Streit über Migrantenkinder Microsoft stellt sich gegen Trump

US-Konzerne gehen im "Dreamer"-Streit auf Konfrontationskurs zum Weißen Haus. Microsoft verspricht allen betroffenen Mitarbeitern juristischen Beistand, um Abschiebungen zu verhindern.

Microsoft-Präsident Brad Smith
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Microsoft-Präsident Brad Smith


In den USA rührt sich Protest, nachdem Donald Trumps Regierung das Ende des Schutzprogramms für Einwandererkinder ohne Ausweispapiere - die sogenannten Dreamers - beschlossen hat. Selbst in der amerikanischen Geschäftswelt rumort es. Der Softwarehersteller Microsoft Chart zeigen stellt sich öffentlich gegen die US-Regierung. Firmen-Präsident Brad Smith kündigte an, den 39 betroffenen Mitarbeitern seines Unternehmens juristisch zur Seite zu stehen.

"Wenn die Regierung versucht, einen von ihnen abzuschieben, werden wir ihnen einen Rechtsbeistand zur Verfügung stellen und dafür bezahlen." Microsoft sei "tief enttäuscht" über die Entscheidung der Regierung, sagte Smith. "Die Dreamers sind ein Teil unserer Nation. Sie gehören hierher."

Das von Trumps Amtsvorgänger Barack Obama per Dekret erlassene DACA-Programm räumt den als Kindern illegaler Einwanderer ins Land Gekommenen eine Arbeitserlaubnis ein und schützt sie so vor der Abschiebung. Justizminister Jeff Sessions nannte Obamas Vorgehen nun jedoch verfassungswidrig. Der Kongress soll bis zum Frühjahr 2018 eine Lösung finden.

Apple-Chef Tim Cook kündigte in einer E-Mail an seine Belegschaft an, Gespräche mit Kongressabgeordneten aufzunehmen, um eine Lösung für die Betroffenen zu finden. "Wir appellieren dringend an unsere Führer in Washington, die Dreamers zu schützen, sodass ihre Zukunft nie wieder in dieser Art und Weise aufs Spiel gesetzt werden kann", schrieb Cook.

Ex-Präsident Obama übt Kritik

Facebook -Gründer Mark Zuckerberg sprach von einem "traurigen Tag für unser Land". Google-Chef Sundar Pichai twitterte, die Dreamer seien "unsere Nachbarn, unsere Freunde und unsere Mitarbeiter". "Das ist ihr Zuhause. Der Kongress muss nun handeln."

Trumps Rückhalt in der US-Wirtschaft schrumpft schon länger. Nachdem Trump sich nicht richtig von rechter Gewalt und Neonazis distanzieren mochte, hatten zahlreiche Vorstandschefs ihren Rückzug aus Beratergremien des Weißen Hauses verkündet (mehr zum Thema: Wie Trump die US-Wirtschaft spaltet).

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US-Vorstände: Das sind die Trump-Gegner

In vielen US-Städten gingen Menschen gegen Trumps Initiative auf die Straße. Trumps Amtsvorgänger Barack Obama nannte die drohende Ausweisung "unmenschlich". Es gehe um Menschen, die in den USA ihr Leben aufgebaut haben.

Betroffen sind 750.000 bis 800.000 Menschen, die in den USA groß geworden und zur Schule gegangen sind, zumeist arbeiten und Steuern zahlen. "Diese jungen Leute ins Visier zu nehmen, ist falsch, weil sie sich nichts haben zuschulden kommen lassen", schrieb Obama auf Facebook. "Sie hinauszuwerfen, senkt unsere Arbeitslosenquote nicht, mindert nicht die Steuerlast von irgendwem und erhöht auch keine Arbeitslöhne." Justizminister Sessions hatte hingegen betont, Dreamers hätten Amerikanern die Arbeit weggenommen.

Zahlreiche Stars reihten sich in den Protest ein. Sängerin Cher rief via Twitter dazu auf, betroffene Kinder selbst zu beherbergen. "Die, die es können, müssen einen Dreamer bei sich aufnehmen!", twitterte die 71-Jährige. "Ich bin bereit, das zu tun und andere aus meiner Branche werden das Gleiche tun."

Videokommentar - Kinder haften für ihre Eltern:

SPIEGEL ONLINE

beb/dpa



insgesamt 29 Beiträge
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Ökofred 06.09.2017
1. Es geht nicht um Lohndumping..!
In Erwartung entsprechender Kommentare: Es geht nicht um Schwarzarbeit oder zu Niedrigstlöhnen angestellte Putzhilfen! Das sind ganz NORMALE Mitarbeiter.. quasi wie Sie und ich!
granhuevos 06.09.2017
2. Herkulesaufgabe
Die republikanische Regierung mit ihrer Marionette Trump wollen allen ernstes die Globalisierung der letzten 50 Jahre zurück drehen? Viel Spass dabei! Auf die Unterstützung von Großkonzernen dürfen sie dabei wohl nicht hoffen, denn die sägen wohl nicht an ihrem eigenen Ast. Herrlich, früher musste man teuer Theaterkarten kaufen, heute gibt es Politclowns aus EU und jetzt auch aus USA, die täglich für lau abliefern.
gandhiforever 06.09.2017
3. Trump liebt Dreamer
Trump liebt Dreamer, so behauptet er wenigstens, doch hat er den Ball an den Kongress gereicht, und da wird es interessant. Von den vollkommen asozialen Republikanern ist nicht zu erwarten, dass sie von einer Rueckschaffung abruecken. Die wenigen gemaessigten Uerberbleibsel werden sich hueten, mit den Demokraten gemeinsam eine zivilisiert/ humane Loesung zu finden. Am Ende landet die Chose wieder bei Trump. Und ob der dann seine Liebe zu den Dreamern offen legt oder ob er seiner rassistischen Bewegung treu bleibt, wird sich zeigen. Was auch immer, die Re[ublikaner koennen in Zukunft nur noch davon traeumen, von Latinos in grossem Mass gewaehlt zu werden.
tomkey 06.09.2017
4. Welcome resistance
Zynisch fand ich die Aussage des Trump-Justizministers, dass diese Dreamers den Bio-USamerikanern die Arbeitsplätze wegnehmen. Dann kan ja ab sofort Trumps Arbeitsminister damit anfangen, die Bio-USamerikanern diese Arbeitsplätze zuzuweisen. Das Silicon-Valley kann sich auf Kapuzenträger aus dem Süden freuen^^ Anscheinend weiß nicht mal der immer als ruhige und überlegende Teil der Trump-Meute, was ihr oberster Guru da losgetreten hat. Ich gehe davon aus, dass auch dieses Projekt aus Trumps Wahlkampf ein Rohrkrepierer wird.
murksdoc 06.09.2017
5. Empörungskultur
Bereits Obama hatte das DACA-Programm 2012 nur gestartet, weil der Kongress eine Gesetzgebung dazu blockiert hatte. Unter dem Druck der Überprüfung der Verfassungsmäßigkeit dieser administrativen Regelung hat Trump dem Kongress jetzt ein Ultimatum von 6 Monaten gestellt, das ganze endgültig und nach den Buchstaben der Verfassung zu regeln. Das ist seine Aufgabe und dazu ist er da. Die an die falsche Adresse gerichtete Empörung verbessert garnichts. Das ist nur heisse Luft.
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