Milchpulver-Skandal Neuseeland fürchtet um Ruf als Bioproduzent

Im Skandal um verseuchte Babymilch aus Neuseeland wurden fast alle betroffenen Produkte sichergestellt. Doch die Diskussion um den Hersteller geht nun erst richtig los. Die Regierung kritisierte den Konzern Fonterra - und fürchtet einen Importstopp des bisherigen Großabnehmers China.

Fonterra-Lkw: Ein Viertel der Exporterlöse kommen aus der Milchbranche
REUTERS

Fonterra-Lkw: Ein Viertel der Exporterlöse kommen aus der Milchbranche


Wellington - Neuseeland fürchtet wegen des Lebensmittelskandals beim Molkereikonzern Fonterra um seinen Ruf als Exportland für Biomarken. Handelsminister Tim Groser sagte am Dienstag, es bestehe die Gefahr, dass China weitere Produkte sperren werde. "Bislang gab es nur begrenzte Auswirkungen. Aber das könnte sich ändern und die Sache weitere Kreise ziehen", warnte der Minister.

Der weltgrößte Molkereikonzern Fonterra hatte am Wochenende eingeräumt, dass in einigen seiner im vergangenen Jahr hergestellten Produkte ein Bakterium entdeckt worden sei, das die lebensgefährliche Krankheit Botulismus auslösen kann. Die mögliche Verunreinigung stammt aus einem Proteinkonzentrat und betrifft vor allem Milchpulver für Säuglinge.

China importiert 90 Prozent seines Milchpulvers aus Neuseeland. Sogar die Landeswährung, der Neuseeland-Dollar, geriet wegen des Skandals unter Druck.

Die unmittelbare Gefahr für die Verbraucher ist inzwischen offenbar gebannt. Fast alle möglicherweise kontaminierten Getränke und Nahrungsmittel seien sichergestellt worden, teilte Fonterra mit.

Das Bild vom sauberen Land bekommt Kratzer

Doch nun könnte das Image des Landes Schaden nehmen. Neuseeland wirbt weltweit mit dem Slogan "100 Prozent rein". Die Milchindustrie stellt ein Viertel der Ausfuhrerlöse Neuseelands. Insgesamt entfallen 60 Prozent der Exporte auf Land- und Forstwirtschaft sowie auf Tier- und Fischzucht. Fast ein Fünftel der Wirtschaftsleistung des östlichen Nachbarn Australiens entfällt auf diesen Sektor - einer der höchsten Raten unter allen Industriestaaten.

Doch das öffentlich vermittelte Bild vom sauberen Land hat zuletzt einige Kratzer bekommen. Laut einer Studie des Umweltministeriums weisen mehr als 60 Prozent der untersuchten Flüsse eine schlechte oder sogar sehr schlechte Wasserqualität auf. Dazu tragen auch die Farmer bei: Die Rinder werden ganzjährig auf Weiden gehalten, deren Dünger in den Flüssen landet.

Nach dem Skandal um verseuchtes Milchpulver ist die Nervosität deshalb besonders groß. Zumal auch der zu Danone gehörende Babynahrungshersteller Nutricia in Neuseeland ein zweites Babymilchpulver zurückgerufen hat. Das Ministerium für die Rohstoffindustrie startete eine Informationskampagne, um Eltern, Krankenhäuser und Kindertagesstätten zu warnen. Wer das betroffene Nutricia-Milchpulver im Regal habe, solle es vernichten oder zum Laden zurückbringen.

Die größte Molkerei Fonterra gerät indes wegen ihrer Informationspolitik immer stärker unter Druck. "Fonterra muss eine Reihe Fragen beantworten", sagte Premierminister John Key im Parlament.

Der Minister für wirtschaftliche Entwicklung, Stephen Joyce, sagte, er habe mehrere Mitarbeiter an Standorte des Unternehmens in Neuseeland und in Australien entsandt, die sicherstellen sollen, dass exakte Informationen fließen. Ein solches Eingreifen sei sicher ungewöhnlich, die Verbraucher weltweit müssten aber wieder Vertrauen fassen, sagte der Minister dem Sender Radio New Zealand.

Die von Fonterra gelieferten Informationen hätten sich als falsch herausgestellt, kritisierte Joyce. Die mit Bakterien verseuchte Molke war im Mai 2012 hergestellt worden - Fonterra gab den Fund der Bakterien aber erst am Wochenende nach monatelangen Tests bekannt, also mehr als ein Jahr später. "Das ist alles sehr frustrierend", sagte Joyce.

stk/dpa/Reuters/AFP



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edmond_d._berggraf-christ 06.08.2013
1. Vom gegenwärtigen Wirtschaftswesen Chinas
Bemerkenswert ist beim gegenwärtigen Wirtschaftswesens Chinas, daß Kaiser Deng zwar durchaus den Marxismus wirtschaftlich abschaffen ließ (30% höhere Produktivität in der Privatwirtschaft sind unschlagbar), aber dabei nicht ähnlich planlos und überstürzt vorging wie das marxistische Rußland und namentlich die zentrale Planung und Lenkung der Wirtschaft dem chinesischen Staat verblieben ist; weshalb sich China andere Ziele steckt als man dies im Abendland zu tun pflegt und daher keine Zuschüsse zur vorzeitigen Verschrottung von Kraftfahrzeugen vergibt, um den Kraftfahrzeugsherstellern etwas Liebes zu tun. Hinzu kommt die große Nähe der Unternehmer zum Staat, denn 9 von 10 chinesischen Millionären sind Mitglieder der Staatspartei. Auch besitzt der chinesische Staat noch immer die Weisungsbefugnis gegenüber seinen Unternehmen und kann daher z.B. Preiserhöhungen bei Nudelfertiggerichten untersagen, wenn er fürchtet, daß dies die Wanderarbeiter zu sehr erbosen könnte.
ottohuebner 06.08.2013
2. wir haben ...........
wir haben bis vor kurzem new zealaendische milch gekauft. bis ploetzlich eu-subventionierte deutsche milch wesendlich guenstiger war. dies ist jedoch nicht der erste milchskandal. vor ein paar jahren gab es melatonin verseuchte milch. einfach new zealandische produkte NICHT mehr kaufen. jedenfalls fuer eine weile nicht. nur wenn die einnahmen nicht mehr stimmen lernen grosse betriebe. wir sind jedenfalls enttaeuscht, sehr sogar.
gisela.schwan 06.08.2013
3. Für Kenner des Landes kaum überraschend
Im Vergleich zu seiner Größe ist NZ vor allem ein Marketinggigant. Aus jeder halben Touri-Attraktion wird das 7. Weltwunder konstruiert, und entsprechend kassiert. Es gibt kaum ein Land auf der Welt, das ähnlich ökologisch zerstört wurde wie NZ, einerseits wegen der rabiaten Methoden der menschlichen Besiedlung, andererseits weil das Ökosystem an sich schon immer besonders fragil war. Dass NZ es fertig bringt diesen Zustand auch noch als Ökoparadies zu vermarkten spricht für die Bauernschläue der Kiwis. Trotzdem wundert mich die Fonterra Sache. Miichprodukte aus NZ sind ja wirklich gut. Wie die so ihren Ruf auf Spiel setzen können ... unglaublich. Übrigens kenn ich im deutschen Raum nur das NZ2go Blog, das versucht das Land ehrlich darzuzustellen, auch Probleme. Auch der 100% Pure Slogan wurde da vor geraumer Zeit zerpflückt.
p.donhauser, 06.08.2013
4. Nz
wieso brauchen wir eigentlich produkte aus NZ?
heinz4444 06.08.2013
5. Und was hat
Zitat von edmond_d._berggraf-christBemerkenswert ist beim gegenwärtigen Wirtschaftswesens Chinas, daß Kaiser Deng zwar durchaus den Marxismus wirtschaftlich abschaffen ließ (30% höhere Produktivität in der Privatwirtschaft sind unschlagbar), aber dabei nicht ähnlich planlos und überstürzt vorging wie das marxistische Rußland und namentlich die zentrale Planung und Lenkung der Wirtschaft dem chinesischen Staat verblieben ist; weshalb sich China andere Ziele steckt als man dies im Abendland zu tun pflegt und daher keine Zuschüsse zur vorzeitigen Verschrottung von Kraftfahrzeugen vergibt, um den Kraftfahrzeugsherstellern etwas Liebes zu tun. Hinzu kommt die große Nähe der Unternehmer zum Staat, denn 9 von 10 chinesischen Millionären sind Mitglieder der Staatspartei. Auch besitzt der chinesische Staat noch immer die Weisungsbefugnis gegenüber seinen Unternehmen und kann daher z.B. Preiserhöhungen bei Nudelfertiggerichten untersagen, wenn er fürchtet, daß dies die Wanderarbeiter zu sehr erbosen könnte.
das nun mit der Babymilch zu tun?
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