Reichelt-Affäre Springer-Verlag findet Döpfners DDR-Vergleich überspitzt

Springer-Chef Döpfner hatte die Coronapolitik mit der DDR verglichen und weite Teile der Medien als »Propagandisten« beschimpft. Nun hat sich der Springer-Verlag dazu geäußert.
Regierungskritiker und Springer-Chef Mathias Döpfner

Regierungskritiker und Springer-Chef Mathias Döpfner

Foto: Malte Ossowski / Sven Simon / IMAGO

Nach der Entlassung von »Bild«-Chefredakteur Julian Reichelt steht sein Chef und langjähriger Förderer im Feuer, Springer-Chef Mathias Döpfner. Nun hat sich der Axel-Springer-Verlag zu dem umstrittenen DDR-Vergleich von Döpfner geäußert, der im Zuge der Reichelt-Affäre bekannt geworden war. Döpfner hatte laut Berichten erklärt, Reichelt sei »halt wirklich der letzte und einzige Journalist in Deutschland der noch mutig gegen den neuen DDR-Obrigkeitsstaat aufbegehrt. Fast alle anderen sind zu Propaganda-Assistenten geworden.«

Nach massiver Kritik teilte der Springer-Verlag nun mit, Konzernchef Döpfner halte die Bundesrepublik keineswegs für vergleichbar mit der DDR. »Das wäre komplett absurd und sollte für jeden offenkundig sein, der den publizistischen Äußerungen von Döpfner folgt.« Zudem gebe es in privaten Dialogen Mittel der Ironie und bewussten Übertreibung. Der Konzernchef und Großaktionär habe sich absichtlich sehr überspitzt geäußert.

Döpfners Äußerung stammt aus einer SMS an den Autoren Benjamin von Stuckrad-Barre. Sie war im Zuge des Falls Reichelt jüngst bekannt geworden und hatte nicht nur in der Medienwelt für Aufsehen gesorgt. Döpfner bezog sich dabei auf einen Kommentar, in dem Reichelt im Frühjahr die Corona-Einschränkungen der Bundesregierung scharf kritisiert hatte.

Döpfner ist Präsident der Zeitungsverleger

Die Kritik fällt auch deshalb heftig aus, weil Döpfner nicht nur dem Springer-Verlag vorsteht. Er ist seit 2016 auch Präsident des Bundesverbands Digitalpublisher und Zeitungsverleger (BDZV) und damit Cheflobbyist der Medien im politischen Berlin. Der Verband erklärte, Döpfner habe die Äußerungen als Springer-Chef in einem privaten Austausch gemacht. Deshalb werde der BDZV dies nicht kommentieren.

Der Springer-Verlag hatte Reichelt am Montag mit sofortiger Wirkung von seinen Aufgaben entbunden. Reichelt soll auch nach einer internen Untersuchung wegen Vorwürfen des Machtmissbrauchs im Frühjahr 2021 Privates und Berufliches nicht klar getrennt und eine Beziehung mit einer »Bild«-Journalistin gehabt haben sowie den Vorstand dazu belogen haben. Neuer Vorsitzender der dreiköpfigen »Bild«-Chefredaktion ist der bisherige Chefredakteur der »Welt am Sonntag«, Johannes Boie. Dieser stellte sich am Dienstag im Beisein von Döpfner der Redaktion vor. Einem Teilnehmer zufolge sagte Boie, es gehe nun darum, wieder mehr Schlagzeilen zu machen als Schlagzeile zu sein.

Ärger auf dem lukrativen US-Markt

Für Springer ist die Entwicklung besonders pikant, weil die »New York Times« einen umfassenden Bericht dazu veröffentlicht hat , in dem sowohl Springer, Döpfner als auch Reichelt nicht gut wegkommen. Springer sieht sich als Europas größter Digitalverlag und möchte auch weltweit die Nummer eins werden. Dafür nehmen die Berliner den US-Medienmarkt verstärkt in den Fokus. Springer hat vor Kurzem mit dem Kauf der US-Nachrichtenfirma Politico die größte Investition in seiner Firmengeschichte angekündigt. Insidern zufolge zahlt der Konzern mehr als eine Milliarde Dollar.

Mit dem Rückenwind des größten Aktionärs, dem US-Finanzinvestors KKR, will Springer weiter expandieren. Die Beteiligungsgesellschaft war 2019 bei den Berlinern eingestiegen und erwägt laut manager magazin separate Börsengänge der einzelnen Segmente, um in einigen Jahren wieder auszusteigen.

beb/Reuters