EU-Deal mit Südamerika Bauernverband sieht Familienbetriebe durch Freihandelsabkommen bedroht

"Völlig unausgewogen": Der Deutsche Bauernverband fürchtet mit dem neuen Freihandelsabkommen mit Südamerika einen verzerrten Wettbewerb. Die Betriebe in der EU seien wegen der hohen Standards benachteiligt.

Rinderherde in Argentinien
AFP/DANIEL GARCIA

Rinderherde in Argentinien


Insbesondere Rindfleisch- und Geflügelzüchter und Zuckerbauern könnten betroffen sein: Am Entschluss der EU mit dem südamerikanischen Staatenbund Mercosur die größte Freihandelszone der Welt aufzubauen, hat der Deutsche Bauernverband scharfe Kritik geäußert.

"Es ist nicht zu akzeptieren, dass die EU-Kommission diese völlig unausgewogene Vereinbarung unterzeichnet", sagte Bauernpräsident Joachim Rukwied. Er forderte die Staats- und Regierungschefs und das Europäische Parlament auf, die europäischen Standards für Landwirtschaft und Lebensmittel zu schützen. "Die Landwirtschaft darf nicht zugunsten der Automobilindustrie geopfert werden."

Ungleiche Anforderungen bei Umwelt- und Klimaschutz, beim Antibiotikaeinsatz und beim Pflanzenschutz sowie die fehlende ausreichende Absicherung des europäischen Marktes würden zu einer dramatischen Wettbewerbsverzerrung führen. Das Abkommen gefährde die Zukunft "vieler bäuerlicher Familienbetriebe, die unter den hohen europäischen Standards wirtschaften".

Import von Menschenrechtsverletzungen?

Die politischen Verhandlungen zwischen der EU und den Mercosur-Ländern Argentinien, Brasilien, Paraguay und Uruguay waren am Freitagabend abgeschlossen worden. Sie liefen mit Unterbrechungen bereits seit dem Jahr 2000. Über das Abkommen sollen Zölle und andere Handelshemmnisse abgebaut werden, um den Warenaustausch zu stärken und Unternehmen Kosteneinsparungen in Milliardenhöhe zu bringen.

Durch das Abkommen würden aber auch die Nachhaltigkeitsziele der Bundesregierung aber konterkariert, kritisierte der Bauernpräsident. Er forderte die Staats- und Regierungschefs - auf, auf ein ausgewogenes Ergebnis hinzuwirken.

Ablehnung kam auch von der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft. Sie lehne "dieses unqualifizierte Freihandelsabkommen" ab. "Wir importieren aus diesen Ländern künftig nicht nur Rindfleisch, sondern die mit der stark industriellen Produktion verbundenen Klimaschäden und menschenunwürdigen Produktionsbedingungen", sagte die Handelsreferentin des Verbands, Berit Thomsen.

Joachim Rukwied
Jan Woitas/dpa-Zentralbild/dpa

Joachim Rukwied

In Brasilien würden "Werte wie Menschenrechte mit Füßen getreten", sagte Thomsen. Durch den Freihandel könnte es zum "Import von Menschenrechtsverletzungen" kommen. Die Importe aus den Mercosur-Staaten würden "zu Marktstörungen in Europa führen, denn wir haben bereits einen vollen Rindfleischmarkt". Erzeugerpreise auf den Bauernhöfen würden gedrückt. Der Verband forderte eine Handelspolitik, die bäuerliche Arbeit, Tierwohl, Klimaschutz und Artenvielfalt stärkte.

Der Staatenbund Mercosur ist mit einer Bevölkerung von mehr als 260 Millionen Menschen einer der großen Wirtschaftsräume der Welt. Die EU kommt sogar auf mehr als 512 Millionen Einwohner.

apr/AFP/dpa



insgesamt 69 Beiträge
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shodanpc 29.06.2019
1. Wettbewerbsverzerrung. .soso...
...gingen nicht 1/3 des EU Haushaltes als Subventionen an die Landwirtschaft, wovon zumeist auch nur die Großbetriebe (viel Land) profitieren? Aber das läuft wohl als Wettbewerbsausgleich.
andrehe 29.06.2019
2. Nachhaltigkeit kein Thema?
Noch immer können die Marktliberalen ohne Kontrolle Abkommen vereinbaren, die nicht nachhaltig sind. Warum wurde das noch nicht geändert? Waren Freihandelsabkommen kein Thema auf den Klimakonkerenzen und den Konferenzen zur Erhaltung der Artenvielfalt? Wenn man ein Ziel erreichen will, dann muss man doch alle ins Boot holen. Jedes Freihandelsabkommen sollte von allen Umweltministern der beteiligten Ländern abgezeichnet werden müssen.
pennywise 29.06.2019
3. ach ja
Der kleine Bauer. Typisch fürDeutschland. Opa, Papa und Sohn. 10 Kühe, 6 Schweine und nen Dutzend Hühner. Bodenständig... Wie im Heimatfilm Für wie doof wird der Verbraucher gehalten?
Ottokar 29.06.2019
4. Was soll die Aufregung
durch die Importe aus Südamerika wird unsere Umwelt geschont. Es gibt auch bessere Steaks von den Fleischrindern als von unseren ausgelutschten Kühen.
Circular 29.06.2019
5. Der bauernverband will nur mehr Subventionen
Es geht nur um den Kampf an den Fleischtöpfen der Subventionen.
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