Landwirtschaft Existenznot von Milchbauern führt zu illegaler Tötung von Bullenkälbern

Der Preiskampf am Milchmarkt erzeugt unschöne Kollateralschäden: Jungbullen, deren Aufzucht nicht rentabel ist, werden vernachlässigt, bis sie sterben - oder gleich getötet.
Bullenkalb: Kaum mehr rentabel

Bullenkalb: Kaum mehr rentabel

Foto: Felix K‰stle/ picture alliance / dpa

Ähnlich wie männliche Eintagsküken, die geschreddert oder vergast werden, sind auch Bullenkälber von Milchkühen kaum mehr rentabel aufzuziehen und werden oft getötet – obwohl das nach dem Tierschutzgesetz strafbar ist. Grund ist nach einem Bericht des Nachrichten-Magazins DER SPIEGEL der Preis für Bullenkälber, der vergangenes Jahr auf unter 50 Euro pro Kalb gesunken war. (Lesen Sie hier die ganze Geschichte im neuen SPIEGEL.)

Tierschützer und Schlachter berichteten dem Magazin, dass Bullenkälber oftmals gleich nach der Geburt getötet werden oder wegen Vernachlässigung krank werden und sterben, weil sich die Bauern die zusätzlichen Kosten für die Aufzucht nicht leisten können. Durch den Wegfall der Milchquote zum 1. April 2015 ist der Milchpreis unter 30 Cent pro Liter gefallen. "Die Schwächlichen werden selektiert, manchmal noch lebendig auf den Misthaufen geschmissen oder sogar in Gruben verscharrt", sagt Melanie Vogelei von der Tierschutzorganisation White Paw.

Besonders in großen Betrieben mit Hunderten von Tieren sei der direkte Bezug zu den Rindern verloren gegangen. Albert Sundrum, Professor für Tiergesundheit an der Universität Kassel, sagte dem Magazin: "Viele Landwirte sehen sich nur bedingt in der Lage, Geld für die Gesunderhaltung in die teilweise unverkäuflichen Kälber zu stecken, weil sie selbst am Existenzminimum wirtschaften. Sie sind Opfer eines Systems, in dem der Wirtschaftlichkeit Vorrang vor der Tiergesundheit eingeräumt wird."