Mietenstopp wegen Coronavirus So verteidigen sich Deichmann, Adidas und H&M

Modehersteller und Handelsketten wehren sich nach ihrer Ankündigung eines vorläufigen Mietenstopps in der Coronakrise gegen Kritik. Sie sprechen von Stundung - und wollen sich um Einzelfälle bemühen.
Geschlossene Deichmann-Filiale in Dortmund: 1500 geschlossene Filialen allein in Deutschland

Geschlossene Deichmann-Filiale in Dortmund: 1500 geschlossene Filialen allein in Deutschland

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Bernd Thissen/ DPA

Dass große Modehersteller und Handelsketten wie H&M, Adidas und Deichmann in der Coronakrise ihre Mietzahlungen für Geschäfte in Innenstädten vorübergehend einstellen, hat für Empörung bis in die höchsten Kreise der Politik gesorgt. Bundesjustizministerin Christine Lambrecht sagte: "Wenn jetzt finanzstarke Unternehmen einfach ihre Mieten nicht mehr zahlen, ist dies unanständig und nicht akzeptabel." Gerichte, so die SPD-Politikerin, könnten den angekündigten Mietenstopp von H&M, Deichmann und Adidas womöglich rechtlich prüfen. Im Internet kursierten zudem Boykottaufrufe. Nun beschwichtigen die Unternehmen.

Deutschlands größter Schuhhändler Deichmann hält an seiner Entscheidung zwar grundsätzlich fest, schränkt aber ein: "Wir haben nie gesagt, dass wir keine Mieten mehr zahlen. Wir haben unsere Vermieter gebeten, unser Mieten zu stunden", sagte Konzernchef und Eigentümer Heinrich Deichmann der Nachrichtenagentur dpa. "Das uns jetzt unterstellt wird, wir würden uns in der Krise bereichern wollen, das trifft mich sehr hart. Das ist überhaupt nicht der Fall."

Der 57-Jährige ergänzte: "Falls ein Vermieter nicht in der Lage ist, eine Stundung wirtschaftlich zu verkraften, werden wir ihm helfen, und dann werden wir auch die Miete zahlen." Gleichzeitig ließ der Unternehmer allerdings auch keinen Zweifel daran, dass er angesichts der staatlich angeordneten Ladenschließungen Zugeständnisse der Vermieter erwartet. "Wir werden die Vermieter bitten, einen Teil der Mietschäden zu übernehmen", sagte er. Es geht um 1500 Filialen allein in Deutschland.

Adidas: Vermieter seien häufig Versicherungsfonds

Der Schuhhändler sei zwar grundsätzlich finanziell solide aufgestellt, sagte Deichmann. Doch auch für ihn sei die Coronavirus-Krise eine Herausforderung. "Wir sind in 30 Ländern tätig. In 28 Ländern sind unsere Geschäfte geschlossen und wir können überhaupt nicht absehen, wann diese Schließungen enden. Deshalb müssen wir versuchen, unsere Mitarbeiter und ihre Arbeitsplätze zu schützen." Ob Deichmann einen Antrag auf Staatshilfe stellen muss, hänge davon ab, wie lange die Krise anhalte. "Wenn wir am 20. April unsere Läden wieder öffnen können, wird das nicht notwendig sein. Aber wenn die Läden jetzt drei Monate geschlossen bleiben sollten, müssten wir auch darüber nachdenken."

Der Unternehmer befürchtet, dass das Geschäft selbst nach Wiedereröffnung der Läden eher verhalten anlaufen wird. "Wir haben das ja in China beobachtet, auch dort hat es eine Zeit gedauert, bis die Umsätze wieder das Vorkrisenniveau erreicht haben." Außerdem rechnet er mit einer Rabattschlacht. "Je länger die Schließung dauert, desto weniger passt die Ware noch zur Saison. Außerdem stapelt sich ja in den Lagern die unverkaufte Ware. Dann wird man sicher sehen, dass viel reduziert wird."

Adidas-Chef Kasper Rorsted hatte sich schon am Wochenende in einem Interview mit der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" um Schadensbegrenzung bemüht. Es gehe dem Unternehmen nicht darum, die Miete für den April nicht zu bezahlen, sondern lediglich um eine Stundung, sagte er. Gleichzeitig hob der Manager hervor, dass es sich bei den Vermietern nahezu ausschließlich um große Immobilienvermarkter und Versicherungsfonds handele, die für die Maßnahme überwiegend Verständnis gezeigt hätten. Nur vier der Vermieter seien Privatpersonen. Rorsted sagte: "Sie werden ihre April-Miete wie gewohnt erhalten. Wir sind uns unserer Verantwortung durchaus bewusst."

H&M: Individuelle Lösungen finden

Auch H&M teilte mit, es gehe erst mal nur um eine Aussetzung der Zahlungen, nicht darum, keine Miete zu zahlen. Der Geschäftsführer von H&M Deutschland, Thorsten Mindermann, sagte: "Unser oberstes Ziel ist es, mit all unseren Partnern, sowohl private als auch institutionelle Vermieter, jetzt schnell individuelle Lösungen für die Mieten zu finden."

Justizministerin Lambrecht hatte zuvor mahnende Worte an die Unternehmen gerichtet: "Mieter müssen selbstverständlich ihre Miete zahlen. Falls sie tatsächlich infolge der Krise in ernsthafte Zahlungsschwierigkeiten geraten, kann ihnen lediglich für einen begrenzten Zeitraum nicht gekündigt werden." Mieter seien gut beraten, mit ihren Vermietern nach einer einvernehmlichen Lösung zu suchen, wenn sie tatsächlich in Zahlungsschwierigkeiten seien.

Auch der Parfümeriekonzern Douglas will sich von seinen Immobilienpartnern in der aktuellen Krise Mieten stunden lassen. Aber eines sei "ganz klar", sagte Douglas-Chefin Tina Müller dem "Handelsblatt": "Wir werden so einen Aufschub nicht auf dem Rücken der kleinen Privatvermieter austragen. In unserem Fall sprechen wir über etliche institutionelle Anbieter. Wir sind ja allein in rund 200 Shoppingcentern vertreten. Jetzt ist Solidarität gefragt." Müller musste vor zwei Wochen fast alle 2400 Filialen wegen der Corona-Pandemie schließen.

Douglas: Gehaltsverzicht im Management

Viele Douglas-Partner seien "schon bereit, Zahlungen zu stunden". Es gehe jetzt um "Kooperationswillen. Immerhin machen wir zurzeit null Umsatz in den Filialen, während die Kosten weiterlaufen. Das können wir nur gemeinsam stemmen" - mit Belegschaft, Management, Vermietern und Lieferanten, mit denen sie ebenfalls im Gespräch sei. Auch sie und ihr Topmanagement würden einen Beitrag leisten: Man habe sich "zu einem teilweisen Gehaltsverzicht bereit erklären, im deutlich zweistelligen Prozentbereich, den rund zwei Dutzend Topführungskräfte leisten", sagte Müller.

apr/dpa