Deal mit Finanzinvestor Metro verkauft Supermarkttochter Real

Zahlreiche Märkte sollen schließen: Der Handelskonzern Metro trennt sich von Real. Der Supermarktkette droht nach dem Verkauf an den Finanzinvestor die Zerschlagung.
Real-Markt in Köln (Archivbild)

Real-Markt in Köln (Archivbild)

Foto:

Oliver Berg/ dpa

Der Handelskonzern Metro hat den Verkauf seiner angeschlagenen Supermarktkette Real besiegelt. Der Finanzinvestor SCP habe sich mit der Metro AG auf eine hundertprozentige Übernahme geeinigt, heißt es in einer gemeinsamen Mitteilung  beider Unternehmen. Demnach soll ein Großteil der Real-Standorte "langfristig weiterbetrieben werden, entweder unter der Marke Real oder durch andere Einzelhändler".

Der Vertrag steht noch unter dem Vorbehalt der Genehmigung des Aufsichtsgremiums der russischen Sistema PJSFC, die die Finanzierung der Übernahme sicherstellt. Sistema teilte in Moskau mit , dass man dafür bis zu 263 Millionen Euro zur Verfügung stelle. Metro spricht von einem erwarteten Netto-Mittelzufluss in Höhe von 0,3 Milliarden Euro. Das sind rund 200 Millionen Euro weniger, als noch vor einigen Monaten erhofft.

Lesen Sie hier: Dieser Oligarch will die Real-Märkte kaufen

Mit dem Vertrag steht die Supermarktkette mit 276 Real-Märkten, 34.000 Beschäftigten, 80 Immobilien und dem Onlineshop real.de vor der Zerschlagung. SCP kündigte an, dass der Großteil der heutigen Real-Märkte an andere Einzelhändler verkauft oder aufgeteilt werden soll. Ein Kern von etwa 50 Real-Märkten werde für 24 Monate unter der Marke Real weitergeführt. Bisher geht SCP der Mitteilung zufolge davon aus, dass etwa 30 Standorte geschlossen werden.

Kartellbehörden müssen noch zustimmen

Der Betriebsrat hatte im Januar vor Massenentlassungen durch einen Verkauf gewarnt, es drohe der Verlust von 10.000 Jobs. Real beschäftigt mehr als 30.000 Mitarbeiter. Metro teilte mit, Ziel sei es, dass die Mehrheit der Mitarbeiter weiter beschäftigt werden könne. Und: "Mitarbeiter, deren Arbeitsverhältnis aus betrieblichen Gründen nicht fortgesetzt werden kann, erhalten eine festgelegte Abfindung."

Real hatte im Geschäftsjahr 2018/2019 große Verluste geschrieben, auch wegen veränderter Einkaufsgewohnheiten in Deutschland. Immer öfter ließen die Kunden die Hypermärkte links liegen und kauften lieber in Supermärkten und bei Discountern in ihren Wohnvierteln.

Die Metro hatte bereits 2018 angekündigt, die Supermarktkette abgeben zu wollen, um sich ganz auf das Großhandelsgeschäft mit Gastronomen und kleinen Händlern konzentrieren zu können. Doch erwies sich der Verkaufsprozess als deutlich schwieriger als erwartet. Mit großen Hoffnungen begonnene, exklusive Verhandlungen mit dem Immobilieninvestor Redos scheiterten. Erst im zweiten Anlauf gelang nun eine Einigung. Die Kartellbehörden müssen der Transaktion jedoch noch zustimmen.

Die Verkaufsbemühungen wurden nicht zuletzt durch die hohe Konzentration im deutschen Lebensmittelhandel erschwert. Edeka, Rewe, Aldi und die Schwarz-Gruppe mit ihrem Discounter Lidl dominieren den deutschen Markt schon heute so sehr, dass der geplante Weiterverkauf zahlreicher Real-Märkte an die "großen Vier" bei den Wettbewerbshütern mit Sorge gesehen wird.

apr/dpa
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.