Medienkonzern Bertelsmann erwägt Verkauf von RTL-Anteilen

Rund zwei Milliarden Euro wäre das Aktienpaket wert: Bertelsmann will in neue Geschäftsfelder investieren - und erwägt daher den Verkauf von RTL-Anteilen. 75 Prozent der Anteile will der Konzern aber behalten.

Bertelsmann-Chef Thomas Rabe (Archiv): Zukünftig breiter aufstellen
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Bertelsmann-Chef Thomas Rabe (Archiv): Zukünftig breiter aufstellen


München - Bertelsmann will den Vorstoß in neue Geschäftsfelder mit dem Verkauf von RTL-Anteilen finanzieren. "Die mögliche Abgabe von RTL-Group-Aktien wäre ein Baustein zur Finanzierung der langfristigen Konzernstrategie", sagte Vorstandschef Thomas Rabe. Bertelsmann solle in den nächsten Jahren wachstumsstärker, digitaler und internationaler werden, hieß es. Rabe hat Bertelsmann Wachstum durch eine Expansion in Schwellenländer sowie den Ausbau des digitalen Geschäfts, des Bildungsangebots und des Musikrechtegeschäfts verordnet.

Der Konzern werde aber in jedem Fall eine Mehrheit von annähernd 75 Prozent an seinem wichtigsten Umsatzbringer behalten. "Wir glauben weiter fest an die Zukunft des Fernsehens und an die RTL Group", sagte Rabe. "Die RTL Group ist und bleibt ein sehr erfolgreiches Kerngeschäft von Bertelsmann und eine starke Säule unseres Portfolios." Derzeit hält der Familienkonzern aus Gütersloh 92,3 Prozent der Aktien an Europas größter TV-Gruppe, die an den Börsen in Luxemburg und Brüssel gehandelt werden.

Ein Paket von rund 17 Prozent der RTL-Anteile ist an der Börse derzeit fast zwei Milliarden Euro wert. Auf der Suche nach Geld erwägt Rabe neben einem Anteilsverkauf auch, RTL selbst anzuzapfen. Die Fernsehtochter prüft nach eigenen Angaben die Möglichkeit einer Sonderdividende. Der Haupteigentümer würde hiervon besonders profitieren.

Angesichts der schleppenden Wirtschaftsentwicklung in Europa will sich Bertelsmann mit neuen Geschäftsfeldern breiter aufstellen. Zuletzt belasteten das schwierige Umfeld vor allem für das Druckgeschäft und im Direktkundenvertrieb sowie schwache Geschäfte im krisengeschüttelten Südeuropa den Konzern. Angesichts wegbrechender Werbeeinnahmen leiden besonders die Printmedien.

Der mehrheitlich zu Bertelsmann gehörende Verlag Gruner + Jahr hatte jüngst die Wirtschaftszeitung "Financial Times Deutschland" nach jahrelangen Verlusten eingestellt. Der Umsatz stieg im vergangenen Jahr um fünf Prozent auf 16 Milliarden Euro, wie Bertelsmann mitteilte. Organisch, also aus eigener Kraft, wuchsen die Erlöse lediglich um drei Prozent. Der Betriebsgewinn (operating EBIT) stagnierte mit 1,7 Milliarden Euro auf Vorjahresniveau.

lei/Reuters

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martha_rosentreter, 31.01.2013
1.
Auch beim erfolgsverwöhnten Bertelsmann-Konzern wachsen die Bäume nicht in den Himmel. Sind auch hier nun die Grenzen des permanenten Wachstums erreicht?
wimmer2 09.02.2013
2. Kahlschlag Bertelsmann erleben
Vorher machen Sie alles platt,was nicht linientreu und aufmüpfig ist.Egal,ob sie gute Arbeit machen oder immer noch so viel Gewinn machen,dass sich Führungsleute Tantiemen einstecken können. Siehe unter Facebook oder google." Kahlschlag Bertelsmann erleben"
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