Auswertung von Kreditversicherer Mehr Insolvenzen großer Unternehmen in Deutschland

Gerry Weber, Thomas Cook, Germania oder Senvion: Dieses Jahr sind hierzulande besonders viele große Unternehmen pleitegegangen. Laut einer Auswertung für die ersten neun Monate hat sich die Zahl fast verdoppelt.

Gerry Weber, Thomas Cook und Co.: 27 große Firmen sind in den ersten neun Monaten 2019 in Deutschland pleitegegangen
CLEMENS BILAN/EPA-EFE/REX

Gerry Weber, Thomas Cook und Co.: 27 große Firmen sind in den ersten neun Monaten 2019 in Deutschland pleitegegangen


In diesem Jahr haben besonders viele umsatzstarke Unternehmen Insolvenz angemeldet. Die Kreditversicherung Euler Hermes zählte in den ersten neun Monaten dieses Jahres 27 Insolvenzen von Firmen mit mehr als 50 Millionen Euro Jahresumsatz, gegenüber 19 Fällen im Vorjahreszeitraum. Das sei ein Anstieg um 42 Prozent.

Auch das vierte Quartal lasse mit der Insolvenz von Thomas Cook und dem Schutzschirmverfahren von Condor eine Fortsetzung des Trends erwarten, heißt es in der Auswertung. In den ersten acht Monaten verzeichneten bei Unternehmen aller Größen der Energie- und Bildungssektor sowie die Agrarwirtschaft der Studie zufolge die meisten Insolvenzen. Zu den großen Insolvenzen zählten

Euler Hermes warnt vor Dominoeffekten in den Lieferketten

"Das wirklich Dramatische an diesen großen Insolvenzen ist der Dominoeffekt auf viele Unternehmen in der gesamten Lieferkette", sagte Ron van het Hof, Chef von Euler Hermes in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Andere Unternehmen würden mitgerissen und könnten selbst in einer Pleite enden.

Als einen Grund für Insolvenzen nannte Van het Hof einen "massiven Strukturwandel" durch die digitale Transformation oder durch Nachhaltigkeitsrichtlinien. In der Autoindustrie, der Chemiebranche und dem Maschinenbau kämen eine schwache Nachfrage sowie "teilweise Profitabilitäts- und Liquiditätsprobleme" hinzu. Verbrauchernahe Branchen würden unter geringen Margen leiden.

Der durchschnittliche Umsatz der insolventen Großunternehmen liege 2019 bislang bei 339 Millionen Euro, das sind 81 Prozent mehr als der durchschnittliche Umsatz der im Vorjahr pleitegegangenen Konzerne. Insgesamt wird die Zahl aller Unternehmensinsolvenzen nach Einschätzung des Kreditversicherers aber nicht steigen, sondern gegenüber dem Vorjahr stabil bleiben.

kko/dpa

insgesamt 13 Beiträge
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Nonvaio01 29.11.2019
1. sehr gut
man kann es nur begruessen, hilft alles dem Klima, und in D muss ja eh keiner hungern, H4 ist ja super wie man hier in den foren immer lesen muss. Ausserdem finden die leute eh nen neuenn Job, muss man hier ja auf Spon in den Foren ja auch immer lesen das jeder einen Job haben kann, wenn er nur will.
rsbtaico 29.11.2019
2. Es ist ein weltumspannendes branchenübergreifendes Problem!
Jagt die BWLer (Menschen, die nicht in der Lage sind, etwas Nützliches mit ihrem Leben anzufangen) aus den Betrieben und ersetzt deren Dummheit und Gier durch Fachkompetenz. Besinnt euch auf die hanseatischen Kaufmannstugenden! Es würde der Welt ein großes Stück besser gehen.
Duennbein 29.11.2019
3. Viel zu pauschal
"Als einen Grund für Insolvenzen nannte Van het Hof einen "massiven Strukturwandel" durch die digitale Transformation oder durch Nachhaltigkeitsrichtlinien." Ich habe es an anderer Stelle schon einmal geschrieben und es wird hier durch Wiederholungen nicht wahrer (Steigerungsform von wahr?) Die Insolvenz der Firma Eisenmann ist nicht durch die, auch, nachlassende Konjunktur im Automobil Bereich, bedingt. Ursächlich sind da ganz andere Themen gewesen!
rgsf 29.11.2019
4. Management
Der Strukturwandel ist nunmal oft die normale Umgebung eines Unternehmens (zB Gerry Weber vs Amazon und Zalando). Deswegen muss das Management vorausschauend und entschlossen handeln um die Zukunft zu sichern. Das klappt ja meistens auch (siehe Audi Job-Abbau über die nächsten 10 Jahre). Und fairerweise sei hinzugefügt: manche Aufgaben sind auch schwer lösbar, wenn zB der Mutterkonzern Insolvenz anmeldet (zB Thomas Cook, Opel hatte mal das gleiche Problem). Klar, der Welthandel war diese Jahr gedämpft durch USA vs China, das bringt zumindest kurzfristige Probleme bei extrem exportorientierten dt. Firmen, zB Maschinenbau. Aber auch hier gibt es Insolvenzen nur wenn es eh schon Probleme im Unternehmen gab. Einen wirklichen Downward-Trend wie zB in einer richtigen Wirtschaftskrise sehe ich (zum Glück) nicht.
flaffi 29.11.2019
5. Nur die Spitze
Und wäre nicht die Nullzinspolitik der EZB, dann gingen ganz schnell europaweit noch mehr Pleite.
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