Arcandor-Prozess Middelhoffs Verteidiger fordern Freispruch

Die Verteidiger von Thomas Middelhoff haben einen Freispruch für den ehemaligen Arcandor-Chef gefordert. Die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft gegen den Manager seien maßlos und polemisch, sagte sein Anwalt.

Ex-Arcandor-Chef Middelhoff: Verteidigung fordert Freispruch
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Ex-Arcandor-Chef Middelhoff: Verteidigung fordert Freispruch


Essen - Die Staatsanwaltschaft will den früheren Arcandor-Chef Thomas Middelhoff im Gefängnis sehen, seine Verteidigung plädiert auf Freispruch. Die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft seien "einseitig", "maßlos", teils sogar "gemein" und von "reiner Polemik" geprägt, sagte Middelhoffs Anwalt Udo Wackernagel in seinem Plädoyer vor dem Essener Landgericht. Der Manager müsse freigesprochen werden.

Der 61-Jährige Middelhoff habe sich, anders als von der Anklage behauptet, nicht der schweren Untreue schuldig gemacht. Die Staatsanwaltschaft habe über entlastende Argumente "den Mantel des Schweigens gehüllt". Die Anklage greife Middelhoff persönlich an, dies sei "unangemessen, unnötig und unwürdig".

Die Staatsanwaltschaft hat eine Freiheitsstrafe von drei Jahren und drei Monaten für den 61-Jährigen gefordert. Sie wirft Middelhoff vor, den inzwischen insolventen Handelskonzern Arcandor mit betriebsfremden Kosten für überwiegend private Charterflüge und eine Festschrift belastet zu haben. Den Gesamtschaden beziffert die Staatsanwaltschaft auf 1,1 Millionen Euro.

Middelhoffs Anwalt Wackernagel und sein Kollege Winfried Holtermüller zeichneten das Bild eines rund um die Uhr arbeitenden, von Termin zu Termin hetzenden Managers, der wegen der Dauerkrise des Unternehmens keine Minute Zeit ungenutzt verstreichen lassen konnte und durfte. "Die Optimierung der zur Verfügung stehenden Zeit" habe im Interesse Arcandors gelegen, für Middelhoff habe es nur "Schlafen und Arbeiten" gegeben, er habe gar nicht anderes gekonnt, als "rund um die Uhr zu arbeiten", sagten seine Anwälte. Für Arcandor sei es "lebensbedrohlich" gewesen, wenn Middelhoff nicht erreichbar war, wenn er etwa im Stau stand.

Mit einem Urteil wird im November gerechnet. Middelhoff hat die Vorwürfe stets zurückgewiesen.

mmq/dpa/Reuters

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