Media Markt in der Schweiz Aufregung um Schmuddel-Spot

Der Skandal war kalkuliert: In der Schweiz hat Media Markt nach Protesten einen Werbespot gestoppt, in dem der Sohn der Familie in vermeintlich eindeutiger Situation zu sehen ist. Nun schiebt die Elektrokette eine Auflösung hinterher.
Schweizer Media-Markt-Werbung: "Geht's noch?"

Schweizer Media-Markt-Werbung: "Geht's noch?"

Foto: Media Markt

Hamburg/Zürich - Auch für die Schweiz gilt: Media Markt ist nicht gerade für seine subtile Werbung bekannt. Lautet der Slogan der Elektromarktkette in Deutschland "Ich bin doch nicht blöd", erhob sie in der Schweiz den Spruch "Ich bin doch kein Löli!" zum Credo. "Löli" entspricht auf Schweizerdeutsch ziemlich exakt dem hochdeutschen "Trottel" und ist - haha - zugleich der Name der ebenso einfältigen wie schmuddeligen fiktiven Schweizer Familie der aktuellen Werbekampagne.

In einem der Spots ist in einer kurzen Sequenz Reto Löli zu sehen, der pubertierende Spross. Und zwar in einer scheinbar eindeutigen Situation: Im Bett, die Hände unter der Decke in Aktion, den Blick gebannt auf einen Bildschirm geheftet.

Dann folgt der Gegenschnitt: Bei dem Bildschirm handelt es sich um den Monitor eines Commodore 128D, 1985 auf den Markt gekommen und Nachfolger des legendären C64. Darauf zu sehen ein Porno in Pixel-Optik, die eher noch ein paar Jahre früher Stand der Technik war. Der Fall ist klar: So kann das nicht weitergehen, dem Jungen muss geholfen werden, am besten mit grafikstarker und internetfähiger Hardware, vorzugsweise natürlich von Media Markt.

Das fanden jedoch nicht alle Zuschauer lustig. Weil der Spot offenbar auch am frühen Abend lief, gingen Dutzende Beschwerden bei Media Markt ein, berichteten die Schweizer Gratiszeitung "20 Minuten" und der Mediendienst "Meedia" .  In der vergangenen Woche entschloss sich die Elektrokette, die Langfassung des Spots später auszustrahlen. Die bis dahin als Kurzspot gesendete Reto-Sequenz zog sie ganz zurück, auch von ihrer Webseite.

Weshalb Media Markt so reagierte, bleibt allerdings rätselhaft. Zumindest wenn man der für die Kampagne verantwortlichen Werbeagentur folgt. Diese veröffentlichte wenige Tage später auf der Webseite des Fachmagazins "Werbewoche"  einen neuen Reto-Spot. All die Aufregung war offensichtlich völlig unnötig:

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fdi
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