Springer-Chef Döpfner kündigt weitere Sparmaßnahmen bei »Bild« an

Springer treibt die Umstrukturierungen bei der »Bild«-Zeitung voran. Konzernchef Döpfner stellt harte Maßnahmen in Aussicht: »Das bedeutet auch Trennungen von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern.«
»Bild«-Logo an Kiosk: Für den Verleger ist es nur eine Frage der Zeit, bis es keine gedruckte »Bild«-Zeitung mehr gibt.

»Bild«-Logo an Kiosk: Für den Verleger ist es nur eine Frage der Zeit, bis es keine gedruckte »Bild«-Zeitung mehr gibt.

Foto: Christoph Soeder / dpa

Der Medienkonzern Axel Springer wird sich im Zuge der künftigen Struktur seiner deutschen Marken »Bild« und »Welt« auch von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern trennen. Der Vorstandsvorsitzende Mathias Döpfner sagte der Nachrichtenagentur dpa auf die Frage, ob es Entlassungen bei den beiden Marken geben werde: »Personalumschichtung auf jeden Fall. An der einen Stelle wird es weniger, an der anderen mehr. Das bedeutet auch Trennungen von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern.« Eine Größenordnung und den Zeitpunkt nannte er nicht.

Seit September wurden die Strukturen des deutschen Mediengeschäfts vor dem Hintergrund des beschleunigten Wandels in der Branche überprüft. Die Auflagen von gedruckten Zeitungen gehen seit Jahrzehnten zurück, das Digitalgeschäft gewinnt für den Konzern auch abseits von Journalismus an Bedeutung.

Döpfner sagte: »Wir müssen sicherstellen, dass jedes Geschäft für sich genommen wirtschaftlich gesund ist und bleibt.« Weltweit beschäftigt Springer nach eigenen Angaben 3400 Journalisten, davon einen immer größeren Teil in den USA. Im Konzern, der auch digitales Jobbörsen- und Immobiliengeschäft betreibt, arbeiten aktuell rund 18.000 Mitarbeiter.

Erst kürzlich fuhr der Konzern mit Sitz in Berlin das Programm des noch jungen Fernsehkanals »Bild«-TV wieder deutlich zurück. Döpfner sagte dazu nun: »Dieses hochambitionierte Nachrichtensenderkonzept war im Rückblick nicht die richtige Idee.« Er sei ein großer Befürworter ambitionierter Ideen. »Aber es braucht dann auch die nötige Selbstreflexion, um schnell den Kurs zu korrigieren, wenn sich eine Idee in eine falsche Richtung entwickelt.« Der TV-Kanal startete im August 2021, die Zuschauerquoten blieben hinter den Erwartungen zurück.

Während Springer vor allem auf Wachstum im USA-Geschäft setzt, will Döpfner zugleich an »Bild« als größter deutscher Boulevardmarke festhalten. Auf die Frage, ob es vorstellbar sei, sich von »Bild« zu trennen, antwortete der 60-Jährige: »Nein, das kann ich mir nicht vorstellen. ›Bild‹ ist Teil der DNA von Axel Springer.«

Perspektivisch will Springer ein Medienunternehmen ohne gedruckte Zeitungen werden. »Mein Ziel ist, die digitale Transformation zu vollenden und aus Axel Springer ein reines Digitalunternehmen zu machen«, sagte Döpfner, der den Konzern seit 2002 als Vorstandschef führt. Einen genauen Zeitpunkt nannte der 60-Jährige nicht. »Wann, weiß ich nicht. Aber es ist völlig klar, dass es eines Tages keine gedruckte ›Bild‹-Zeitung, keine gedruckte ›Welt‹ und überhaupt keine gedruckte Zeitung mehr im Hause Axel Springer geben wird. Außer vielleicht Sondereditionen.«

fdi/dpa
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