Studie zu Militärausgaben Die Welt rüstet auf

Weltweit nehmen die Investitionen ins Militär zu: Spitzenreiter sind die USA und China. Deutschland steigt im Ländervergleich auf. Russland schafft es nicht mehr unter die Top 5.

Zwei Flugzeuge vom Typ V-22 Osprey bei einer Militärübung der USA und der Philippinen
FRANCIS MALASIG/EPA-EFE/REX

Zwei Flugzeuge vom Typ V-22 Osprey bei einer Militärübung der USA und der Philippinen


Auch 2018 haben die Länder der Erde wieder mehr Geld ins Militär gesteckt als im Jahr zuvor. Die weltweiten Militärausgaben stiegen im vergangenen Jahr um 2,6 Prozent auf schätzungsweise rund 1,82 Billionen Dollar (umgerechnet etwa 1,64 Billionen Euro) und damit zum zweiten Mal in Folge. Das berichtet das Stockholmer Friedensforschungsinstitut Sipri in seiner aktuellen Studie zum Thema. Das bedeutet einen neuen Höchststand seit 1988, als Sipri erstmals einheitliche globale Vergleichsdaten zur Verfügung hatte.

Besonders die USA und China investierten 2018 deutlich mehr ins Militär, wie der Sipri-Forscher Nan Tian erklärte. Russland rutschte nach einem weiteren Rückgang erstmals seit zwölf Jahren aus den Top 5 heraus. Und Deutschland überholte mit einem Anstieg um 1,8 Prozent auf 49,5 Milliarden Dollar (44,4 Milliarden Euro) Japan und liegt damit nun an weltweit achter Stelle. Die deutschen Investitionen ins Militär entsprechen laut Sipri etwa 1,2 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) - bis 2025 will Deutschland seine Militärausgaben auf 1,5 Prozent des BIP steigern.

Die zehn Länder mit den höchsten Militärausgaben 2018

Rang Land Ausgaben
1 USA 649 Milliarden Dollar
2 China 250 Milliarden Dollar
3 Saudi-Arabien 67,6 Milliarden Dollar
4 Indien 66,5 Milliarden Dollar
5 Frankreich 63,8 Milliarden Dollar
6 Russland 61,4 Milliarden Dollar
7 Großbritannien 50 Milliarden Dollar
8 Deutschland 49,5 Milliarden Dollar
9 Japan 46,6 Milliarden Dollar
10 Südkorea 43,1 Milliarden Dollar

Quelle: Sipri

Auch wenn die russischen Militärausgaben unter anderem aufgrund der Wirtschaftsprobleme zurückgehen, werde Russland in der Region weiter stark als Bedrohung wahrgenommen, sagte Sipri-Fachmann Pieter Wezeman. Das Resultat: deutlich höhere Verteidigungsausgaben in Polen, der Ukraine, Bulgarien, Lettland, Litauen und Rumänien.

Sipri wertete Daten von 155 Ländern aus. Das Institut stützt sich in dem jährlichen Bericht nicht nur auf offizielle Regierungsangaben zum Verteidigungsbudget, sondern berücksichtigt auch weitere Quellen wie Statistiken von Zentralbanken und der Nato sowie Regierungsantworten auf Umfragen etwa der Vereinten Nationen.

Unangefochtener Spitzenreiter bleiben die USA

Unter der Ägide von US-Präsident Donald Trump gaben die Vereinigten Staaten 2018 knapp 649 Milliarden Dollar (583 Milliarden Euro) für ihre Verteidigung aus. Das entspricht mehr als einem Drittel (36 Prozent) der weltweiten Militärausgaben und ist fast so viel wie alle Investitionen der acht darauffolgenden Länder zusammengerechnet.

Ein Hauptgrund für den Anstieg um 4,6 Prozent sei, dass von der Trump-Regierung beschlossene Waffenbeschaffungsprogramme umgesetzt worden seien, sagte Sipri-Expertin Aude Fleurant.

Die chinesischen Militärausgaben stiegen derweil um 5 Prozent und damit zum 24. Mal in Folge. Die zehn vordersten Plätze komplettieren Saudi-Arabien, Indien, die drei Uno-Vetomächte Frankreich, Russland und Großbritannien sowie Deutschland, Japan und Südkorea.

Asien und Ozeanien investieren zunehmend ins Militär

Die Militärausgaben Asiens und Ozeaniens sind nach Sipri-Angaben seit 1988 jährlich gestiegen. Mittlerweile machen sie 28 Prozent der weltweiten Investitionen ins Militär aus - nach nur 9 Prozent vor 30 Jahren. Als Grund für den kontinuierlichen Anstieg sieht Sipri nicht nur die Spannungen zwischen asiatischen Staaten, sondern auch den Konflikt zwischen China und den USA.

Von 1999 bis 2011 sind die weltweiten Militärausgaben kontinuierlich gestiegen. Zwischen 2012 und 2016 blieben sie einigermaßen konstant, ehe die Zahlen 2017 wieder leicht zunahmen. Im Falle der USA sanken sie seit 2010 sogar jahrelang. Diesen Abwärtstrend erklärten die Sipri-Forscher aber bereits in ihrem Vorjahresbericht für beendet.

Wo 2018 weniger ins Militär investiert wurde

In Afrika sanken die Ausgaben fürs Militär 2018 deutlich, im Nahen Osten zumindest leicht. In absoluten Zahlen am stärksten sanken die Militärausgaben in Saudi-Arabien, das 2018 rund 4,6 Milliarden Dollar weniger in sein Militär steckte als im Vorjahr. Das Königreich landet laut Sipri im aktuellen Ländervergleich der Militärausgaben auf Platz drei.

Die Bundesregierung hatte im November 2018 als Reaktion auf den Mord an dem regierungskritischen saudi-arabischen Journalisten Jamal Khashoggi alle Rüstungsexporte nach Saudi-Arabien gestoppt. Berlin geht es dabei unter anderem darum, dass keine deutschen Waffen im Jemenkrieg verwendet werden. Dort kämpft eine von Saudi-Arabien angeführte Militärkoalition gegen die schiitischen Huthi-Rebellen.

aar/dpa/AFP

insgesamt 97 Beiträge
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Architectus 29.04.2019
1. Nein
Nein, wir haben kein Geld für Klimaschutz, das ist viel zu teuer, Wir investieren lieber in die Kriege um Öl, Wasser und Rohstoffe (andere Kriege gibt es namlich seltenst)
thomas_linz 29.04.2019
2. Finde ich absolut in Ordnung,
knapp 2 Billionen Dollar für die Verteidigung auszugeben! Kriminelle lauern an jeder Ecke, es sterben nicht Millionen von Kindern, wir haben kein Umwelt- und Klimaproblem und das Militär schafft Arbeitsplätze und bringt die Wissenschaft voran. Da kann man nur den groessten deutschen Dichter, Broesel, zitieren: Wir trampeln durchs Getreide, wir trampeln durch die Saat, Hurra wir verbloeden, für uns bezahlt der Staat!
Scribulus 29.04.2019
3. Bravo!!
Eindrucksvoller kann man nicht dokumentieren, wie dumm die Menschheit ihren Führern folgt.Der Planet kränkelt dank der Politik dem Ende seiner Funktionalität als biologische Existenzgrundlage entgegen, die Gesellschaften zerbröckeln aufgrund sich zuspitzender Unterschiede zwischen Arm und Reich, weil wir Gewinnmaximierung um jeden Preis zur Lebensmaxime erhoben haben - aber wir bauen lustvoll weiter an unglaublich wirksamen Mitteln, uns auszulöschen. Vivat Intelligenzia! Wenn wir wenigstens den Großmut hätten, auf unsere Mitbewohner der schönen Erde Rücksicht zu nehmen, denn Fauna und Flora sind unschuldig und ohne Arg.
Freeflow 29.04.2019
4. Verteidigung?
Im Artikel heißt es, die U.S.A. gäben fast 650 Milliarden Dollar für ihre Verteidigung aus. Tatsächlich dient das U.S. Militär doch im wesentlichen dazu, die aggressive Außenpolitik der U.S.A. durchzusetzen. Bei Bedarf eben auch mit roher Gewalt.
karljosef 29.04.2019
5. Gibt es irgendwo einen Vergleich,
wieviel die einzelnen Länder in die Entwicklungshilfe bezahlen? Ob hierdurch evtl. mehr für den Weltfrieden erreicht würde?
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