Sicherheit in Fabriken Metro und Ernsting's treten Bangladesch-Abkommen bei

Kehrtwende bei Metro: Der deutsche Handelsriese wird dem internationalen Abkommen für mehr Sicherheit in den Fabriken Bangladeschs nun doch beitreten. Ernsting's hat bereits unterschrieben - und sein Versprechen damit zügig eingelöst.

Näherinnen in vorbildlicher Fabrik in Bangladesch: Verpflichtung zweier weiterer Firmen
REUTERS

Näherinnen in vorbildlicher Fabrik in Bangladesch: Verpflichtung zweier weiterer Firmen


Hamburg/Düsseldorf/Coesfeld-Lette - Große Teile der internationalen Textilbranche haben sich zu mehr Sicherheit in den Textilfabriken Bangladeschs verpflichtet - nun treten zwei weitere deutsche Unternehmen dem entsprechenden Abkommen bei: der Handelskonzern Metro und das auf Familienmode spezialisierte Unternehmen Ernsting's family.

Während Ernsting's family seine Unterschrift bereits in Aussicht gestellt hatte, ist die Entscheidung von Metro eine Überraschung. Eigentlich hatte sich der Konzern bereits gegen einen Beitritt zu dem maßgeblich von der Nichtregierungsorganisation Clean Clothes Campaign (CCC) - zu deutsch: Kampagne für Saubere Kleidung - vorangetriebenen Abkommen entschieden.

Nur 42 der insgesamt 1200 Fabriken in Asien, die für den Konzern produzieren, lägen in Bangladesch, teilte Metro in der vergangenen Woche auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE zur Begründung mit. Zudem wolle man sich darauf konzentrieren, die bereits bestehenden Aktivitäten zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen zu verbessern.

Nun will Metro Chart zeigen das Abkommen doch unterstützen. Der Konzern wolle zudem seine eigenen Erfahrungen einbringen und das Abkommen so aktiv mitgestalten, teilte das Unternehmen mit. Man habe bereits die notwendigen Mittel für einen Beitritt reserviert. Einen konkreten Betrag nannte Metro nicht. Informierten Personen aus der Textilbranche zufolge dürfte der Beitrag des Konzerns pro Jahr bei etwa 100.000 bis 500.000 Euro liegen.

"Zahlreiche offene Punkte geklärt"

Wie Metro verpflichtet sich nun auch Ernsting's family mindestens für die kommenden fünf Jahre zu dem Abkommen, das einen Multistakeholder-Ansatz verfolgt. Unter anderem örtliche und internationale Gewerkschaften, die internationalen Arbeitsorganisation (ILO) der Uno, die deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) und die Textilunternehmen selbst arbeiten darin zusammen.

Ernsting's hatte den Beitritt bereits in der vergangenen Woche angekündigt. Das Unternehmen habe auch schon bislang an allen Treffen zum Abkommen teilgenommen, allerdings seien noch wichtige organisatorische und finanzielle Fragen offen. "Mittlerweile konnten zahlreiche der bisher offenen Punkte geklärt werden", teilte Ernsting's nun mit. Daher habe man das Abkommen bereits jetzt unterzeichnet - auch, um bei der weiteren Ausgestaltung Mitsprache zu haben.

Vor allem der verheerende Einsturz eines Fabrikdachs in der Nähe der Hauptstadt Dhaka am 24. April hatte den Druck auf die Textilbranche erhöht, dem Abkommen beizutreten. Bei dem Unglück waren rund 1100 Menschen ums Leben gekommen, weitere 2500 wurden verletzt. Zuvor hatten sich lediglich der deutsche Tchibo-Konzern und die US-Firma PVH verpflichtet - danach schlossen sich die meisten der internationalen Textilriesen dem Vertrag an - darunter H&M, C&A, Aldi, Lidl, Kik, Otto, die Zara-Mutter Inditex Chart zeigen oder Esprit.

fdi

insgesamt 6 Beiträge
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gandhiforever 23.05.2013
1. Jetzt auf einmal!
Hat man zuerst durchrechnen muessen, um dann festzustellen, dass der ausbeuterische Unternehmergeist sich zu Ungunsten von Mstro auswirken koennte?
fleischwurstfachvorleger 24.05.2013
2. Es wird nicht das Paradies in Bangladesh werden
Zitat von sysopREUTERSKehrtwende bei Metro: Der deutsche Handelsriese wird dem internationalen Abkommen für mehr Sicherheit in den Fabriken Bangladeschs nun doch beitreten. Ernsting's hat bereits unterschrieben - und sein Versprechen damit zügig eingelöst. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/metro-und-ernsting-s-treten-bangladesch-abkommen-bei-a-901586.html
.....aber der Anfang ist gemacht. Für mich ein Paradebeispiel wie Presse und öffentlicher Druck von Verbrauchern doch etwas bewirken. Selbst wenn es riesige Konzerne mit Milliardenumsatz sind.
cafecreme 24.05.2013
3. Kleine Schritte
aber immerhin bewegt sich etwas in Richtung Menschenrechte ...
C-A-M 24.05.2013
4.
Endlich! Wurde ja auch zeit die Gebäude sicherer zu machen. Und wann kommt ein Abkommen zwecks bezahlung? Wenn 1000 ArbeiterInnen an einem Tag verhungern und die Medien davon wind bekommen? -.-
bartholomew_simpson 24.05.2013
5. Soooviel teurer
werden Produkte, die unter menschenwürdigeren Bedingungen produziert werden, auch nicht werden. Der Profit mancher Zwischenhändler wird sich vielleicht etwas reduzieren.
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