Software-Konzern Satya Nadella ist neuer Chef von Microsoft

Microsoft hat einen neuen Mann an der Spitze: Satya Nadella übernimmt die Führung des Windows-Herstellers. Er war zuvor für das Firmenkunden- und Cloud-Geschäft zuständig. In der 38-jährigen Konzerngeschichte ist Nadella erst der dritte Chef.
Satya Nadella: Nachfolger von Steve Ballmer gefunden

Satya Nadella: Nachfolger von Steve Ballmer gefunden

Foto: REUTERS/Microsoft

Redmond - Nach einem halben Jahr intensiver Suche hat der Software-Konzern Microsoft in den eigenen Reihen einen neuen Chef gefunden: Satya Nadella übernimmt die Führung des Windows-Herstellers, wiedas Unternehmen am Dienstag mitteilte . Nadella hatte sich bisher um das Firmenkunden- und Cloud-Geschäft gekümmert, er ist seit 1992 bei Microsoft.

Nadella ist in der 38-jährigen Firmengeschichte erst der dritte Microsoft-Chef. Gründer Bill Gates wird den Angaben zufolge den Vorsitz des Verwaltungsrats abgeben. Er werde dem Gremium künftig als "Technologie-Berater" angehören, teilte Microsoft   mit. In dieser Rolle werde Gates wieder mehr Zeit bei dem Unternehmen verbringen und Nadella bei der Entwicklung neuer Produkte unterstützen. Gates war zuletzt vor allem in seiner wohltätigen Stiftung aktiv. Den Posten des Verwaltungsratschefs übernimmt John Thompson, der die Suche nach einem neuen Microsoft-Lenker leitete.

Die Aktien reagierten mit Kursschwankungen auf die Ernennung Nadellas: Zu Handelsbeginn zogen sie zunächst um knapp zwei Prozent an, rutschen dann aber leicht ins Minus und legten zuletzt wieder um 0,16 Prozent auf 36,54 US-Dollar zu.

Ein "Techie" an der Spitze

Nadella wurde 1967 in der indischen Großstadt Hyderabad geboren, als seine Hobbys gibt er auf der Microsoft-Website Cricket und Poesie an. Er ist seit 22 Jahren verheiratet und hat drei Kinder.

Bevor er zu Microsoft wechselte, war der Elektroingenieur beim Silicon-Valley-Urgestein Sun Microsystems beschäftigt, das heute zu Oracle   gehört. Er galt schon vor der offiziellen Verkündung am Dienstag als Nachfolger von Steve Ballmer. Der hatte im August erklärt, sich nach 13 Jahren an der Spitze innerhalb von zwölf Monaten zurückziehen zu wollen. Seitdem waren unter anderem Ford-Chef Alan Mulally und Ericsson-Chef Hans Vestberg als mögliche Kandidaten gehandelt worden. Sie bleiben jedoch bei ihren Unternehmen.

Während Ballmer für seine lauten und extrovertierten Auftritte bekannt ist, wird Nadella als Mann der leisen Töne beschrieben. Er gelte als beliebter "Techie" und teamfähiger Manager, der etwas von der Technologie hinter dem Business verstehe, schreibt die "Financial Times". Viele Firmen würden versuchen, die Welt zu verändern, schriebNadella in einer E-Mail an die Microsoft-Mitarbeiter . "Aber nur wenige haben, was es dafür braucht: Talent, Ressourcen, Ausdauer. Microsoft hat bewiesen, dass es alles drei reichlich hat."

Tatsächlich steht der Konzern vor großen Herausforderungen: Das PC-Geschäft, in dem das Unternehmen mit seinem Windows-Betriebssystem eine zentrale Rolle spielt, schrumpft. Im Internet-Geschäft konnte der Konzern trotz großer Anstrengungen bisher nicht mit Google mithalten. Auch Smartphones und Tablets mit Microsoft-Software haben bisher geringe Marktanteile.

"Microsoft muss sich jeden Tag neu erfinden"

Was tatsächlich technologisch in zehn Jahren möglich sei, wisse heute niemand, sagte Nadella zuletzt in Paris auf der Konferenz LeWeb. Er glaube, dass Daten und der vernünftige Umgang mit ihnen die Zukunft prägen werden. Microsoft müsse sich jeden Tag neu erfinden. "Es würde uns nach 30 Jahren nicht mehr geben, wenn wir nicht in der Lage wären, neue Technologie-Wellen zu reiten."

Microsoft hatte im vergangenen Jahr einen massiven Konzernumbau angekündigt, um die Geräte- und Software-Sparte besser zu verzahnen. "In dieser Zeit der Transformation gibt es keine bessere Person als Satya Nadella, um Microsoft zu führen", sagte Gates.

aar/dpa/Reuters