetzt und einen öffentlichen Aufschrei vorgeschlagen, so die »FT«.

Die Berichterstattung tat ihre Wirkung, Adidas sah sich schon bald mit einer breiten Kritik aus Medien und Politik konfrontiert, Kunden riefen zum Boykott auf, der damalige SPD-Bundestagsabgeordnete Florian Post verbrannte sogar öffentlich ein Adidas-Trikot. Schließlich entschuldigte sich das Unternehmen in großflächigen Anzeigen für seinen »Fehler«.

Springer rechtfertigt Quelle

In einer Stellungnahme bestreitet Axel Springer, dass ein potenzieller Interessenkonflikt vorgelegen habe, allein die Vorstellung sei schon »absurd«. Döpfner habe die Informationen nur deshalb an »Bild« weitergegeben, weil er »sofort wusste, dass es sich um eine Angelegenheit von überragendem öffentlichen Interesse handelt«. Das sei die Aufgabe eines Verlegers – und aus heutiger Sicht würde er »genau das Gleiche« tun.

Der Verlag erklärte außerdem, Döpfner habe dem damaligen »Bild«-Chef Reichelt »selbstverständlich« sein persönliches Interesse offengelegt, es wäre aber nicht »angemessen« gewesen, ihn als Quelle zu nennen. Außerdem habe die Berichterstattung »nicht nur eine einzige Filiale in Berlin« betroffen, sondern möglicherweise Tausende Adidas-Läden weltweit. Döpfner habe »völlig im Einklang mit unseren Richtlinien« gehandelt, so Springer.

Im Verhaltenskodex des Verlags heißt es: »Jeder bei Axel Springer achtet darauf, persönliche und private Interessen von denen des Unternehmens zu trennen.« Interessenkonflikte solle man rechtzeitig offenlegen und das weitere Vorgehen mit Vorgesetzten oder der Compliance-Abteilung abstimmen.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version des Textes hieß es, Döpfner sei mit einem weiteren Partner Eigentümer des Altbaus gewesen. Tatsächlich waren es drei Partner. Wir haben die Stelle korrigiert.

rai/ts
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