Milliardenschweres Sparprogramm Microsoft will 10.000 Stellen streichen

Weiterer Jobabbau in der Techbranche: Der amerikanische Softwarekonzern Microsoft erwartet offenbar magere Jahre – und will sich von Tausenden Mitarbeitern trennen. Gleichzeitig will der Konzern auf Wachstumsfelder wie KI setzen.
Microsoft-Hauptquartier in Redmond

Microsoft-Hauptquartier in Redmond

Foto: STEPHEN BRASHEAR/ AFP

Die Mail hat es in sich: »Wir leben in Zeiten grundsätzlichen Wandels« schreibt Microsoft-Chef Satya Nadella in einer Nachricht an seine Belegschaft , in der er die schwierigen Marktbedingungen beklagt – bevor er im dritten Absatz auf den Punkt kommt: »Wir nehmen heute Veränderungen vor, die zu einem Abbau von 10.000 Arbeitsplätzen (...) führen werden«.

Die ersten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Softwarekonzerns werden demnach bereits heute darüber informiert, dass sie ihren Job verlieren. »Wir wissen, dass dies eine schwierige Zeit für alle Betroffenen ist«, so Nadella.

Der Konzern begründet die Einsparungen mit der veränderten Nachfrage. Die Kunden wollten »ihre digitalen Ausgaben optimieren, um mit weniger mehr zu erreichen« und »Vorsicht walten lassen, da sich einige Teile der Welt in einer Rezession befinden und andere Teile eine solche erwarten«, so Nadella.

Microsoft müsse mit einer Anpassung der Kosten reagieren. Von den Jobkürzungen seien weniger als fünf Prozent der globalen Belegschaft des Konzerns betroffen. In Schlüsselbereichen wolle man aber weiter neues Personal einstellen. Erst kürzlich hatte der Konzern angekündigt, dass er die Software der Firma OpenAI in seine Clouddienste einbinden möchte. Kunden sollen dadurch Zugänge zu der KI-Software erhalten, die seit Wochen für Furore sorgt. Laut Medienberichten soll Microsoft bereit sein, für den Deal zehn Milliarden Dollar zu investieren.

Für die Jobkürzungen und andere Maßnahmen fallen im zweiten Geschäftsquartal Aufwendungen von 1,2 Milliarden US-Dollar an, wie es weiter hieß. Die Microsoft-Aktien starteten mit moderaten Gewinnen in den Mittwochshandel.

Amazon, Meta, Twitter, Snapchat: Reigen der Kündigungen

Der von Bill Gates mitgegründete Konzern, der weltweit mehr als 220.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigt, hatte bereits im vergangenen Jahr in zwei Runden eine Reihe von Beschäftigten entlassen. Microsoft ist bei diesem Vorgehen nicht allein: Der Onlineriese Amazon hatte Anfang Januar die Streichung von mehr als 18.000 Jobs angekündigt, der Facebook- und Instagram-Mutterkonzern Meta im November die Entlassung von 11.000 Angestellten.

Auch die Onlineplattform Snapchat und das IT-Unternehmen Salesforce wollen mit Stellenkürzungen Kosten einsparen. Und beim Kurzbotschaftendienst Twitter hat der neue Besitzer Elon Musk rund die Hälfte der 7500 Mitarbeiter entlassen.

Die Technologiekonzerne sind durch die schlechte wirtschaftliche Lage zunehmend unter Druck geraten, Kosten einzusparen, unter anderem wegen wegfallender Werbeeinnahmen. »Viele dieser Unternehmen haben Geld ausgegeben wie Rockstars in den Achtzigerjahren«, erklärte der Analyst Dan Ives. Sie müssten jetzt angesichts eines schlechteren wirtschaftlichen Umfelds ihre Ausgaben unter Kontrolle bekommen.

mic/dpa/AFP

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