Militärtransporter Regierung lässt Airbus mit A400M-Forderung abblitzen

Der Streit über die Zukunft des A400M eskaliert: Die Bundesregierung will einem Zeitungsbericht zufolge die finanziellen Nachforderungen von Airbus für den Militärtransporter nicht erfüllen. Der Flugzeugbauer hatte zuvor so offen wie nie mit dem Aus für das einstige Prestigeprojekt gedroht.

Airbus A400M: Auf dem Boden der Tatsachen gelandet
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Airbus A400M: Auf dem Boden der Tatsachen gelandet


Berlin - Die Regierung schaltet weiter auf stur: Der Bund wird für den Militärtransporter A400M nach Angaben des "Handelsblatts" nicht so viel zahlen, wie vom Flugzeugbauer Airbus und seinem Mutterkonzern EADS gefordert. Man wolle sich dagegen strikt an den ausgehandelten Vertrag halten und deshalb maximal 650 Millionen Euro zuzahlen, berichtete die Zeitung unter Berufung auf das Bundesverteidigungsministerium.

Die Summe von 650 Millionen Euro ergibt sich laut "Handelsblatt" aus der im Vertrag enthaltenen "Preiseskalationsformel", wonach der Flugzeugbauer lediglich Anspruch auf Inflationsausgleich und konkrete marktbedingte Preisaufschläge geltend machen darf. Airbus hatte von den europäischen Abnehmerstaaten, neben Deutschland unter anderem Frankreich, Spanien und Großbritannien, wiederholt insgesamt mehr als fünf Milliarden Euro zusätzlicher Zahlungen gefordert.

Würden sich die Deutschen als größte Bestellnation des A400M bei ihren Partnern durchsetzen, erhielte Airbus von den europäischen Abnehmerstaaten nicht einmal die Hälfte der in den Verhandlungen geforderten Summe. Der Konzern will, dass die Käufer rund die Hälfte der entstandenen Mehrkosten des derzeitig größten Rüstungsprojekts Europas tragen. Die "Financial Times Deutschland" hatte zuletzt berichtet, derzeit liege das tatsächliche Kostenplus bereits bei 11,3 Milliarden Euro.

Beide Seiten für Desaster verantwortlich

Dies entspräche einer Kostensteigerung des Projekts von mehr als 50 Prozent. Sieben Staaten hatten 2003 insgesamt 180 Militärtransporter zum Festpreis von 20 Milliarden Euro in Auftrag gegeben. Seitdem kam es neben den deutlichen Ausgabensteigerungen immer wieder zu Verzögerungen - das Projekt ist rund drei Jahre in Verzug. Allerdings hat das Flugzeug im vergangenen Dezember einen erfolgreichen Jungfernflug absolviert.

Verantwortlich für das A400M-Desaster sind allerdings beide Seiten: Airbus hatte sich mit dem Bau komplett verkalkuliert und die Abnehmerstaaten stellten immer neue Anforderungen an den Flugzeugbauer. So zwangen sie Airbus unter anderem, bestimmte Technologien nicht auf dem Weltmarkt zu kaufen, sondern in Europa neu entwickeln zu lassen.

Nach dem Nein der Bundesregierung, auf die Forderungen von Airbus einzugehen, ist völlig unklar, wie es mit dem Projekt weitergeht. Eigentlich sollte darüber bis Ende Januar entschieden werden. Am Dienstag hatte ein Airbus-Sprecher gesagt, ein Ausstieg aus der Produktion sei ein vorstellbares Szenario. Es gebe Pläne, die mit dem Projekt beschäftigten Ingenieure mit dem Bau an zivilen Airbus-Modellen zu beauftragen, falls der Militärtransporter weiter nur Verluste produziere.

Bundeswehr droht Fiasko

Allerdings gilt Deutschland in den Verhandlungen mit Airbus auch als besonders hart. So hatte der französische Verteidigungsminister Hervé Morin am Dienstag angekündigt, als Miteigner der Airbus-Mutter EADS erwäge der französische Staat keine Aufgabe des Programms. "Frankreich ist bereit, einen Teil zu bezahlen." Es komme aber nicht in Frage, dass "die europäischen Steuerzahler die Gesamtheit der Mehrkosten tragen".

Unwahrscheinlich ist auch, dass Deutschland seine sture Verhandlungslinie durchhalten kann. Denn mit einem Aus für den A400M wäre nicht nur Airbus blamiert. Auch die Bundeswehr stünde vor einem Fiasko. Sie braucht dringend einen Nachfolger für die veralteten Transall-Maschinen. Und Alternativen zum A400M wurden nie ernsthaft geprüft.

Reuters/dpa-AFX/Dow Jones

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Sgt_Pepper, 03.02.2009
1. ???
Zitat von sysopPannen beim A380, A350 und A400M - hat der europäische Flugzeughersteller Airbus sich mit gleich drei Großprojekten übernommen?
Von dem A350 wurden inzwischen 478 (!) Stück bestellt. Das heißt, Airbus ist schon vor Auslieferung des ersten Flugzeugs locker in der Gewinnzone. Der A380 hat sich durchgesetzt, 12 wurden schon ausgeliefert - die Gesamtbestellungen belaufen sich auf 198 Stück. Übernommen hat sich EADS / Airbus allein mit dem A400. Offensichtlich laufen ihnen die Kosten davon, während die Verkaufspreise festgeschrieben wurden...
kikolo, 03.02.2009
2.
was um himmels willen will die bundeswehr mit 60 riesen transport flugzeugen ...ja das glaub ich auch... .....bundeswehr abschaffen was man nicht hat kann man auch nirgends hinschicken...
Realo, 03.02.2009
3. Mal eine "dumme" Frage.....
....weil ich mich mit Flugzeugen wirklich nicht auskenne, bin nur Passagier..... Die Bundeswehr braucht ein neues Transportflugzeug, das steht fest, die Transall ist uralt. Die Russen bauen doch da riesige Maschinen, könnte man da nicht kaufen ? Oder geht das wieder nicht wg. Nato usw....?
nairobi 03.02.2009
4.
Zitat von sysopPannen beim A380, A350 und A400M - hat der europäische Flugzeughersteller Airbus sich mit gleich drei Großprojekten übernommen?
Man ist in einen Wettbewerb der Visionen eingestiegen und vieles versprochen, was man nicht einhalten konnte. Aber damit ist Airbus nicht allein, vor allem nicht in der Branche! Auf der anderen Seite das Atlantiks sieht es nicht anders aus. Dort überflüglt man Airbus bei den Pannen noch. Dort werden ganze Projekte aufgelegt und anschliessend wieder eingestampft. Und die 787 droht zum Nightmareliner zu werden!
Michael B. 03.02.2009
5.
Zitat von kikolowas um himmels willen will die bundeswehr mit 60 riesen transport flugzeugen ...ja das glaub ich auch... .....bundeswehr abschaffen was man nicht hat kann man auch nirgends hinschicken...
Haben Sie auch inhaltlich etwas zu sagen? Die A400M ist nicht riesig, sie ist zwar grösser als die Hercules und Transall aber bei weitem kleiner als eine C17 oder AN-124. Aber sie wollten ja eh nur ihr "bundeswehr abschaffen" loswerden und das gleich zweimal, als ob der Doppelpost ihren Wortbrocken mehr Sinn gäbe.
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