Nervöse Anleger Meta erleidet den größten Verlust der US-Börsengeschichte

Der Börsencrash von Meta bricht offenbar alle Rekorde: Laut der Nachrichtenagentur Bloomberg dürfte die Facebook-Mutter das größte Tagesminus einfahren, das je ein Unternehmen am US-Aktienmarkt hinnehmen musste.

234 Milliarden Dollar Börsenwert, verpufft in wenigen Minuten: Mit diesem traurigen Rekord hat Mark Zuckerbergs Meta-Konzern offenbar Börsengeschichte geschrieben. Nach Daten der Nachrichtenagentur Bloomberg  wäre es der höchste Verlust an Marktkapitalisierung, den ein US-Wert je binnen eines Tages erlitten hat, sollte er bis Handelsschluss in dieser Größenordnung bleiben.

Auslöser für den Kurssturz waren der erste Rückgang bei der Zahl täglich aktiver Facebook-Nutzer und die Enttäuschung der Anleger über die Umsatzprognose für das laufende Quartal. Ein weiterer Faktor dürfte die ohnehin nervöse Stimmung der Anleger sein. Nach dem Rückgang um 24,8 Prozent auf knapp 243 Dollar war Meta im frühen US-Handel noch rund 676 Milliarden Dollar wert.

Die Zahl täglich aktiver Mitglieder sank binnen drei Monaten um rund eine Million. Konzernchef Mark Zuckerberg verwies auf Konkurrenz durch die Video-App TikTok, dessen hochkantige Kurzvideos bei jungen Nutzerinnen und Nutzern sehr beliebt sind.

Facebook entwickelte daraufhin den hauseigenen TikTok-Konter Reels. Der Fokus auf dieses Produkt werde aber zunächst die Erlöse drücken, räumte Zuckerberg ein. Denn Reels-Anzeigen seien weniger lukrativ als etwa der Platz im Newsfeed der Nutzer. Dennoch sei das auf lange Sicht der richtige Schritt für die Plattform.

»Nur« drei Prozent Wachstum ist den Anlegern zu wenig

Facebook hatte in der Pandemie die Anleger mit üppigen Wachstumsraten verwöhnt. Auch daher schlug die Prognose von 27 Milliarden bis 29 Milliarden Dollar Umsatz im laufenden Quartal besonders hart ein. Denn sie bedeutet, dass die Erlöse im Jahresvergleich vielleicht nur um drei Prozent wachsen werden.

Meta verwies zur Begründung auch einmal mehr auf Apples Maßnahmen für mehr Privatsphäre auf dem iPhone, die das Facebook-Geschäft schon seit Monaten bremsen. Man rechne damit, dass dies den Konzernumsatz in diesem Jahr um 10 Milliarden Dollar drücken werde, sagte Finanzchef Dave Wehner.

App-Anbieter wie Facebook müssen iPhone-Nutzer seit dem vergangenen Jahr fragen, ob sie zu Werbezwecken ihr Verhalten quer über verschiedene Dienste und Websites nachverfolgen dürfen. Sehr viele iPhone-Kunden lehnen dies ab.

Dadurch kann Facebook schlechter die Anzeigen auf einzelne Nutzer zuschneiden. Das zentrale Geschäftsmodell des Konzerns ist aber, Anzeigen exakt den von Werbekunden gewünschten Zielgruppen zu zeigen. Mit dem Nein der iPhone-Nutzer zum Tracking wurde es für den Konzern schwieriger, sowohl Informationen über Interessen der Nutzer zu sammeln als auch den Erfolg der Werbekampagnen zu messen.

Teures Metaversum

Meta veröffentlichte erstmals auch ausführlichere Zahlen zu seinem Geschäft mit virtueller Realität. Daraus soll mit der Zeit die digitale Welt Metaverse entstehen, in der Zuckerberg die ferne Zukunft des Konzerns sieht. Im vergangenen Quartal legte der Umsatz der Sparte »Reality Labs« im Jahresvergleich von 717 Millionen auf 837 Millionen Dollar zu.

Zugleich stieg auch der operative Verlust von rund 2,1 Milliarden auf 3,3 Milliarden Dollar. Im gesamten vergangenen Jahr häufte die Sparte rote Zahlen von mehr als zehn Milliarden Dollar an, unter anderem für Forschung und Entwicklung. Und Finanzchef Wehner stellte in Aussicht, dass die Ausgaben in diesem Jahr weiter steigen werden.

Der Konzernumsatz wuchs unterdessen im vergangenen Quartal im Jahresvergleich um ein Fünftel auf knapp 33,7 Milliarden Dollar. Unterm Strich sank der Gewinn um acht Prozent auf knapp 10,3 Milliarden Dollar.

ssu/dpa-AFX
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