Empfehlung an Aktionäre Metro stemmt sich gegen Übernahme durch Investor

Der tschechische Milliardär Daniel Kretinsky will den deutschen Handelskonzern Metro übernehmen und hat den Aktionären ein Angebot vorgelegt. Doch das Management rät ab - und verspricht einiges.

Hat sich entschieden: Der Metro-Konzern stellt sich gegen das Übernahmeangebot
Rolf Vennenbernd / DPA

Hat sich entschieden: Der Metro-Konzern stellt sich gegen das Übernahmeangebot


Der Handelskonzern Metro wehrt sich mit einer Empfehlung an seine Aktionäre gegen eine Übernahmeofferte des tschechischen Milliardärs Daniel Kretinsky. Der von Kretinskys Holding EPGC gebotene Preis sei nicht angemessen, teilte das Unternehmen mit. Der Investor bietet in seiner insgesamt rund 5,8 Milliarden Euro schweren Offerte 16 Euro pro Stammaktie.

Metro-Chef Olaf Koch sagte in einer Telefonkonferenz, dass sich Vorstand und Aufsichtsrat mit allen möglichen Bewertungsmethoden beschäftigt hätten. Man sei zu dem Schluss gekommen, dass 16 Euro nicht den fundamentalen Wert der Metro AG widerspiegelten. Auf Fragen, wie ein verbessertes Angebot aussehen könnte, ging Koch nicht ein.

Sorgen macht Koch auch die geplante Finanzierung der Übernahme. Dem Angebotsprospekt zufolge sollen dazu vor allem Kredite aufgenommen werden, die in solchen Fällen am Ende häufig dem Konzern aufgebürdet werden. Das Management befürchtet deshalb, dass der Konzern nach einer Übernahme mit hohen Schulden belastet werden könnte. Es stelle sich die Frage: "Dient das Unternehmen nur noch dazu, Zinsen zu zahlen und Schulden abzubauen?", sagte Koch.

Metro: "In der Lage, auf Marktumfeld zu reagieren"

Zwar sei man "gegenüber Änderungen im Aktionärskreis aufgeschlossen", sagte Koch. Unabhängig davon sei Metro jedoch aus Sicht von Vorstand und Aufsichtsrat "bereits heute in der Lage, auf das sich dynamisch entwickelnde Marktumfeld zu reagieren".

Er verwies auf den zurückliegenden groß angelegten Umbau bei Metro. Der Warenhaus-Konzern Kaufhof wurde verkauft, die Elektromärkte Media Markt und Saturn abgespalten. Aktuell will Koch die Supermarktkette Real an den Immobilienkonzern Redos verkaufen und setzt darauf, dass das Geschäft im September unterschriftsreif ist. Allein dieser Deal solle 500 Millionen Euro in die Kasse bringen.

Koch will Metro auf den reinen Großhandel konzentrieren und mit Beratungsangeboten und digitalen Dienstleistungen für Gastronomen und kleinere Händler wie Kioskbesitzer neue Geschäftsfelder erschließen. Der Vorstandschef verspricht dadurch gute Wachstumsperspektiven. Im dritten Quartal verzeichnete Metro ein deutliches Umsatzwachstum.

Aufsichtsrat und Vorstand einig bei Übernahme-Ablehnung

Der Metro-Aufsichtsrat hat laut Koch geschlossen für die nun veröffentlichte gemeinsame Stellungnahme mit dem Vorstand gestimmt, wobei sich der Vertreter der Duisburger Familienholding Franz Haniel & Cie GmbH enthalten hat.

Haniel hatte sich zuvor bereits hinter Kretinskys Übernahmeangebot für Metro gestellt. Die Großaktionäre Beisheim Holding und die Meridian Stiftung, die insgesamt über 20 Prozent der Anteilsscheine halten, haben sich bislang nicht öffentlich zu dem Angebot geäußert. Beide sind mit Aufsichtsräten im Metro-Kontrollgremium vertreten.

Metro begrüßte in seiner Stellungnahme jedoch die grundsätzliche Unterstützung des derzeit laufenden Umbauprogramms durch Kretinskys Holding EPGC und stehe "einem konstruktiven Dialog weiterhin offen gegenüber."

kko/mmq/dpa/Reuters



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