Satya Nadella Microsoft-Chef blamiert sich mit Gehaltstipp für Frauen

Was rät Microsoft-Chef Nadella Frauen, wenn es ums Geld geht? Sie sollten nicht nach einer Gehaltserhöhung fragen - sondern ans System und ihr gutes Karma glauben. Nach heftigen Reaktionen nimmt der Manager die Aussage zurück.

Microsoft-Chef Nadella: Vom "guten Karma" profitieren
AP/dpa

Microsoft-Chef Nadella: Vom "guten Karma" profitieren

Von


New York/Hamburg - Wie soll man bloß auf Satya Nadellas Aussage reagieren? Der Microsoft-Chef hat am Donnerstag auf einer Konferenz gesagt, Frauen bräuchten sich nicht um höhere Gehälter zu bemühen. Nadella war in einem Podiumsinterview gefragt worden, welchen Rat er für Frauen habe, die sich nicht trauten, in ihrer Firma mehr Geld zu verlangen. "Es geht nicht darum, nach einer Erhöhung zu fragen, aber zu wissen und daran zu glauben, dass das System einem die richtige Gehaltserhöhung geben wird", sagte Nadella. Frauen, die nicht nach mehr Geld verlangten, würden von "gutem Karma" profitieren.

Wo soll man anfangen, wenn ein Mann, der inklusive Boni ein zweistelliges Millionengehalt verdient, so etwas sagt? In einer Diskussionsrunde wohlgemerkt, die überwiegend von Frauen besucht war. In einem Land, in dem eine weibliche Angestellte für jeden Dollar, den ein männlicher Kollege verdient, im Schnitt nur 77 Cent bekommt. Ausgerechnet ein Mann, der aus einer Branche kommt, die händeringend nach mehr weiblichem Personal sucht, rät Frauen also, auf das "gute Karma" zu vertrauen. Auch bei Microsoft Chart zeigen liegt der Anteil von Frauen eigenen Angaben zufolge bei nur 29 Prozent.

Ob die männlich dominierte Tech-Branche durch solche Aussagen ihrer Spitzenmanager attraktiver wird? Wohl kaum.

Frauen, bleibt still - so lässt sich Nadellas Aussage interpretieren

Die heutige Facebook-Managerin und frühere Google-Vize Sheryl Sandberg (unnötig zu erwähnen, dass sie eine Ausnahmeerscheinung in der Internetindustrie ist) hat in ihrem viel beachteten Buch "Lean In" über die Rolle von Frauen in Konzernen unter anderem geschrieben: "Wir üben uns in Zurückhaltung, weil es uns an Selbstvertrauen fehlt, wir reißen nicht die Hände hoch und melden uns, wenn es Posten zu verteilen gibt, wir ziehen uns zurück, anstatt uns reinzuhängen." Sie schrieb diese Zeilen, um Frauen Mut zu machen, sie dazu zu bewegen, mehr zu fordern, statt aufzugeben.

Satya Nadellas Botschaft klingt dagegen in etwa so: Frauen, bleibt still und gelassen, irgendwann werdet ihr schon entdeckt und euer wahres Können wird erkannt. Hoffentlich kein Rat, den Nadella seinen Töchtern mitgibt.

Dass der indisch-stämmige Manager sich mit seiner - vermutlich unbedachten - Aussage keinen Gefallen getan hat, war in der Nacht vor allem in englischsprachigen Medien und beim Kurznachrichtendienst Twitter nachzulesen. Die Reaktionen waren ungläubig bis wütend.

Immerhin reagierte Nadella rasch auf Twitter. Er entschuldigte sich - und forderte die Branche auf, die Gehaltslücke zwischen Männern und Frauen rasch zu schließen.

Für die Darstellung wird Javascript benötigt.

"Ich habe die Frage völlig falsch beantwortet", schrieb Nadella auch in einer von Microsoft veröffentlichten E-Mail an die Mitarbeiter. "Wenn Sie denken, Sie verdienen eine Gehaltserhöhung, sollten Sie einfach danach fragen."

Einige Twitter-Nutzer erkannten die Ehrlichkeit Nadellas an. Er schwurble nicht unnötig herum, schrieb eine Nutzerin, sondern entschuldige sich deutlich. Eine andere Nutzerin nahm es mit Humor:

Für die Darstellung wird Javascript benötigt.

Im schlimmsten Fall hat es Nadella geschafft, Frauen - zumindest die bei Microsoft - unnötig einzuschüchtern und den Status quo bei der Gehaltslücke zu zementieren.

Im günstigen Fall kommt wieder neue Bewegung in die Debatte. Den Geist, den Nadella in seinem Konzern mit seiner Entschuldigung und Aufforderung geweckt hat, wird er dann nicht mehr los.

Mit Material der Agentur dpa



insgesamt 51 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
andere Hobbys 10.10.2014
1. Guter Mann... :-)
Da kam wohl zu sehr der Inder durch.
kloppskalli 10.10.2014
2. kommetar nr 3 ist eigentlich nichts hinzuzufuegen
trotzdem, das zeigt leider welch geistes kind er ist und in erschreckender weise bestaetigt das den eindruck den man so auch seinem heimatland bekommt: Frauen sind dreck..
micromiller 10.10.2014
3. Das Problem mit den
Quotenfrauen mit Doppelnamen haben wir auch, nur sind unsere im Durchschnitt beweglicher, weil l ichter.
Here Fido 10.10.2014
4. Karma
Karma. Wer mit so einem Unsinn argumentiert ist intellektuell am Ende.
furrkenbrecht 10.10.2014
5. Emanzipation und Indien
Es wundert mich jetzt auch nicht sonderlich, das ein Mann der in Indien sozialisiert wurde. In einem Land wo weibliche Föten standardmäßig abgetrieben, wo weibliche Babies ermordet werden, wo junge Frauen durch Gruppen testosteronverseuchter Idioten konsequenzlos vergewaltigt werden können, wo du als Frau nur ein zusätzlicher Fresser bist. Es wundert mich nicht, das man mit solch einer Sozialisierung zu solchen Aussagen kommt.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.