Altlasten der Deutschen Bank Jains Erbe

Windige Hypothekengeschäfte und mögliche Zinsmanipulationen: Die Sünden der Vergangenheit holen die Deutsche Bank ein. Das größte Geldhaus des Landes stellt sich auf milliardenschwere Strafzahlungen ein - der Großteil davon betrifft den früheren Geschäftsbereich des heutigen Co-Chefs Anshu Jain.

Bankchef Jain bei der Hauptversammlung im Mai: "Er hat die Dinge verantwortet"
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Bankchef Jain bei der Hauptversammlung im Mai: "Er hat die Dinge verantwortet"

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Hamburg - Anshu Jain versuchte sich in Schadensbegrenzung: "Wir arbeiten systematisch daran, unsere Versprechen zu erfüllen", sagte er am Dienstagmorgen in einer Telefonkonferenz für Aktienanalysten. Die Zahlen, die die Deutsche Bank eine Stunde zuvor vorgelegt hatte, gaben wenig Anlass zu solcher Zuversicht: Mit viel gutem Willen schaffte der Konzern im dritten Quartal noch einen Minigewinn von 51 Millionen Euro - 93 Prozent weniger als noch ein Jahr zuvor. Verglichen mit den ehrgeizigen Zielen, die Jain und sein Co-Chef Jürgen Fitschen vor einem Jahr ausgegeben haben, ist das ein Desaster.

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Hauptgrund für die aktuelle Schwäche ist ein Bereich, der die Deutsche Bank erst zu dem gemacht hat, was sie heute ist: das Investmentbanking. Ohne die Gewinne, die die Händler in London und New York jahrelang nach Frankfurt überwiesen, wäre die Deutsche Bank Chart zeigen wahrscheinlich immer noch die seriöse, aber im globalen Vergleich doch eher winzige Bank aus Hessen. Doch hätte sie auch nicht diese gigantischen Probleme aus der Vergangenheit.

Allein im dritten Quartal musste die Bank 1,2 Milliarden Euro für Rechtsstreitigkeiten zurücklegen - insgesamt hat sie dafür nun schon 4,1 Milliarden Euro fest eingeplant. Hinzu kommen weitere Risiken von 1,3 Milliarden Euro, für die der Konzern noch keine Vorsorge getroffen hat, weil die internen Experten die Eintrittswahrscheinlichkeit auf unter 50 Prozent schätzen.

Unabhängige Analysten glauben, dass all das noch nicht reicht. "Es ist stark zu vermuten, dass in den kommenden Monaten noch mehr auf die Bank zukommt", sagt Dieter Hein von Fairesearch. "Sie hat die Risiken aus dem Investmentbanking jahrelang unterschätzt und muss nun Quartal für Quartal neues Geld dafür zurücklegen."

Jain stellt Vergleich "in naher Zukunft" in Aussicht

Es sind vor allem die Sünden der Vergangenheit, die die Bank nun einholen: umstrittene Immobiliengeschäfte in den USA, die mögliche Verwicklung in den Skandal um manipulierte Zinsen und der Streit mit den Erben des Münchner Medienunternehmers Leo Kirch.

Vor allem die US-Behörden haben zuletzt die Gangart verschärft. Sie haben es auf die Verursacher der Finanzkrise abgesehen - also auf die Banken, die die umstrittenen Hypothekenpapiere aus Hauskrediten gebündelt und verkauft haben. Das US-Institut JP Morgan Chase muss allein 13 Milliarden Dollar zahlen, um die zivilrechtlichen Ermittlungen zu stoppen.

Bei der Deutschen Bank hat das Vorgehen der US-Ermittler offenbar Eindruck hinterlassen: Auch sie war am Verkauf der Hypothekenpapiere beteiligt. Der Großteil der neuen Rückstellungen fließt in diesen Bereich.

Richtig teuer dürfte auch die Aufarbeitung des Zinsskandals werden, in den die Bank verstrickt ist. Mehr als ein Dutzend Großbanken soll in die Manipulation wichtiger Referenzzinssätze wie dem Libor oder dem Euribor verwickelt sein. Weltweit ermitteln die Behörden. Die Institute Barclays Chart zeigen, Royal Bank of Scotland Chart zeigen und UBS Chart zeigen mussten bereits Strafen von zusammen gut 2,5 Milliarden Dollar zahlen. Bei der niederländischen Rabobank solle eine weitere Milliarde dazukommen. Und im Zwischenbericht der Deutschen Bank heißt es nun: "Die laufenden Untersuchungen könnten die Verhängung hoher Geldstrafen und andere Auswirkungen für die Bank nach sich ziehen."

Viele Investoren werden bereits unruhig. Sie fordern, dass auch die Deutsche Bank möglichst schnell Vergleichen zustimmen und die lästige Vergangenheit abhaken soll. Er könne verstehen, dass die Unsicherheit in Bezug auf Höhe und Zeitpunkt möglicher Zahlungen frustrierend sei, sagte Finanzchef Stefan Krause am Dienstag. "Aber wir arbeiten hart daran, diese Rechtsrisiken hinter uns zu bringen." Sein Chef Jain gab immerhin zu verstehen, dass es schon "in naher Zukunft" bei einigen Themen Vergleiche geben werde. Bei anderen wolle man weiter kämpfen.

"Das Geschäftsmodell funktioniert nicht mehr"

Doch nicht nur die Rechtsrisiken aus der Vergangenheit belasten das Ergebnis. Auch die aktuellen Geschäfte im Investmentbanking laufen - wie bei den meisten Instituten - eher mau. Gerade einmal 345 Millionen Euro Gewinn vor Steuern schaffte der Bereich im abgelaufenen Quartal - ein Jahr zuvor war es noch dreimal so viel. Hinzu kommen die satten Verluste aus der hauseigenen Bad Bank, wo all die Papiere und Geschäfte geparkt sind, die die Bank langfristig loswerden will - und wo auch der Großteil der Rechtsrisiken anfällt: Allein im dritten Quartal lief dort vor Steuern ein Minus von mehr als eine Milliarde Euro auf. "Eigentlich muss man auch das noch zum Investmentbanking dazuzählen", sagt Analyst Hein. "Dann zeigt sich, wie defizitär der Bereich tatsächlich ist. Das Geschäftsmodell funktioniert einfach nicht mehr."

Solche Aussagen zielen vor allem in Richtung von Anshu Jain. Der gebürtige Inder steckt bei der Aufarbeitung der Vergangenheit in einer besonderen Rolle: Einerseits haben er und Fitschen den Kunden, Aktionären und der Öffentlichkeit einen Kulturwandel versprochen. Andererseits war Jain als langjähriger Chef des Investmentbankings für den Großteil der Geschäfte verantwortlich, die heute so große Probleme machen.

Kritiker wie Hein fordern deshalb schon seine Demission: "Wenn man es mit dem Kulturwandel ernst meinte, müsste Jain gehen", sagt der Analyst. "Er hat die Dinge verantwortet. Alles andere ist nicht glaubwürdig."

Die Deutsche Bank scheint eine andere Lösung vorzuziehen: Sie stellt Jain einfach noch länger den Bewacher Fitschen zur Seite. Eigentlich hätte dessen Vertrag 2015 auslaufen sollen - Jain hätte den Konzern dann möglicherweise allein weiterführen können. Nun hat der Aufsichtsrat beschlossen, Fitschens Vertrag um zwei Jahre zu verlängern. Er läuft jetzt genauso lange wie der von Jain.

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Seite 1
freigeist1964 29.10.2013
1. In den USA
Zitat von sysopREUTERSWindige Hypothekengeschäfte und mögliche Zinsmanipulationen: Die Sünden der Vergangenheit holen die Deutsche Bank ein. Das größte Geldhaus des Landes stellt sich auf milliardenschwere Strafzahlungen ein - der Großteil davon betrifft den früheren Geschäftsbereich des heutigen Co-Chefs Anshu Jain. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/miese-quartalszahlen-der-deutschen-bank-das-erbe-des-ansu-jain-a-930635.html
müssen die Banken Milliardenstrafen zahlen und in Europa verschenkt man Milliarden an die Banken.... Wie krank ist das denn?
experiencedsailor 29.10.2013
2. Dann geht Jain eben,
fährt zu seinen Kumpel Ackermann in die Schweiz, beide schauen auf ihre Privatkonten und lachen sich angesichts der Guthaben tot über die doofen Deutschen, die bis heute das angelsächsische Hit and Run-Prinzip nicht verstanden haben. Es geht nicht um langfristige Strategien, es geht rein um die persönliche Bereicherung auf wessen Kosten auch immer - nicht umsonst waren die erfolgreichsten Piraten von der Queen legitimierte englische Freibeuter, nicht umsonst liegen die ehemaligen englischen Kolonien im Grunde genommen in Schutt und Asche. Das funktioniert auch heute noch - gegen knallharten angelsächsischen Geschäftssinn ist eben teutonische Handwerksnaivität nicht gewachsen. Das betrifft auch die DB in der heutigen Zeit.
idealist100 29.10.2013
3. Wo ist
Zitat von sysopREUTERSWindige Hypothekengeschäfte und mögliche Zinsmanipulationen: Die Sünden der Vergangenheit holen die Deutsche Bank ein. Das größte Geldhaus des Landes stellt sich auf milliardenschwere Strafzahlungen ein - der Großteil davon betrifft den früheren Geschäftsbereich des heutigen Co-Chefs Anshu Jain. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/miese-quartalszahlen-der-deutschen-bank-das-erbe-des-ansu-jain-a-930635.html
Wo ist die Bankenaufsicht die überprüft wieviel faule Papiere Ackermann der Commerz, IKB, Landesbanken angedreht hat. Ach so der darf bei Mutti geburtstag feiern
wurzelbär 29.10.2013
4. Was sind die Banken -
Im finanziellen erkennt man die > bedingungslose Gläubigkeit < des Menschen. Er nimmt es hin, wenn die Bank nach des Bürgers "Sicherheiten für einen Kredit" fragt. Warum fragt keiner die Bank, welche Sicherheiten hat diese, für das Geld welches sie bekommt? Wie viele haben schon ihr Geld an die Bank verloren ? Die Zinsen und Zinses Zinsen sind vorsätzlicher gesetzlich abgesicherter (weil Mittäter) Betrug am Volk. Denn wenn man 100 Euro bekommt, kann man keine 118 Euro zurückzahlen. Es sind nur 100 Euro vorhanden, die 18 Euro sind nichts, Luftgeld, mit der die Banken aber wie mit echtem Geld arbeiten. Nur der Fetzen Papier mit Zahlen darauf, das sind keine Sicherheiten. Wenn der Bürger sein persönliches Geld in Scheinen und Münzen nur sehen will, sind die Banken – alle – Pleite. Weil keine Bank über das Finanzvermögen verfügt, mit dem sie handelt. Deshalb gewinnt bei dem "Glaubensspiel" immer die Bank und der Mensch verliert. Fragt doch mal die Bank nach deren Sicherheit. Das ist in den Augen der Bänkster Blasphemie, solche Gedanken zu haben. Daran eben erkennt man, u. a. das die meisten Menschen nicht selbstständig denken!
Mellybo-at-SPON 29.10.2013
5. Aus USA Sicht......
Zitat von freigeist1964müssen die Banken Milliardenstrafen zahlen und in Europa verschenkt man Milliarden an die Banken.... Wie krank ist das denn?
.....ist das sehr gesund. Die NSA hat ja schon längst ermittelt dass die europäischen Stasten den europäischen Banken die Schulden abnehmen/lindern wird. Und nun wartet man in den USA natürlich bis diese Knete auch bei den Banken ist, um DANACH dann fettere Strafen zu kassieren. Also das wäre meine Theorie.
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